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Planung

Tram-Frage: Die Kosten sind entscheidend

Zahlreiche Initiativen, aber nur 42 Prozent der Regensburger befürworten eine Stadtbahn. Die Alternative ist ein Bus-System.
Von Julia Ried, MZ

Ein breites Bündnis fordert eine Tram – hier ein Zug in Wien –für Regensburg. Foto: Wiener Linien/Manfred Helmer
Ein breites Bündnis fordert eine Tram – hier ein Zug in Wien –für Regensburg. Foto: Wiener Linien/Manfred Helmer

Regensburg.Das Thema Tram ist derzeit in Regensburg sehr präsent. Dazu trägt das „Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV“ bei, das vehement ein politisches Bekenntnis zu einer Stadtbahn fordert und von 23 verschiedenen Initiativen getragen wird, von den Altstadtkaufleuten bis zum ökologischen Verkehrsclub Deutschland. Ausschlaggebend für eine Entscheidung pro oder contra Tram sind am Ende wohl die Kosten-Nutzen-Berechnungen, die die von der Stadt beauftragten Verkehrsplaner gerade erarbeiten. „Es hängt natürlich an der Umsetzbarkeit“, sagt Planungsreferentin Christine Schimpfermann.

Ihre Präferenz will die Spitzenbeamtin nicht verraten. Der Geschäftsführer der Stadtwerke, Manfred Koller, bekennt sich dagegen ebenso klar wie die Chefs des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV) zu einer Tram. Sie sei zwar teurer in der Realisierung als ein System, dessen Kern Schnellbuslinien bilden, könne aber mehr Fahrgäste befördern. RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein sagt: „Das System braucht eigene Trassen. Wenn Sie sowieso den Schritt gehen, ist die Stadtbahn deutlich attraktiver.“

Konkretere Zahlen schon im Sommer

Eine überschlägige Schätzung der Kosten enthält ein im Januar präsentierter Zwischenbericht der von der Stadt mit einer Studie zum öffentlichen Nahverkehr der Zukunft beauftragten Verkehrsplaner: Ein Tramnetz mit drei Linien koste bis zu 456,5 Millionen Euro, ein Stadtexpress mit Bussen bis zu 312,5 Millionen – dazu kommen Kosten für Straßenbauwerke. Diese und die Betriebskosten sollen die Verkehrsplaner laut Schimpfermann bis zu den Sommerferien ermitteln. Außerdem sollen sie die Förderfähigkeit prüfen. Im Verkehrsausschuss des Stadtrats kristallisierte sich zuletzt eine Tendenz zu einem schienengebundenen Kern-System heraus.

Manfred Wacker, stellvertretender Leiter des Lehrstuhls für Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik an der Universität Stuttgart, hält ein Bahnsystem in Regensburg grundsätzlich für finanzierbar: „Es werden eher die schienengebundenen Verkehrsmittel gefördert“, sagt er. Je länger die Strecke, auf der eine Bahn durch die Stadt auf einer eigenen Trasse unterwegs ist und nicht im Mischverkehr, desto aufwendiger sei die Realisierung. „Der Bus ist generell flexibler“, sagt der Experte. „Sie können einen Bus schnell dem veränderten Bedarf anpassen.“ Doch ein Bussystem erreiche auch schneller seine Kapazitätsgrenze. Nach Angaben der für die Stadt tätigen Ingenieurbüros passen in einen extragroßen Doppelgelenkbus höchstens 155 Fahrgäste, in eine Tram bis zu 300. Verkehrsbetriebe können nicht beliebig viele Busse auf eine Strecke schicken, weil die Kosten damit steigen und bei einer sehr engen Taktung die Stabilität des Betriebs leidet, wie Wacker erklärt.

Die Regensburger indes sind mehrheitlich noch nicht überzeugt von den Vorzügen einer Stadtbahn. Nur 42 Prozent beantworteten in unserer Umfrage die Frage, ob sie sie befürworten, mit „Ja“, 54 Prozent sagten „Nein“.

Hier sehen Sie unser Umfrage-Ergebnis zum Thema Stadtbahn.

Gleise können auch im Grün verlaufen

Vielleicht befürchteten die Nein-Sager, dass eine Tram das Stadtbild zum Negativen verändert, vermutet Dr. Walter Weber, der Architekt und Hochschulprofessor im Ruhestand, der das „Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV“ koordiniert. Er betont, dass eine Stadtbahn nicht durch die Altstadt fahren werde – und dass sie Chancen eröffne für die Neugestaltung des Stadtraums. Auch die RVV-Chefs sehen das so. „Ich kann einen Gleiskörper im Rasenbett ausbilden“, schwärmt Frank Steinwede. Das sei optisch und akustisch ein Gewinn.

Dass die Stadt die Bürger in den weiteren Planungsprozess einbinden möchte, ist beschlossene Sache. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, auf einem Online-Beteiligungsportal Fragen zu stellen und über das Projekt zu diskutieren.

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