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Medizin

Top-Mediziner übt den Ruhestand

Er ist wie ein Magnet: Prof. Wolf Wieland zieht Patienten aus der ganzen Welt ins Josefskrankenhaus. Nun geht der prominete Urologe – noch nicht ganz.
Von Heinz Klein, MZ

Hin und wieder wird Prof. Wolf Wieland noch zum Skalpell greifen, im Josefskrankenhaus, aber auch in St. Petersburg und der Erdölstadt Ufa im Ural. Foto: dpa-Archiv

Regensburg. Die Kartons stehen schon im Chefarztzimmer, zum Packen bleibt noch ein wenig Zeit. Am 1. Oktober wird Prof. Dr. Wolf F. Wieland die Funktion des Ärztlichen Direktors des Caritaskrankenhauses St. Josef an Prof. Dr. Olaf Ortmann übergeben und die Leitung der Klinik für Urologie in die Hände seines Nachfolgers legen. Der ist sein persönlicher Wunschkandidat, auch der des Hauses und der Universität, nur bei der Nennung des Namens legt Caritasdirektor Dr. Roland Batz noch den Zeigefinger auf die Lippen. „Alles in trockenen Tüchern, aber noch nicht unterschrieben“, signalisiert er und so bleibt der Name unausgesprochen. Er war schon im Haus tätig und hat sich nun andernorts Meriten verdient. „Der war eine richtige Starterrakete, die alle mitgerissen hat“, schwärmt der Chef.

Wieland kennt sich aus mit Raketen, die andere mitreißen, schließlich ist er selbst so eine. Keine Urologie in Deutschland außer Großhadern und Hannover hat so viele habilitierte Mediziner hervorgebracht, wie die in St. Josef. Und der Name Wieland hat Klang, weit über Regensburg, Bayern und Deutschland hinaus. Wenn russische Oligarchen und arabische Scheichs die Prostata zwickt, fällt ihnen dieser Name ein – und das soll vorerst auch so bleiben. Deshalb bleibt auch Prof. Wieland noch ein Weilchen am Krankenhaus St. Josef – als vertrautes Gesicht und Ansprechpartner. Und hin und wieder wird er auch noch zum Skalpell greifen – in Regensburg, aber auch im fernen Ufa im Ural oder in St. Petersburg. Masterclass-Operateure werden immer wieder eingeladen, ihr Können zu vermitteln.

Wieland kam selbst aus einer Chefarztschmiede. Die Münchner Mammutklinik Großhadern war damals das Mekka der Medizin. Als Gynäkologe hatte Wieland dort begonnen, folgte dann aber dem Ruf eines namhaften Professors, der ihm riet: „Komm zu uns in die Urologie“. „Das ist ein großes operatives Spektrum, was Handfestes und für einen Bayern macht das mehr Sin“, rechtfertigt Wieland seinen Beschluss von damals. Noch so einen Ruf gab es für den jungen Urologen, als der sich in Großhadern habilitiert hatte. „Ich war schon am Absprung nach Indianapolis – Gott sei Dank hab‘ ich‘s nicht gemacht.“

Im Josefskrankenhaus wurde die Urologie 1984 für den jungen Privatdozenten Dr. Wieland ausgebaut. Der brachte Pioniererfahrung im Nierensteinzertrümmern aus Großhadern mit und startetet mit zwei Assistenzärzten und zunächst ohne Oberarzt, denn Dr. Wolfgang Rößler kam erst einige Monate später. Längst ist auch er Professor und Wieland als Stellvertreter all die Jahre treu geblieben.

Als die Urologie in St. Josef zur Universitätsklinik wurde, war man schon mittendrin im wissenschaftlichen Arbeiten. „Heute kann man sagen, die Urologie in St. Josef gehört zu den drei wissenschaftlich aktivsten urologischen Unikliniken in Deutschland“, sagt der Professor nicht ohne Stolz und meint: „Da muss man dem Träger danken – bei der klinischen Qualität und Ausstattung sind wir hier einfach auf dem absoluten Top-High-Level!“

Natürlich muss es auch menschlich im Team stimmen. Und das tut es total, versichert Wieland. Ein bisserl wurmt es ihn, dass auch das klassische Männerfach Urologie immer weiblicher wird. In Wielands Team herrscht noch leichter Männerüberschuss. Und weil auch die meisten Patienten Männer sind, findet er das ganz gut so.

Um 5.30 Uhr beginnt bei dem 65-Jährigen der Tag. Dass er sich künftig um diese Zeit nochmal aufs Ohr legen sollte, würde er ziemlich komisch finden. Große Pläne hegt der angehende Teil-Ruheständler nicht. Sport will er machen, Radeln und Tennis, aber bloß keine Großtaten. Mit über 60 noch Ironman zu werden, das hält der Mediziner Wieland für total unvernünftig.

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