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Trinkwasser: Versorger sind gefordert

Mehr als 320 000 Menschen werden im Raum Regensburg beliefert. Im Grundwasser sind die Nitrateinträge ein Problem.
Von Thomas Kreissl, MZ

Bevor Trinkwasser aus den Leitungen der Versorger sprudelt, sind oft Maßnahmen notwenig, um die Belastung des Grundwassers zu reduzieren.
Bevor Trinkwasser aus den Leitungen der Versorger sprudelt, sind oft Maßnahmen notwenig, um die Belastung des Grundwassers zu reduzieren. Foto: dpa

Regensburg.Eines ist unbestritten – und das unter allen Experten: Das Trinkwasser, das in Stadt und Landkreis aus den Wasserhähnen kommt, hat eine Qualität, auf die sich mehr als 320 000 Menschen in Stadt und Landkreis verlassen können. Das wertvolle Nass hat im Regensburger Wasserwirtschaftsamt sogar einen ganz großen Fan. „Das Wasser, das aus der Leitung kommt, ist bei uns super“, schwärmt Josef Feuchtgruber, der Leiter der Behörde. Dass es so ist, liegt an den Wassersorgern, die ein Produkt liefern, das strengste Vorgaben erfüllt – fixiert sind sie in der Trinkwasserverordnung.

Mehr als 21 Millionen Kubikmeter Wasser fördern die 24 Versorgungsunternehmen in Stadt und Landkreis im Jahr. Sie holen das Wasser aus Brunnen und Quellen in drei sehr unterschiedlichen geologischen Bereichen, in die sich der Landkreis aufgliedert. So finden sich sehr ergiebige Grundwasservorkommen im zur Alb und Jura gehörenden nordwestlichen Landkreis. Allein 22 der 36 Wasserschutzgebiete mit einer Fläche von fast 120 Quadratkilometern sind hier zu finden. Nur noch halb soviele Schutzgebiete mit etwa einem Fünftel der Fläche liegen in der Donauebene, während es im Vorwald nur drei winzige Schutzzonen gibt. Letzteres hat aber auch einen Grund. Denn das Grundwasser aus dem Vorwald ist nahezu unbelastet – im Gegensatz zum Wasser aus Alb und Jura sowie in der Donauebene.

„Das Wasser, das aus der Leitung kommt, ist bei uns super.“

Josef Feuchtgruber, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes

Deshalb blickt der Naturschutz durchaus kritisch auf die Grundwassersituation (Lesen Sie dazu unseren Bericht von der Podiumsdiskussion in Barbing: Sechs Vertreter aus Politik, Verwaltung, Naturschutz und der Wasserwirtschaft diskutieren zum Thema Wasser). „Vor allem der Nitrateintrag ist bundesweit ein großes Problem“, weiß der stellvertretende Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Hans Lengdobler. Immerhin droht Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren seitens der EU, da die Bundesregierung die Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie nicht erfüllt. „Eine neue Düngeverordnung ist überfällig“, sagt Lengdobler. Es sei einfach zuviel Nitrat im Boden. Hier könne nur eine bedarfsgerechte Düngung Abhilfe schaffen, argumentiert der Naturschützer.

Verständnis für Landwirte gefordert

Das sogenannte Ruhebecken im Sallerner Wasserwerk ist das Herzstück der 140 Jahre alten Anlage.
Das sogenannte Ruhebecken im Sallerner Wasserwerk ist das Herzstück der 140 Jahre alten Anlage. Foto: Rewag

Mehr Verständnis für die Landwirte fordert Erwin Engeßer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regensburg. „Die Landwirte können doch nicht wieder zurück zum Unkrautjäten“, erklärt er und weist darauf hin, dass hart daran gearbeitet werde, den Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft weiter zu reduzieren. Zudem engagiert sich nach Angaben von Kreisobmann Johann Mayer vom Bayerischen Bauernverband eine Vielzahl von Landwirten mittels freiwilliger Bewirtschaftungsvereinbarungen mit den Zweckverbänden für eine Verbesserung unserer Wasserqualität. Mayer hatte dies bei der Vorstellung Trinkwasserberichts des Umweltbundesamtes im vergangenen Jahr deutlich gemacht. Diese Maßnahmen umfassen seinen Worten zufolge unter anderem den Verzicht auf Wirtschaftsdünger im engeren Schutzgebiet und auf bestimmte Wirkstoffe beim Pflanzenschutz. Mayer lehnt seinerseits eine Novelle der Düngeverordnung ab. „Um Pflanzen optimal mit Nährstoffen zu versorgen, um auf die Witterung zu reagieren und die Fruchtbarkeit unserer Böden zu erhalten, brauchen wir Landwirte flexible Regelungen“, betont der Kreisobmann.

