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Bürgerentscheid

Die Regensburger wollen kein RKK

Zum vierten Mal erteilten die Bürger der Stadthalle eine Abfuhr. 61,7 Prozent stimmten gegen das Projekt am Kepler-Areal.
Von Heinz Klein

Sie hatten es schon geahnt: Prominente RKK-Gegner gaben sich im Kolpinghaus schon vor der Auszählung siegessicher. Foto: Klein
Sie hatten es schon geahnt: Prominente RKK-Gegner gaben sich im Kolpinghaus schon vor der Auszählung siegessicher. Foto: Klein

Regensburg.Was sich gegen Mitternacht als klarer Trend abzeichnete, stand spät in der Nacht als Ergebnis fest: 61,7 Prozent votierten gegen ein RKK am Kepler-Areal. 38,3 Prozent sprachen sich dafür aus.

Im Kolpinghaus war am Sonntagabend die Zuversicht zu Gast. Die Sozialen Initiativen hatten zusammen mit der ödp zum „Dischkutiern, Spekuliern, Schnabuliern“ eingeladen, um dann am späten Abend das Ergebnis des Bürgerentscheids zu feiern. Man gab sich siegessicher, die Saalwetten bewegten sich im Bereich von 50 bis über 60 Prozent für ein „Ja“ zum Stop aller Vorarbeiten und Planungen für ein Kultur- und Kongresszentrum auf dem Kepler-Areal. Wer für das RKK an diesem Standort stimmte, musste beim Bürgerentscheid ein „Nein“ ankreuzen.

Reinhard Kellner (Soziale Initiativen) gehörte mit 63 Prozent zu den optimistischsten Gegnern. „Das Dörnberg-Areal, der Brandlberg, das Museum der bayerischen Geschichte – es reicht den Regensburgern, was ihnen da alles vorgesetzt wird. Regensburg wird verschandelt und verscherbelt und das verstehen die Menschen nicht“, schätzte Kellner die Stimmungslage ein.

Prominente RKK-Gegner

Die Frage des Bürgerbegehrens ist so formuliert, dass RKK-Gegner mit „Ja“ stimmen müssen. Foto: Lex
Die Frage des Bürgerbegehrens ist so formuliert, dass RKK-Gegner mit „Ja“ stimmen müssen. Foto: Lex

Andere prominente RKK-Gegner tippten vorsichtiger: Prof. Peter Morsbach 54 Prozent, Astrid Lamby 55 Prozent, Bernhard Suttner 58 Prozent, Gerda Stauner 60 Prozent. Als Preise winkten unter anderem ein Candle-Light-Dinner für Zwei im Kolpinghaus. Dessen Geschäftsführer Martin Seitel zählt sich klar zu den RKK-Gegnern. „Wir brauchen das nicht“, sagt er. Und wenn schon ein RKK, dann am Dultplatz oder draußen beim Jahnstadion. Zudem würden die Raumerfordernisse viel größer, als man der Öffentlichkeit vorgaukele, warnte Dr. Achim Hubel, emeritierter Professor für Denkmalpflege.

„Von wegen kleiner Grundriss und sieben Stockwerke. Man kann Konzertsäle nicht übereinanderstapeln.“ Schon länger prangt übrigens über dem Eingang zum Kolpinghaus der Schriftzug „Kultur- und Kongresszentrum“.

Vor der Gaststätte spulte Aktionskünstler Jakob Friedl, der 110 Personen das Wörtchen „RKK“ in verschiedenen Modulationen sagen ließ und alles dann übereinandermischte, seine Tonkunst ab. „Irgendwie hört sich das dann wie Errr-Ka-Kacke an“, strahlte der Künstler, der anschließend auch einen Anhänger voll Basilikumbäumchen an RKK-Gegner verteilte.

Die Befürworter der geplanten Stadthalle hatten sich im kleinen Kreis im Leeren Beutel getroffen, diesen Kreis aber schon gegen 22 Uhr noch lange vor einem Ergebnis wieder aufgelöst. „Wir müssen ja morgen alle wieder raus und arbeiten“, sagte Michael Quast. „Ich schätze, dass wir knapp gewinnen, aber es kann auch ganz schnell ins Gegenteil umschlagen“, zeigte sich der Geschäftsführer des Stadtmarketing vorsichtig“ „Das ist ne Blackbox.“

Befürworter Stefan Aumüller wagte gar keine Prognose. „Ich musste bei Gesprächen immer wieder erfahren, wie wenig viele Bürger informiert sind,“ bedauerte er. Deshalb sei kaum kalkulierbar, wie die Sache ausgehe.

Lesen Sie hier einen Kommentar von Heike Haala zum Bürgerentscheid:

Kommentar

Eine schmerzhafte Quittung

Das Nein der Regensburger zu einem RKK am Kepler-Areal lässt die Gegner jubeln, für die Stadt ist das Votum eine mittlere Katastrophe. Erneut ist es nicht...

Erstmals ging es um den Standort

Dreimal haben die Regensburger bisher bei Bürgerentscheiden (1999, 2004, 2006) zwar nicht ein Kultur- und Kongresszentrum, wohl aber dessen Standort abgelehnt. Und das war jedes Mal der Donaumarkt. Beim aktuellen Bürgerentscheid ging es ebenfalls nicht um eine Entscheidung pro oder contra RKK, sondern um den Standort der Stadthalle, für den sich der Stadtrat mehrheitlich entschieden hat: den Ernst-Reuter-Platz.

Hier soll nach dem Willen der RKK-Gegner kein Kultur- und Kongresszentrum entstehen. Foto: Archiv
Hier soll nach dem Willen der RKK-Gegner kein Kultur- und Kongresszentrum entstehen. Foto: Archiv

Die Stadt hatte in einer Befragungsaktion bereits die Einstellung der Regensburger erkundet. Etwa 35 000 Bürger beteiligten sich daran. Drei Viertel stimmten dafür, dass der Eingang zur Altstadt neu gestaltet wird. 67 Prozent sprachen sich für ein Kultur- und Kongresszentrum aus, 84 Prozent für den Bau eines neuen Zentralen Omnibusbahnhofs.

Dagegen hatte das bunte Bündnis gegen den Bau des RKK den Bürgerentscheid Mitte Juli beantragt und Unterschriftenlisten mit mehr als 7000 Eintragungen vorgelegt. Davon waren laut Stadtverwaltung 5843 gültig, womit die notwendige Mindestzahl von 5777 gültigen Unterschriften erreicht war. „Wir hätten noch viel mehr Unterschriften sammeln können, aber es reichte ja die geforderte Zahl für den Bürgerentscheid“, sagte ein Helfer.

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