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Sextäter

Tötete Regensburger in der JVA Tauben?

Vor fünf Jahren verging sich der junge Mann an einer 84-Jährigen. Jetzt steht er wegen Tierquälerei vor Gericht.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (links) mit den Verteidigern Peter Hofmann und Franz Hollmayr. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (links) mit den Verteidigern Peter Hofmann und Franz Hollmayr. Foto: Boeselager

Regensburg.Ein 24-jähriger Regensburger, der derzeit in der JVA Straubing in Haft ist, steht seit Mittwoch, 17. April, wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vor dem Regensburger Landgericht. Er soll von seiner Zelle aus eine Taube mit Brotkrumen an sein Fenster gelockt und getötet haben. Vor fünf Jahren – das ist der Grund seiner Inhaftierung – quälte der Angeklagte eine alte Frau aus dem Regensburger Stadtnorden: Drei Mal, so die Überzeugung des Landgerichts bei seiner Verurteilung, drang er in die Wohnung der 84-Jährigen ein und vergewaltigte sie brutal.

Die Seniorin, eine Nachbarin seines Vaters, hatte Angst vor dem mehrfach wegen Gewalt-, Drogen- und Eigentumsdelikten vorbestraften Mann. Einmal hatte er ihr die Tür eingetreten, da er duschen wollte. Binnen weniger Wochen fiel er dann drei weitere Mal über die viel ältere, körperlich weit unterlegene Regensburgerin her. Er entkleidete sie und vergewaltigte sie in ihrer Toilette und in ihrem Schlafzimmer. Danach drohte er stets, er werde die Rentnerin erschlagen, sollte sie ihn verraten.

Sextäter entkam sogar bei Therapie

Beim letzten Mal, so berichtete die Mittelbayerische damals, ging er besonders dreist vor: Vor der Sextat stärkte er sich am Kühlschrank des Opfers mit einem Käsebrot. Nach der Tat ließ er die Seniorin blutend zurück. Dafür wurde er 2015 zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt. Die Therapie stand er nicht durch. Er türmte sogar. Jetzt sitzt er den Rest der Strafe in der JVA Straubing ab.

Sextat

Sextäter muss über sechs Jahre in Haft

Ein 21-Jähriger hat gestanden, eine Seniorin dreimal vergewaltigt und verletzt zu haben. Er kommt in eine Entziehungsanstalt.

Dort soll er im März 2018 einer Taube den Hals umgedreht haben. Laut Strafbefehl, der auf den Angaben zweier Mithäftlinge beruht, die damals den Hof säuberten, lockte er den Vogel mit Krümeln ans Fenster. Dann griff er durch die Stäbe, packte das Tier und tötete es. Danach soll er die Taube rausgeworfen haben. Das Amtsgericht Straubing verurteilte den Mann dafür zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je zehn Euro. Er legte Einspruch ein. Am Mittwoch wurde der 24-Jährige zum Berufungsprozess aus der JVA Straubing vorgeführt. Ihm zur Seite stehen als Verteidiger Franz Hollmayr und Peter Hofmann. „Der Angeklagte hat keine Taube getötet“, lautete die Einlassung Hofmanns für seinen Mandanten.

Die zwei Häftlinge, die schon in erster Instanz gegen den ihn aussagten, waren zum Berufungsverfahren erneut geladen. Der erste (69) berichtete, er habe damals vom Hof aus eine Hand gesehen, die durch die Gitterstäbe griff und eine Taube nach drinnen zog. Welches Fenster es genau gewesen sei, könne er nicht genau sagen. Minuten später sei unter dem Fenster eine tote Taube gelegen. „Bei ihr war das Kragerl nach hinten umdraht.“ Das seien keine Verletzungen wie etwa durch einen Falken gewesen.

Tauben massenhaft angefüttert

Sein 68-jähriger Kollege hatte da deutlich konkretere Erinnerungen: Er kannte den 24-Jährigen vom Hofgang. Schon länger habe er bemerkt, dass dieser „als einziger“ ständig Tauben fütterte. „Sein Sims war überfüllt mit Tauben.“ Wegen dem Dreck, den die Vögel machten, habe er ihn mehrfach aufgefordert, das Füttern zu unterlassen – ohne Erfolg. Zeitgleich seien oft tote Tauben „im Bereich von zwei bis drei Metern“ unterhalb seines Zellenfensters im 3. Stock gelegen. Erst nach einer Weile sei er „stutzig geworden“ und habe einen Zusammenhang geahnt. Auf Aufforderung von Justizvollzugsbeamten habe er das Fenster des Angeklagten beobachtet. Tatsächlich habe er ihn in flagranti erwischt und seine Hand und sein Gesicht durchs Gitter gesehen, wie er den Vogel nach drinnen zog. Wenig später sei das Tier tot unten gelegen. Nach Meldung des Vorfalls will er sowohl von einem Freund des Angeklagten als auch vom Angeklagten selbst bedroht worden sein, damit er seine Aussage zurücknehme.

Verteidiger Peter Hofmann, der die Worte des Zeugen bezweifelte, stellte daraufhin den Beweisantrag, den Freund des Angeklagten vor Gericht zu vernehmen.

Der Prozess wird im Mai fortgesetzt.

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Das Tierschutzgesetz

  • Gesetz:

    Das Tierschutzgesetz (TierSchG) in Deutschland ist als Gesetz zu dem Zweck erlassen worden, „aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen“.

  • Grundsatz:

    Der Grundsatz des Tierschutzgesetzes lautet: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen“

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