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Theater: Intendant in großer Sorge

Eine Probebühne fällt weg, das Velodrom muss 2022 saniert werden. Der Intendant: „Ich weiß nicht, was ich dann machen soll.“
Von Heike Haala, MZ

Stücke wie die Purcell-Semi-Opera „The Fairy Queen“ im Jahr 2013 erfordern hohen technischen Aufwand. Foto: Martin Sigmund
Stücke wie die Purcell-Semi-Opera „The Fairy Queen“ im Jahr 2013 erfordern hohen technischen Aufwand. Foto: Martin Sigmund

Regensburg.Hofdamen in barocken Reifröcken und mit Hirschgeweihen auf dem Kopf, eine Pyroshow im Theatersaal und unzählige Runden auf der Drehbühne – das war die Inszenierung der Purcell-Semi-Opera „The Fairy Queen“ am Stadttheater im Sommer 2013. Für Intendant Jens Neundorff von Enzberg ein richtungsweisendes Stück, Theater auf dem Stand der Zeit, das er den Regensburgern gerne öfter präsentieren würde. Unter den momentanen Voraussetzungen aber ist das schwierig. Der Intendant macht sich deswegen große Sorgen um die Zukunft der Regensburger Bühnen.

„Wir haben inzwischen 30 Premieren pro Saison“

Neundorff von Enzberg, Intendant

Zum einen fällt ihm in den kommenden Monaten eine von drei Probebühnen weg. Die Probebühnen des Theaters sind derzeit in der Augustenstraße, im Stahlzwingerweg und in der Liebigstraße untergebracht. In dem Gebäude in der Liebigstraße ist das Theater Mieter. Allerdings wurde die Pacht dort gekündigt. Für diese Probebühne braucht der Intendant dringend Ersatz. „Wir haben inzwischen 30 Premieren pro Saison“, sagt Neundorff von Enzberg. Die vielen Stücke erfordern drei Probebühnen, um zur Bühnenreife gebracht zu werden.

Das große Haus funktioniert.  Foto: Armin Weigel dpa/lby |
Das große Haus funktioniert. Foto: Armin Weigel dpa/lby |

Aber der Intendant steht nicht nur vor diesem Problem: „Die Werkstätten des Theaters platzen aus allen Nähten.“ Zu den Werkstätten zählen etwa die Tischlerei, der Malsaal, die Tapeziererei oder eine Schlosserei, die wie eine der Probebühnen in der Augustenstraße untergebracht sind. Dort werden die Kulissen für die Theaterstücke gefertigt. Die Anforderungen an diese sind in den vergangenen 15 Jahren gestiegen. „Es gibt den Wunsch nach Opulenz“, sagt Neundorff von Enzberg. Stimmige Optik und Ästhetik einer Inszenierung würden immer wichtiger – wie eben bei „The Fairy Queen“. 30 aufwendige Premieren pro Saison treiben aber auch die Werkstätten an die Belastungsgrenze. Hinzu kommt, dass sich die Schlosserei in der Augustenstraße direkt neben der Probebühne befindet. Der Lärm aus dieser Werkstatt erschwert die Proben für die Schauspieler ungemein.

So zog der Intendant im Frühjahr Bilanz.

Was, wenn das Velodrom ausfällt?

Das alles aber sind Peanuts im Vergleich zu dem, was ab 2022 passieren wird. Denn dann muss das Velodrom, die größte und ertragreichste Bühne, des Hauses, saniert werden. Ein Jahr lang werde das ungefähr dauern. Wie Neundorff von Enzberg den Ausfall dieser Bühne unter den gegebenen Bedingungen auffangen soll, kann er sich nicht vorstellen.

Der Intendant hat aber eine Idee. Ein zentrales Gebäude von etwa 8000 Quadratmetern, in dem sowohl die Probebühnen also auch die Werkstätten und die Lager für die Kulissen untergebracht sind, könnte ihm aus der Patsche helfen. Diese „Theater-Zentrale“ könnte während der Sanierung des Velodroms als Spielstätte genutzt werden und den Wegfall dieser Bühne ausgleichen.

Eine Künstlerin kennt das Velodrom schon ewig.