Große Bereiche „schlecht“ bewertet

Dass das Nitrat auch im Landkreis Regensburg trotzdem ein Thema ist, zeigt ein Blick in die Wasserrahmenrichtlinie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Große Teile der Bereiche zwischen Naab und Regen sowie südlich der Donau werden hier mit „schlecht“ bewertet. Das heißt, die Grundwasserkörper sind zum Teil mit mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter belastet. Dazu kommen die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, hier vor allem das seit mehr als 20 Jahren verbotene Atrazin sowie sein Abbauprodukt Desethylatrazin.

„Eine neue Düngeverordnung ist längst überfällig.“

Hans Lengdobler, stellvertretender BN-Kreisvorsitzender

Die erst im Februar von der Regierung herausgegebene Wasserversorgungsbilanz für die Oberpfalz spricht hier für den Landkreis Regensburg eine deutliche Sprache. Nur ganz wenigen der Wasserversorgern werden hier keinerlei Qualitätsprobleme beim sogenannten Rohwasser bescheinigt. Das ist das Wasser, das die Versorger direkt aus den Tiefbrunnen oder Quellen herausholen. Die Übersicht zeigt, dass bei den meisten Anlagen bei mindestens einer Entnahmestelle 75 Prozent der Grenzwerte von Nitrat oder Pflanzenschutzmitteln erreicht wurden. Extreme Trockenperioden wie im vergangenen Sommer können die Situation verschärfen. Das ist auch in der Wasserversorgungsbilanz nachzulesen, die empfiehlt, die Nitratproblematik aufgrund des Klimawandels weiter zu beobachten, weil verschiedene Faktoren Nitratauswaschungen bewirken können.

Programm der Wasserversorger

  • Zweckverband Viehhausen - Bergmattinger Gruppe:

    Von 13 bis 17 Uhr können Verbandsgebäude und Brunnen am Schloßberg in Sinzing besichtigt werden. Eine Führung gibt es um 14 Uhr durch das Betriebsgelände.

  • Zweckverband Landkreis Regensburg-Süd:

    Von 13 bis 17 Uhr kann das Schalthaus in Matting (kurz vor östlichem Ortseingang) besichtigt werden. Um 13.30 Uhr gibt es eine Exkursion zum Thema „Auswirkung des Klimawandels auf die Donau“ mit der Fachberatung für Fischerei des Bezirks und dem Wasserwirtschaftsamt. Im Mittelpunkt stehen die ufernahe Elektrobefischung und Artenbestimmung von Fischen und wirbellosen Tieren. Startpunkt ist am Sportplatz des SC Matting. Die Exkursion dauert eineinhalb Stunden. Um 15 Uhr ist eine wasserwirtschaftliche Führung zu den Brunnen 3 und 4 vom Schalthaus Matting. Die Führung dauert etwa eine Stunde. Festes Schuhwerk ist erforderlich.

  • Zweckverband Laber-Naab:

    Von 13 bis 17 Uhr kann die Geschäftsstelle des Zweckverbands am Grillenweg in Beratzhausen besichtigt werden. Stündliche Vorträge gibt es um 13.30 Uhr, um 14.30 Uhr und um 15.30 Uhr zur Vorstellung des Zweckverbands durch Werkleiter Franz Herrler. Im Anschluss Shuttlebusfahrt zu den jeweils 45-minütigen Führungen, die um 14.45 und 15.45 Uhr zum Thema „Waldbewirtschaftung im Wasserschutzgebiet“ am Brunnen „Alter Ofen“ stattfinden.

  • Wasserversorgung Hohenschambacher Gruppe:

    Von 13 bis 17 Uhr kann das Wasserwerk Schallerwöhr bei Laaber besichtigt werden. Jeweils um 13.30 und 15 Uhr sind Führungen zum Thema „Das Wasser und der Wald – Unsere wertvollen Naturgüter und ihre Bedeutung im Klimawandel“. Startpunkt ist am Wasserwerk Schallerwöhr. Die Führung dauert etwa eine Stunde. Kleidung und Schuhwerk sollten entsprechend der Witterung gewählt werden.

