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Umsonst-Laden: Tauschen statt kaufen

Im Dezember eröffnet Transition das erste Regensburger Geschäft, in dem man ohne Geld einkauft. Die Ideengeber wollen die Gesellschaft umkrempeln.
Von Marion Koller, MZ

In anderen Großstädten existieren bereits Umsonst-Läden: Die Kunden bringen Kleidung oder Bücher, die sie nicht mehr brauchen, und nehmen andere Ware mit. Foto: dpa

Regensburg.„Tauschen, teilen, schenken“ lautet das Credo der Transition-Bewegung. Seit Mai 2012 gibt es auch in Regensburg einen Verein, der den Übergang in eine ökologische, nachhaltige Gesellschaft anstrebt. Vorsitzende Birgit Vogel, ihr Stellvertreter Robert Eder und 60 Engagierte aller Altersgruppen haben eine ganze Reihe interessanter Initiativen gegründet: vom Urban Gardening (Stadtgärtnern) über die Food Coop, den gemeinsamen Einkauf bei Bauern, bis zur Herz-und-Seele-Gruppe, bei der es um Entschleunigung und Glück geht.

Derzeit bereitet die „Bürgerbewegung“ (Vogel) ein neues Projekt vor: In der ersten Dezemberwoche soll der „Wechselwelt-Laden“ in der Steckgasse 6, mitten im Obermünsterviertel, eröffnet werden. Noch deutet nichts darauf hin. „Copy und Druck“ steht in dunklen Lettern über der Tür des alten Hauses. Doch im Hintergrund laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Am Wochenende haben Birgit Vogel und Robert Eder den Mietvertrag unterschrieben.

Mode abgeben, Bücher mitnehmen

Das Transition-Geschäft wird mehreren Zwecken dienen: Kunden können Saisonmode oder Lektüre abliefern, die sie nicht mehr brauchen. Und sie können auch Ware aus dem Laden mitnehmen. „Bücher, Kleidung, Dinge für den Alltag. Alles unentgeltlich“, versichert Robert Eder, ein freischaffender Künstler. „Der Clou an der Sache ist das Umsonst.“ Zwei Ziele peilt Transition mit dem Laden an: Den Menschen solle bewusst werden, dass sie weder Geld noch Ressourcen verschwenden müssten. Auch will die Bewegung einen Treffpunkt im Herzen der Altstadt schaffen.

Robert Eder liebäugelt mit einem Repair-Café in den Geschäftsräumen. Die Kunden könnten einen Kaffee trinken, während Transition-Mitglieder etwa das mitgebrachte Elektrogerät reparierten. „Wir haben viele Techniker und Wissenschaftler“, sagt Eder. Zugleich könne der Kunde lernen, wie das Reparieren geht. Die Ressourcenverknappung ist Eder ein großes Anliegen. „Wir sollten weniger Plastik kaufen, weniger wegwerfen und mehr selbst reparieren“, fordert er. Auch Lesungen und Fortbildungen im Umsonst-Laden schweben den beiden Vorsitzenden vor. Die Transition-Bewegung, die auch in vielen anderen Städten existiert, will nicht nur einzelne Akzente setzen, sondern Netzwerke knüpfen und letztendlich die Gesellschaft umkrempeln.

„Weg vom Dauerwachstum“

Die Regensburger Vorsitzende Birgit Vogel (29), eine leidenschaftliche Idealistin, ist über die Beschäftigung mit dem Club of Rome und den Grenzen des Wachstums auf Transition in England gestoßen. Vogel, die ihren Master mit 1,0 abschloss, stellt sich schon jetzt auf das Schwinden der fossilen Brennstoffe und den Klimawandel ein. „Wir wollen Netzwerke bilden, um im Krisenfall anders reagieren zu können“, erklärt sie. Vor allem aber geht es ihr um eine höhere Lebensqualität – weg von der Schnelligkeit, vom Dauerwachstum, von der Rohstoffvernichtung.

Vogel und Robert Eder werben für den Transition-Gedanken. Schon heute wirken Menschen aller Schichten mit – vom Studierenden bis zum Rentner, vom Hart-IV-Empfänger bis zum Professor. Jeder könne sich einbringen, so die Vorsitzende. „Die einen helfen, weil sie Zeit und Kraft haben, die anderen mit Geld.“

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