Weiterhin würde die Zentrale ein anderes Problem lösen, mit dem sich Neundorff von Enzberg gerade noch herumschlägt. Die Lager für die Kulissen sind weit im Umfeld Regensburgs verteilt. Teilweise lagern die Stücke in Neutraubling, andere in mietbaren Containern auf einer Brache beim Hauptbahnhof. „Wie lange diese Mietcontainer bei der aktuellen Freude am Bauen aber Bestand haben, ist unklar“, sagt Neundorff von Enzberg. Zudem würde er mit einem zentralen Lager Transportkosten sparen.

„Die Verbindung aller Gebäude ist für die Logistik und für die Organisation aus meiner Sicht eine optimale Lösung“

Detlef Nicolmann, technischer Direktor des Staatstheaters Meiningen

Vertreter von Schauspielhäusern, die bereits über so einen Gebäudekomplex verfügen, in dem Lager, Werkstätten und Probebühnen untergebracht sind, schwärmen von dieser Lösung und möchten sie nicht mehr missen. Zum Beispiel besteht das Staatstheater in Meiningen aus einem Hauptgebäude und vier Nebengebäuden, die über Glasstege miteinander verbunden sind. „Die Verbindung aller Gebäude ist für die Logistik und für die Organisation aus meiner Sicht eine optimale Lösung“, sagt der technischer Direktor Detlef Nicolmann. So profitieren die Mitarbeiter dieses Hauses etwa von den kurzen Wegen oder von der engmaschigen Kommunikation.

Ähnlich äußert sich Dirk Wauschkuhn, der Technische Direktor des Zürcher Schauspielhauses. Seit dem Jahr 2000 verfügt dieses Theater über zentral untergebrachte Funktionsräume. Vorteile liegen für Wauschkuhn auf der Hand: „Synergien, Kosteneffizienz, verbesserte Kommunikation, Absichern von Ergebnissen, verbessertes gegenseitiges Verständnis von Prozessen.“ Obwohl er einräumt, dass durch diese Organisationsweise manchmal zu schnell reagiert werde, möchte auch Wauschkuhn das Gebäude nicht mehr missen. Er bezeichnet es als „unabdingbar“.

Hoffnung durch ein Gespräch

Der Regensburger Intendant setzt gerade alle Hoffnungen in ein Gespräch mit Vertretern der Stadt, das im Herbst stattfinden soll. Daran soll seinen Informationen zufolge neben Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Wirtschaftsreferent Dieter Daminger auch ein Vertreter des Liegenschaftsamts teilnehmen. Für Neundorff von Enzberg ist klar, dass die Weichen für die Zukunft des Theaters jetzt gestellt werden müssen. Er erwartet sich nun die Zusagen für die Lösung dieser Probleme von der Politik und auch ihre Finanzierung.

Wie es unter diesen Vorzeichen mit dem Theater weitergeht, war vonseiten der Stadt nicht zu erfahren. Unbekannt ist Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer die Problematik allerdings nicht: „Ich bin mit dem Intendanten Jens Neundorff von Enzberg im Gespräch über die Herausforderungen, die die unterschiedlichen Standorte von Werkstätten, Probebühnen und Kulissenlagern mit sich bringen, und natürlich auch darüber, wann eine Sanierung des Velodroms notwendig und realisierbar ist. Noch in diesem Herbst werden wir uns mit dem Theater und verschiedenen Fachstellen zusammensetzen, um gemeinsam Lösungen zu finden, damit das Theater weiterhin so professionell und qualitätsvoll arbeiten kann.“

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Das Theater

  • Geschichte:

    Es wurde 1804 auf Anregung von Kurfürst, Erzbischof und Reichserzkanzler Carl Theodor von Dalberg zum Bau eines neuen öffentlichen Theater- und Gesellschaftshauses nach Plänen von Emanuel Herigoyen errichtet. Es brannte 1849 nieder.

  • Wiederaufbau:

    Das heutige Gebäude von 1852 wurde in Anlehnung an die Pläne von Emanuel Herigoyen vom thurn- und taxisschen Domänen- und Baurat Carl Victor Keim neu gebaut. Am 12. Oktober 1852 wurde das Haus wiedereröffnet. (la)

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