MyMz
Anzeige

Verkehr

Tram: In 24 Minuten durch Regensburg

Im Kosten-Nutzen-Vergleich steht ein Bussystem besser da. Doch die Vorteile einer Stadtbahn überwiegen trotzdem.
Von Julia Ried

So ähnlich wie diese Tram in Montpellier könnte den Gutachtern zufolge einmal die Regensburger Stadtbahn aussehen. Foto: rh2010/Fotolia
So ähnlich wie diese Tram in Montpellier könnte den Gutachtern zufolge einmal die Regensburger Stadtbahn aussehen. Foto: rh2010/Fotolia

Regensburg.Geht es nach den Experten, die für die Stadt die Studie zum öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) der Zukunft erstellt haben, so sieht dieser im Jahr 2030 so aus: In 24 Minuten ist der Pendler von Wutzlhofen am Uniklinikum – mit der Stadtbahn und das ohne Umsteigen. Die Stadtverwaltung hat das Gutachten von Planungsbüros aus Deutschland, Österreich und der Schweiz jetzt veröffentlicht und schlägt dem Stadtrat eine Entscheidung pro Tram vor. Heute, 19. Juni, bittet die Stadtverwaltung den Planungsausschuss um seine Zustimmung für die Aufnahme der Planung zur Einführung einer Stadtbahn.

„Regensburg als wachsende Stadt braucht ein leistungsfähiges und zugleich stadtverträgliches Mobilitätsangebot“, sagt Planungsreferentin Christine Schimpfermann. „Dem ÖPNV kommt hierfür eine wichtige Rolle zu. Um diesen zu stärken, brauchen wir einen wirklichen Qualitätssprung, der nur mit einer Stadtbahn zu leisten ist.“ Das Gutachten habe auch gezeigt, dass eine Tram von ihrem Investitionsumfang in einem wirtschaftlich vertretbaren Bereich liege.

Tram ist teurer

Das ebenfalls untersuchte „Bus-Rapid-Transit“-System mit Schnellbussen (BRT) schneidet zwar wegen der geringeren Investitionskosten von rund 203 Millionen Euro für die Infrastruktur beim Kosten-Nutzen-Vergleich mit einem „Indikator“ zwischen 1,41 und 2,09 besser ab als die 246 Millionen Euro teure Tram mit einem Wert zwischen 0,96 und 1,62. Mindestens eins muss das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Förderfähigkeit betragen, dies sei auch für die Tram erreichbar, halten die Experten fest. Das BRT-System sei aber nicht ausreichend leistungsfähig.

Hier sehen Sie das untersuchte Netz.

Die Vorteile einer Tram haben die Gutachter in ihrem Szenario für 2030 konkret errechnet. Sie könnte auf zwei Nord-Süd-Linien pro Stunde bei einem Fünf-Minuten-Takt bis zu 6000 Passagiere über die Nibelungen- beziehungsweise die Galgenbergbrücke befördern, Schnellbusse 4320. Die Tram-Auslastung liegt über die drei Bewertungsvarianten „streng“, „mittel“ und „maximal“ hinweg zwischen 36,5 Prozent (Landshuter Straße, strenges Szenario) und 65,3 Prozent (Galgenbergbrücke, Maximal-Szenario). Ein BRT-System erreicht dagegen Werte von bis zu 80,3 Prozent – die Gutachter erkennen „deutliche Überlastungen“ zwischen Bahnhof und Uni.

Ein Erklärvideo zum Thema sehen Sie hier.

Zahlen und Fakten zur geplanten Tram in Regensburg

Der „Schienenbonus“ werde für regen Zuspruch für die Stadtbahn sorgen, prognostizieren die Fachleute: „Schienenverkehrsmittel werden von der Bevölkerung als wirklich höherwertig wahrgenommen.“ Als weiteren Vorteil nennen sie: „Die langfristige Option einer Regio-Stadtbahn bleibt offen, da eine Verknüpfung mit einer oder mehrerer Vollbahnstrecken möglich ist.“ Die Experten kündigen „attraktive Fahrzeiten“ an. So benötigt der Fahrgast für die genannte 24-Minuten-Strecke zwischen Uniklinikum und Wutzlhofen mit dem Bus heute 39 Minuten. Die Fahrzeit von Burgweinting zur Galgenbergbrücke schrumpft mit der Tram von 15 auf acht Minuten.

Knackpunkt Innenstadt

Als „technischen Knackpunkt“ haben die Fachleute die Rahmenbedingungen in der Innenstadt ausgemacht. Zwischen Arnulfsplatz und Bismarckplatz sei platzbedingt eine „zweigleisige Schieneninfrastruktur“ kaum möglich – dieses Problem sei aber lösbar. Das Thema „Platzbedarf“ beschäftigt auch Bürger, wie die Auswertung der 546 Kommentare der Online-Beteiligung zeigt. Viele Teilnehmer stehen einer Tram wohlwollend gegenüber. „In der Gesamtbetrachtung der Kommentare liegt, sofern dabei eine Systempräferenz zum Ausdruck gebracht wurde, diese mehrheitlich bei einem Pro für die Stadtbahn“, heißt es in der Zusammenfassung der Verwaltung. Das Verfahren sei jedoch nicht repräsentativ.

Sehr gern hat Walter Weber, Koordinator des Bündnisses für einen hochwertigen ÖPNV, die Studie gelesen. Seit zwei Jahren setzen sich in dieser Initiative Vereine, Einrichtungen und Firmen – inzwischen 27 – für eine Tram ein. Nun sagt der Architekt und Professor im Ruhestand: „Wir freuen uns ganz gewaltig. Alle sind glücklich, dass unsere Initiative und unsere Argumente vom Gutachten voll bestätigt werden.“ Er wünscht sich nun eine zügige Umsetzung. In München seien für die Verwirklichung einer neuen Linie neun Jahre angesetzt. „Ein solcher Zeitrahmen sollte, bei gutem Willen, auch in Regensburg möglich sein.“ Die Planungsreferentin hatte zuletzt gesagt, erste Baumaßnahmen könnten in zwölf bis 15 Jahren abgeschlossen sein.

So geht es weiter

  • Beschluss:

    Am Dienstag bittet die Stadtverwaltung den Planungsausschuss um seine Zustimmung für die Aufnahme der Planung zur Einführung einer Stadtbahn. Am 28. Juni legt sie die Sache dem Stadtrat zur Beschlussfassung vor. In der bisher letzten Abstimmung zur Stadtbahn hatte sich der Planungsausschuss einstimmig für eine Tram ausgesprochen.

  • Auftrag:

    Mit dem Stadtratsbeschluss wird die Verwaltung mit der Planung für das Kernnetz beauftragt. Sie soll ebenfalls die Trasse einschließlich der zugehörigen Betriebsanlagen „eigentumsrechtlich sichern“, also Grund erwerben. Zu sichern sind auch die Flächen für potenzielle westliche und östliche Netzerweiterungen.

  • Personal:

    Die Verwaltung schlägt vor, in Abstimmung mit dem Stadtwerk eine Organisations- und Personalstruktur für die Planungsphase zu erarbeiten. Im Stadtplanungsamt ist bereits eine Stelle geschaffen worden. Weiteres Personal ist – auch zur Planung des neuen Busbahnhofs – beantragt.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht