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Tierquälerei

Unbekannter schießt auf Tauben

Ein Anwalt findet eine verletzte Taube vor seiner Regensburger Kanzlei. Eine Tierärztin stellt eine erschreckende Diagnose.
Von Christian Eckl

Taube
Taube "Justitia" nach der Operation Foto: Pruy

Regensburg.Nein, eigentlich hat Rechtsanwalt Philipp Pruy Tauben nach eigenen Angaben „nicht auf dem Schirm“. Er sei kein klassischer Tierschützer. „Ich habe zwei Katzen“, sagt der Jurist. Und Katzen und Vögel sind natürliche Feinde. Aber als Pruy direkt vor der Tür seiner Kanzlei in der Malergasse eine Taube sitzen sieht, „die ihrem natürlichen Fluchttrieb nicht folgte“, war schnell klar: Das Tier ist schwer verletzt. Pruy hatte Mitleid und fragte in seinem Freundeskreis, wer eine Idee hätte, was man mit einem solchen Tier tun könnte. Die Antwort: Andrea Rothammer, so heißt die Frau, die in Barbing eine Auffangstation für Eichhörnchen, aber auch Tauben, die in Not geraten sind, betreibt. Sie vermittelt die Taube, die nun den Namen „Justitia“ trägt, an eine auf Vögel spezialisierte Tierärztin nach München. Am Wochenende wurde die Taube operiert. Das Ergebnis der Untersuchung und der OP ist erschütternd: Das Tier wurde Opfer eines Tierquälers!

„Justitia“ hatte einen glatten Durchschuss im Flügel. Foto: Pruy
„Justitia“ hatte einen glatten Durchschuss im Flügel. Foto: Pruy

Tierärztin Anja Roscam Abbing diagnostizierte zwei Wunden im Flügel des Tieres: An der einen Seite eine fünf Millimeter dicke Wunde, an der anderen Seite eine zehn Millimeter dicke. Die Wunden seien typisch „für eine Schusswunde durch ein Luftgewehrgeschoss“. Sogar die Munition kann die Tierärztin genau bestimmen: Es handelt sich um die Munition „Diabolo“ – das sind Bleikugeln, die schmerzhafte Wunden anrichten können. Laut Tierärztin wurde „Justitia“ flugunfähig: „Durch diese Schussverletzung wurden dem Tier erhebliche Schmerzen zugefügt, somit liegt eindeutig ein schwerer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor.“

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Strafanzeige bei Staatsanwaltschaft gestellt

Pruy ist entsetzt über die Diagnose: „Ich habe, wie viele Menschen, ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Tauben.“ Aber einem Lebewesen Schmerz zuzufügen, indem man auf das Tier schießt, das gehe nicht. „Ich will nicht, dass jemand in der Innenstadt vor meiner Kanzlei wie im Wilden Westen herumballert“, sagt Pruy. Auch Rothammer pflichtet ihm bei: „Ich habe allein schon in Regensburg fünf Tauben aufgenommen, die Opfer eines Schützen wurden“, sagt die Tierschützerin. „Das Tier wurde im Flug getroffen. Da die Tiere nur am Tag unterwegs sind, bedeutet das, dass jemand am hellichten Tag inmitten von Regensburg mit einem Luftgewehr herumschießt.“

„Ich will nicht, dass jemand in der Innenstadt vor meiner Kanzlei wie im Wilden Westen herumballert.“

Rechtsanwalt Philipp Pruy

Laut Rothammer gebe es eben „Menschen, die ihren Frust an Tieren auslassen. Heute ist es eine Taube, morgen eine Katze oder vielleicht ein Hund. Wo endet das?“ Auch Anwalt Pruy findet das unsäglich. „Ich habe Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Regensburg wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, aber auch aller anderen in Frage kommenden Straftaten gestellt“, sagt Pruy zur Mittelbayerischen.

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Vorbildliches Modell in Regensburg

In einer Pension für Tauben findet "Justitia" ein neues Zuhause. Foto: Pruy
In einer Pension für Tauben findet "Justitia" ein neues Zuhause. Foto: Pruy

Theoretisch könnten von einem solchen Geschoss auch Menschen verletzt werden. „Das ist fahrlässig, ganz abgesehen von der Tierquälerei“, so der Jurist. Aus Mitleid bezahlt Pruy die Tierarztkosten, sie belaufen sich auf 50 Euro, da die Tierärztin die Behandlung zum Selbstkostenpreis durchführte. Doch auch den Lebensabend der Taube will Pruy in der Tierpension bei Andrea Rothammer bezahlen. Und der kann lange währen: „Der DNA-Test hat ergeben, dass das Tier ein Jahr alt ist und aus Regensburg stammt“, sagt Pruy.

Er wirft ein, dass die Tauben-Population in Regensburg ehemaligen domestizierten Haustieren entstammt: „Das waren Brieftauben“, sagt Pruy. Dabei gebe es in Regensburg ein einzigartiges Modell, das der Ausbreitung der Population, die Denkmäler durch Kot beschädigt und Hausbesitzer ärgert, Einhalt gebietet. Das „Regensburger Modell“ ist vorbildlich.

Ferry Wittke ist Sachverständiger für die Taubenproblematik. An neun Großobjekten in der Stadt, unter anderem an der Universität, ist das „Regensburger Modell“ bereits installiert. Den Tieren werden Brütmöglichkeiten geboten, die Eier werden durch Plastikeier ersetzt, so wird die Population reguliert. „Wissen Sie, wenn man das macht, was ich mache, dann hat man schon viel Elend gesehen“, sagt Wittke. An immer mehr Häusern werden Nagelbänder angebracht. „Am Arnulfsplatz haben wir regelmäßig aufgespießte Jungtauben nach dem ersten Flugversuch“, sagt Wittke. Das „Regensburger Modell“ verhindert also viel Elend.

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Glück im Unglück hatte jedenfalls Taube „Justitia“. Sie teilt ihr Schicksal nun mit den Tauben „Horsti“ und „Lissi“. Auch sie haben ein Zuhause in Barbing bei Andrea Rothammer gefunden. Ob sie weitere Bewohner hinzu bekommen werden, hängt wohl auch davon ab, ob die Ermittlungsbehörden dem Tierquäler, der auf Tauben schießt, Einhalt gebieten können oder nicht.

Das Regensburger Modell

  • Vorbildlich:

    Das „Regensburger Modell“, ein Taubenreduktions-Modell unter dem Apsekt des Tierschutzes, wird beispielsweise an der Uni durchgeführt. Auch große Unternehmen sind mittlerweile interessiert, weil sie an ihren Gebäuden große Probleme mit den Tauben haben.

  • Eignung:

    Tiefgaragen, Flughäfen, Fußgängerzonen, Sportstadien – die Liste an Objekten, in denen das Modell durchgeführt werden kann, ist sehr lange. In einer modernen „Tauben-Villa“ leben die Tiere artgerecht. Da Tauben gerne in Schwärmen leben, sind die Tiere gut aufgehoben, können ihrem Bruttrieb nachkommen, ohne dabei aber Schäden an den Gebäuden anzurichten.

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