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Nachruf

Trauer um ersten Bezirksheimatpfleger

Am Freitag starb Dr. Adolf Eichenseer – Vater des Gstanzlsängertreffens und des Christkindlwiegens – im Alter von 81 Jahren.
Von Helmut Wanner und Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Dr. Adolf Eichenseer starb am Freitag im Alter von 80 Jahren. Foto: altrofoto.de
Dr. Adolf Eichenseer starb am Freitag im Alter von 80 Jahren. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Der Herrgott hatte andere Pläne: Am Samstag wollte Dr. Adolf Eichenseer mit seiner Frau Erika eine Weinprobe besuchen, doch am Freitagnachmittag endete das Leben des langjährigen Bezirksheimatpflegers. Er schlief ein und wachte nicht mehr auf. „Er starb so, wie er es sich gewünscht hat“, sagt Erika Eichenseer am Dienstag am MZ-Telefon. Sie wirkt gefasst. Bereits vor zwei Monaten hatte sie sich darauf vorbereitet, dass der Abschied bevorstehen könnte. Da lag ihr Mann schwer krank in einer Regensburger Klinik. „Dann sprang er dem Tod noch einmal von der Schippe und fasste schon wieder neue Pläne.“ Umsetzen konnte er sie nicht mehr. Eichenseer wurde 81 Jahre alt.

Der Erneuerer der Oberpfälzer Tracht

Eichenseer galt als der Vater der Gstanzlsängertreffen und des Christkindlwiegens, des Freilandmuseums Neusath-Perschen und war Bewahrer der Mattinger Hofstelle. Als Bezirksheimatpfleger wird er für immer die Erneuerung der Oberpfälzer Tracht mit seinem Namen verbunden bleiben, sagt der amtierende Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl. Appl wurde von der Nachricht am Dienstag in seinem Büro überrascht. „Ich hatte Dr. Eichenseer noch im Oktober bei einem Termin getroffen.“ Bezirkstagspräsident Franz Löffler nannte Eichenseer einen „Oberpfälzer mit Leib und Seele“. Er habe wie kein anderer die Oberpfälzer Kultur- und Heimatpflege geprägt. „Der Bezirk Oberpfalz ist ihm für sein langjähriges Engagement zu großem Dank verpflichtet.“

Eichenseer war der erste Bezirksheimatpfleger in der Oberpfalz. „Wer net brennt, kann auch nicht anzünden.“ – „Heimatpflege muss man mit dem Herzblut betreiben.“ – „Im Ehrenamt ist es wie bei der Liebe, man schaut nicht auf die Uhr“, sagte er selbst über die vielen Jahre, in denen er daran arbeitete, den Oberpfälzern ihre Traditionen näher zu bringen und ihnen ein Heimatgefühl zu geben. „Er hat Maßstäbe im Bereich der Heimatpflege gesetzt, die bis heute gelten“, sagt Appl. Er hat das Amt des Bezirksheimatpflegers immer in agierender, nicht nur in reagierender Weise ausgefüllt“, urteilt Löffler. Vor allem der Erhalt der Oberpfälzer Tracht und die Volksmusik seien ihm ein Anliegen gewesen. 1994 endete offiziell die Eichenseer Ära beim Bezirk Oberpfalz, aber bis vor wenigen Wochen war das Familien-Unternehmen Erika und Adolf Eichenseer in der Öffentlichkeit präsent. Dann ließen die Kräfte des 81-Jährigen zusehends nach.

Heimatpflege als praktizierende Volkskunde

Aufgewachsen war Eichenseer am Regensburger Eisbuckl. Nach dem Abitur studierte er Lehramt. Auch seine Frau Erika, die aus Oberbayern stammte, war Lehrerin. Die Klassenzimmer wurden Eichenseer aber bald zu klein. Der extrovertierte Mensch suchte die gesamte Oberpfalz als sein Publikum. „Ich bedauere keine einzige Station, weil ich immer was dazulernen konnte.“ Heimatpflege begriff er als nichts anderes als praktizierte Volkskunde, als Pädagogik und Psychologie, Überzeugung und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei ging es ihm nicht um Denkmäler und Mauern, sondern im Grunde darum, in einer globalisierten und dank moderner Kommunikationstechnologie entgrenzten Welt, einen Anker der eigenen Identität zu finden.

Eichenseer war der erste Hauptamtliche der Oberpfalz. Er begann 1969 in einem Büro im Bezirksklinikum, auf einem Gang zwischen zwei Ärztezimmern. „Ich hab als erstes eine Oberpfalzkarte aufgehängt und mit farbigen Nadeln die Kulturorte markiert.“ Die Heimatpflege in der Oberpfalz war ein weißes Blatt Papier. Eichenseer wartete auf keine Anweisungen. Er beschrieb das Blatt, mit seiner ganz persönlichen Handschrift. Er hat die Lackschicht abgekratzt und ist auf die Biertisch-Patina gestoßen, das Echte, das Ursprüngliche. Damals gab es in Regensburg ungarische, tschechische und polnische Wochen. Dr. Eichenseer startete als Gegengewicht die Oberpfalzwochen. „Mir san a wer“.

Am Freitag findet um 11.30 Uhr am Dreifaltigkeitsberg der Trauergottesdienst statt.

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