  • Wasserversorgung Schierling:

    Von 13 bis 17 Uhr kann der Hochbehälter Mannsdorf (Anfahrt von Mannsdorf Richtung Buchhausen, nach Ortsende links in die Feldstraße, dort nach 50 Metern befindet sich der Hochbehälter) besichtigt werden. Um 15 Uhr ist eine Führung zum Thema „Trinkwasserspeicher in der eigenen Gemeinde – Wald und Wasser in Schierling“. Startpunkt ist am Hochbehälter Mannsdorf. Die Führung dauert etwa eine Stunde. Bei schlechtem Wetter sind regenfeste Kleidung und ein Regenschirm erforderlich.

  • Wasserversorgung Wiesent:

    Von 13 bis 17 Uhr kann das Pumpenhaus Ammerlohe besichtigt werden (Anfahrt: Staatsstraße Wiesent, Richtung Kruckenberg, 300 Meter nach Kreisel links abbiegen). Um 14 Uhr findet eine forstwirtschaftliche Exkursion vom Pumpenhaus zum Hochbehälter Kruckenberg statt. Startpunkt ist am Pumpenhaus Ammerlohe. Die Exkursion dauert ca. 1,5 Stunden.

  • Zweckverband Jachenhausener Gruppe:

    Von 13 bis 16.30 Uhr kann der Hochbehälter Haid/Jachenhausen zwischen Riedenburg und Hemau (gegenüber Abzweigung Aichkirchen/Painten, ca. 660 m geschottertem Weg folgen) besichtigt werden. Um 13.30 und 15 Uhr gibt es einstündige forstliche Exkursionen zum Thema „Wald und Wasser“. Startpunkt ist am Hochbehälter. Nach Bedarf fährt ein Shuttle-Bus zum Waldbad Hemau. Hier gibt es forstliche Exkursionen um 13 und 15 Uhr zum Thema „Bedeutung des Waldes für Waldbad Hemau und Biotopweiher im Erholungswald“. Startpunkt ist am Parkplatz des Waldbads. Die Führungen dauern eineinhalb Stunden.

  • Wasserversorgung Brennberg:

    Von 13 bis 17 Uhr kann das Pumphaus Himmelmühle besichtigt werden. Um 14 Uhr beginnt eine etwa zweistündige Führung zum Thema „Wald und Wasser im Klimawandel“. Startpunkt ist das Pumphaus. Gutes Schuhwerk und feste Kleidung werden benötigt.

  • Zweckverband Gruppe Naab-Donau-Regen:

    Ab 14 Uhr gibt es eine Führung zum Thema „Wald und Wasser – Waldumbau im Zuge des Klimawandels“. Startpunkt ist am Steinsberger Sträßchen oberhalb des Brunnens V, Mesnergraben bei den Orten Schwaighausen/Knieschlag ( Anfahrtsbeschreibung im Internet unter www.zv-naab-donau-regen.de). Im Verlauf der Führung kann der Brunnen V, Mesnergraben besichtigt werden. Die Führung dauert etwa zwei Stunden. Festes Schuhwerk und Kleidung sind der Witterung entsprechend erforderlich.

  • Regensburger Energie- und Wasserversorgung (Rewag):

    Von 13 bis 17 Uhr kann das Wasserwerk in Sallern besichtigt werden. Nach Bedarf sind Besichtigungen des historischen Wasserwerks Sallern mit Brunnen und Informationen zur Aufbereitung und Versorgung möglich. Beginn der letzten Führung ist um 16 Uhr. Das Gelände ist für Rollstuhlfahrer nicht geeignet.

Das heißt freilich nicht, dass das Trinkwasser die erforderlichen Qualitätskriterien nicht erfüllt. Vielmehr sind hier die Wasserversorger gefordert und müssen gegensteuern. Das tun sie, indem sie Wasser aus unbedenklichen Brunnen mit belastetem Wasser mischen und damit die Vorgaben der Trinkwasserverordnung erfüllen. Aufwendiger und teurer ist die Aufbereitung des Rohwassers. So werden beispielsweise Ionenaustauscher eingesetzt, um Nitratwerte zu reduzieren und gegen Atrazinbelastungen wird Aktivkohle eingesetzt. Das alles kostet Geld, das die Wasserversorger auf ihre Preise umlegen müssen. Dafür bekommen die Verbraucher letztlich aber ein Lebensmittel, das höchsten Anforderungen entspricht.

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