MyMz
Anzeige

Wirtschaft

Tourismus: Klasse statt Masse

Ein Konzept der Stadt soll verhindern, dass die Regensburger Altstadt zur Kulisse wird. Die Umsetzung ist aber noch unklar.
Von Julia Ried

Touristen gestern am Dom. Die Stadt will die Besucherströme künftig stärker lenken. Foto: Tino Lex
Touristen gestern am Dom. Die Stadt will die Besucherströme künftig stärker lenken. Foto: Tino Lex

Regensburg.Die Altstadt soll trotz der vielen Touristen für die Bevölkerung lebenswert bleiben, nicht zur reinen Kulisse für Fotos und Anlaufstelle für den Andenkenkauf verkommen – da sind sich viele Regensburger einig. So formulierte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer am Donnerstag auch das Ziel des neuen Tourismuskonzepts, das Kulturreferent Klemens Unger, Tourismus-Chefin Sabine Thiele und Dr. Andrea Möller von der Firma DWIF Consulting, die es verfasst hat, präsentierten. Einen Fahrplan zur Umsetzung gibt es jedoch noch nicht.

Als „Kulturstadt mit Welterbetitel“ definiert das Papier Regensburg. Das „historische Pfund“ müsse aber erhalten, modern weiterentwickelt werden. „Es kann nicht Aufgabe sein, in Schönheit zu sterben. Es ist ein lebendiges Welterbe“, so fasste Dr. Andrea Möller den Konsens der Branchenvertreter im Tourismusbeirat zusammen, der bei der Konzepterstellung mitwirkte. „Das bedeutet Klasse statt Masse.“ Neben dem Kultur- soll auch der Tagungstourismus weiterentwickelt werden.

Eine Video-Umfrage zum Thema „Tourismus der Zukunft“ sehen Sie hier:

Umfrage: Wie sieht der Tourismus der Zukunft aus?

Was die „Masse“ an Touristen in Regensburg angeht, hatte Thiele noch im Juni 2017 in einem Interview mit der Mittelbayerischen gesagt, mit einer Million Übernachtungen im Jahr gebe es noch „Luft nach oben“. Sie hatte damals auf Salzburg mit gut doppelt so vielen verwiesen: Dabei fürchten einige Regensburger, dass sich ihre Stadt in diese Richtung entwickelt.

Gegen den Ausverkauf

Stefanie Lell, die als stellvertretende Vorsitzende der Apartment-Allianz für die Vermieter von privaten Unterkünften spricht, erkennt nun diesbezüglich eine Strategiewende. Sie bewertet das Konzept als „durch die Bank positiv“. „Es geht darum: Wir reichen uns die Hände und bewahren Regensburg vor einem Ausverkauf.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema:

Kommentar

Am Bürger vorbei

Das „zukunftsorientierte Tourismuskonzept für die Stadt Regensburg“ umfasst 146 Seiten. Trotzdem geht der Inhalt am Kern dessen vorbei, was sich Bürger...

Thiele will auf Nachfrage, was „Klasse statt Masse“ konkret bedeute, von einer Kursänderung nicht sprechen. „Ich würde sagen, wir entwickeln uns weiter.“ Überhaupt habe sie ein 2,2-Millionen-Ziel nie kommuniziert. „Im Gegenteil, wir haben immer gesagt, dass wir keine Salzburger Verhältnisse anstreben.“

Analyse

Das Tourismuskonzept unter der Lupe

Mehr Akzeptanz für Touristen, Kongresspublikum ohne RKK und die Rolle der Digitalisierung: Das sind die wichtigsten Themen.

Dr. Achim Hubel, stellvertretender Vorsitzender der Altstadtfreunde, nimmt Thiele das nicht ab und erkennt auch in dem Konzept keinen neuen Kurs. „Da sind so viele Sprechblasen, Worthülsen und Fremdwörter drin, die alle wissenschaftlich klingen, aber völlig nichtssagend sind.“ Er kritisierte: „Die Kreuzfahrtschiffe kommen in dem ganzen Konzept nicht vor.“ Dabei würden doch mit jedem ungefähr 150 Touristen „ausgespuckt“. „Viele Bürger beschweren sich, dass Wohnungen immer häufiger in Ferienwohnungen umgewandelt werden.“ Diesem Problem widme sich das Papier aber ebenso wenig wie der Entwicklung, dass immer mehr Souvenirläden andere Geschäfte verdrängten.

Zahlen und Fakten zum Tourismus in Regensburg finden Sie in diesem Video:

Fakten und Zahlen zum Tourismus in Regensburg

Für Kathrin Fuchshuber, Sprecherin des Vereins „Hotels in Regensburg“, „wäre dieses zukunftsfähige Tourismuskonzept eine Basis gewesen, um gemeinsam einen Maßnahmenkatalog zu beschließen“. Dies sei nicht passiert. „Es sind unglaublich viele Worte, die nicht konkret sind. Ich kann nicht sagen, mit welchen Taten die einzelnen Punkte hinterlegt werden. Es gibt leider auch keine Zeitschiene.“

Umsetzung „nicht einfach“

Auch Lell sagt, die Umsetzung werde „nicht einfach“, vor allem was die Zusammenarbeit in der Branche angehe. „Da kocht wirklich jeder sein eigenes Süppchen und hat außenrum eine drei Meter hohe Stacheldraht-Mauer.“ Jetzt seien die Akteure gefordert, Projekte anzustoßen und mitzufinanzieren. Die Tourismus GmbH bezuschusst solche Aktionen zukünftig zu 50 Prozent, hat dafür 2019 ein Budget von 100 000 Euro eingeplant. Dies schlägt das Kulturreferat dem Stadtrat nächste Woche zur Beschlussfassung vor.

Thiele nennt das Konzept „einen roten Faden“ für die gesamte Branche, die nun gemeinsam konkrete Maßnahmen entwickeln solle. Auch Kulturreferent Unger betonte: „Das muss erarbeitet werden.“

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht