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Theater im Café mit geringer Virenlast

Inge Faes, Matthias Leitner und Tobias Ostermeier vom Statt-Theater spielen „Wir sind die Guten“ im Garten von Pernsteiner.
Von Juan Martin Koch

Das Gesundheitswesen, vom Statt-Theater-Trio Matthias Leitner/Tobias Ostermeier/Inge Faes aufs Korn genommen
Das Gesundheitswesen, vom Statt-Theater-Trio Matthias Leitner/Tobias Ostermeier/Inge Faes aufs Korn genommen Foto: Juan Martin Koch/Juan Martin Koch

Regensburg.Busse, Pralinen, Oachkatzeln… Vielfältige Ablenkungen annoncierte das Kabarett-Trio Faes/Leitner/Ostermeier gleich zu Beginn seines „Corona Open Air Specials“ im Garten des Café Pernsteiner. Hinzu kamen im weiteren Verlauf des Abends noch ein herzzerreißend durch die Allee jaulender Hund und die großzügige Ampelbeschallung einer vierrädrigen Stereo-Booster-Anlage. Inge Faes übernahm spontan die verantwortungsvolle Position als Lärmschutzbeauftragte.

Es gibt ein Leben jenseits der Pandemie

Doch all dem vermochten die Drei mühelos zu trotzen. Eher haderte man mit Grundsätzlichem: Wie starten nach der Zwangspause? Energetisch? Ehrlich deprimiert? Auf ein beherztes „Sowohl als auch!“ konnte man sich aber schließlich einigen: Ein kubanisch rhythmisierter „Jetzt geht‘s auf“-Song fegte die Erinnerung an trübe häusliche Quarantänebeschäftigungen einfach weg. Auch in der Folge gelang es dem Trio, die Virenlast des Programms erfreulich gering, den Umgang damit aber verantwortungsvoll zu halten. Köstlich war hier das „Ebony and Ivory“-Cover mit den Schlagworten Hysterie-Pandemie-Dystopie, wunderbar melancholisch die in Weill’schem Chanson-Stil zelebrierte Suche nach Reimwörtern auf „mau“, punktgenau Inge Faes‘ Solo über die Schwierigkeit „locker aus dem Lockdown“ herauszukommen. An dessen Ende stand die beruhigende Erkenntnis: Wer Jahrzehnte im Keller des Statt-Theaters überlebt hat, den kann nix mehr schrecken, es sei denn die Aussicht auf eine Sauerstoffvergiftung bei derlei Freiluft-Veranstaltungen…

Störfall im Gesundheitswesen

Es gibt ein Leben jenseits der Pandemie – das schien die Botschaft der weiteren Nummern zu sein, schließlich war das Programm schon für April als Premiere geplant gewesen. Und auch schon vor Corona war das Gesundheitswesen ein dankbares Ziel kabarettistischer Spitzen: Da sieht sich der ahnungslose Patient ob seines abrechnungstechnisch unattraktiven Bagatell-Leidens den Vorhaltungen des Arztes und seiner Sprechstundenhilfe ausgesetzt: Mit seiner „obszönen Fit-wie-ein-Turnschuh-Masche“ sei er nichts weiter als ein Störfall, der – wenn schon Bewegung – wenigstens einer Risikosportart nachgehen solle. Traurig-schaurig geht es „In der Klinik“ zu: Tobias Ostermeier besingt zur Melodie von Elvis‘ „In the Ghetto“ das Gefühl, dem Krankenhaus-Apparat hilflos ausgeliefert zu sein. Den Heulchor Faes-Leitner gibt’s ohne Zuzahlung obendrauf – gute Besserung!

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Weitere Wortbeiträge handeln von zwei Diktatoren, die sich beim Abnehmen einer Militärparade über ihre Untertanen und EU-Förderung austauschen, und von den Sorgen der Elternschaft. Während das eine Paar stets bemüht ist, den immer neuen sprachlichen Anredewünschen seines gender-fluiden Kindes gerecht zu werden, sucht das andere psychologischen Beistand: Als Alt-68er kommen die Beiden einfach nicht drüber weg, dass ihr Sohn als Total-Spießer aus der Art geschlagen ist.

Kabarett im Café

  • Statt-Theater im Café Pernsteiner:

    Um der Kabarett-Bühne einen Open-Air-Betrieb zu ermöglichen stellt Konditor Johannes Pernsteiner seinen Café-Garten zur Verfügung. An elf Wochenend-Terminen bis Anfang August sind „Wir sind die Guten“ mit dem Trio Faes/Leitner/Ostermeier bzw. Soloprogramme mit Tobias Ostermeier und Inge Faes zu sehen.

  • Info:

    Alle Details und Kartenanfragen: unter https://statt-theater.de, Reservierungen unter: (09 41) 5 33 02 oder info@statt-theater.de

Dem Timing dieser längeren Sketche wie auch dem holprigen Loop-Groove der Fanta4-Adaption vom „Updater“ war anzumerken, dass noch nicht alles hundertprozentig rund läuft nach dem Neustart. Dies sei die nervenzerfetzendste Premiere ihrer Karriere gewesen, gab Inge Faes am Ende dann auch zu, als sie sich bei Konditor Johannes Pernsteiner für die Gastfreundschaft und bei den etwa 30 Zuhörern an den infektionstechnisch einwandfrei separierten Tischen bedankte. Die dicke Mappe mit den Genehmigungen für die Veranstaltungsreihe könne sie bei Interesse gerne vorzeigen…

Nach dem tollen „Dahoam in Bavaria“ (nach Bernsteins „America“) lieferte sie – von Matthias Leitner am Piano einmal mehr kompetent unterstützt – als weitere Zugabe das Kabinettstück des Abends ab: Ihre Umdeutung von „My Way“ zum schonungslosen Protokoll des Flirtdesasters einer Frau in den besten Jahren macht ihr so schnell keine(r) nach. So kann’s weitergehen!

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