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Verkehr

Taxler wettert gegen das Ordnungsamt

Zu viele Konzessionen, keine Regulierung und ein geheimes Gutachten – der Fahrer erhebt schwere Vorwürfe. Leiter Alfred Santfort bezieht Stellung.
Von Heike Haala, MZ

Ein Regensburger Taxifahrer erhebt schwere Vorwürfe gegen das Ordnungsamt.Archiv-Foto: Lex

Regensburg.Taxifahrer Toni M. (Name von der Redaktion geändert) ist sauer auf das Ordnungsamt. Er wünscht sich, dass die Behörde ihre Aufgaben in Bezug auf die Regulierung des öffentlichen Nahverkehrs viel aktiver wahrnimmt.

Toni M. kann sich daran erinnern, dass er vor etwa zwei Jahren seine Bücher für einen Gutachter offenlegen sollte. Der Mann sollte im Namen des Ordnungsamts überprüfen, wie es um das Taxigewerbe in der Domstadt bestellt sei. Etwa 30 Fragen habe Toni M. dem Mann damals über sein Unternehmen beantwortet. Von den Ergebnissen dieser Untersuchung hat der Taxler aber nie wieder etwas gehört. Das Dokument müsste seiner Meinung nach seit Februar oder März bei der Behörde liegen. Er geht inzwischen davon aus, dass es unter Verschluss gehalten wird.

Taxler tun sich schwer

Doch das ist nicht das einzige, was Toni M. stinkt. Seiner Meinung nach gibt es zu viele Taxis in Regensburg. 230 sollen es nach seinen Angaben sein, wobei sich bereits 30 weitere Fahrer in Wartestellung auf eine Konzession gebracht hätten. „Das Ordnungsamt tut alles, damit wir kein Geld verdienen“, sagt er und verweist etwa auf die Dultbusse. Während der Volksfestzeit könnte er mehr Geschäft machen. Die Busse jedoch, die während dieser Zeit eingesetzt werden, durchkreuzen diesen Plan.

Seiner Meinung nach müsste das Ordnungsamt hier regulierend eingreifen und die Zahl der Konzessionen drastisch reduzieren. Nicht nur, dass auslaufende Konzessionen in seinen Augen nicht mehr verlängert werden dürften, es müssten auch aktiv Konzessionen eingezogen werden. „Und zwar nicht in fünf Jahren, sondern jetzt“, sagt der Taxler. Sonst könnte der Bankrott einiger Regensburger Taxiunternehmen nicht verhindert werden.

Alfred Santfort, der Leiter des Ordnungsamts, verteidigt seine Behörde: „Wir haben die Aufgabe, das Taxigewerbe zu regulieren“, sagt er. Diese Pflicht erfülle er jedoch mit der Maßgabe, genügend Taxis für die Fahrgäste zur Verfügung zu stellen und Branche als Gesamtes am Leben zu halten. „Einen Konkurrenzschutz für einzelne Bewerber hat diese Regelung nicht im Blick“, sagt der Ordnungsamtsleiter.

In der Tat hat seine Behörde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Wirtschaftlichkeit des Regensburger Taxigewerbes untersucht. Unter Verschluss will Santfort diese Daten jedoch nicht halten. Das Ergebnis liege seit einigen Tagen auf seinem Schreibtisch. Über den Inhalt will er informieren, sobald er das 100-seitige Zahlenwerk mit den Empfehlungen des Gutachters überprüft hat. Damit das Gutachten erstellt werden konnte, haben die Regensburger Taxler ihre Bücher offengelegt. So konnte der Gutachter etwa das Regensburger Tarifsystem, die Fahrten oder die Altersvorsorge der Regensburger Taxler untersuchen.

Santfort geht von anderen Zahlen aus als Toni M. Während der Taxler von 230 Fahrern in Regensburg spricht, die momentan über eine Konzession verfügen, sind es laut Santfort lediglich 198, tatsächlich im Nahverkehr eingesetzt werden derzeit 192. „Zu Spitzenzeiten im vergangenen Jahr waren es 206“, sagt Santfort.

Taxler Toni M. sind es mit Blick auf die Einwohnerzahl zu viele Taxis in Regensburg. Wer seiner Vorgehensweise folgt, muss tatsächlich zu dem Schluss kommen. In Regensburg teilen sich 135 000 Einwohner mit Hauptwohnsitz also 192 Taxis. Damit kommen 703 Einwohner zusammen auf ein Taxi. In Würzburg mit etwa 124 000 Einwohnern fahren derzeit 135 Taxis ihre Gäste durch die Stadt. Hier teilen sich also etwa 919 Einwohner ein Taxi. Die 128 ooo Einwohner Ingolstadts haben 107 Taxis zur Verfügung, wodurch sich 1196 ein Gefährt mit Konzession teilen. In Fürth sind es mit 120 000 Einwohnern lediglich 78 Taxis. Hier teilen sich also 1538 Einwohner mit Hauptwohnsitz ein Taxi, das sind mehr als doppelt so viele wie in Regensburg.

Weniger Taxis in anderen Städten

Santfort mahnt zur Vorsicht bei derlei Zahlenspielereien: „Um die Taxis auf die Einwohner herunterbrechen zu können, hätten wir keinen Gutachter gebraucht“, sagt er. Die Einwohnerzahl muss für ihn nichts mit der Anzahl der Taxis in einer Stadt zu tun haben: „Hier spielen auch die Fahrten für Touristen und die vom Bahnhof in Hotels eine Rolle“, sagt er. Bei der Untersuchung einer Branche kämen eben immer viele Faktoren zusammen. „Würzburg etwa hat eine andere Gebietsstruktur und Ausdehnung als Regensburg“, sagt Santfort.

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