MyMz
Anzeige

Tiere

Uni-Campus ist seine Taubenplage los

Statt auf Netze und Spikes setzt der Tauben-Experte Ferry Wittke beim „Regensburger Modell“ auf Lockvögel und Geburtenkontrolle – mit Erfolg.
Von Louisa Knobloch, MZ

Tauben-Experte Ferry Wittke mit zwei seiner Locktauben. Foto: Knobloch

Regensburg.Es ist eine Art verfrühtes Weihnachtsgeschenk, das Ferry Wittke dem Leiter des Referats Umweltschutz und Logistik der Universität Regensburg, Dr. Martin Postner, machen kann: ein taubenfreier Campus. Nur noch drei Tauben leben derzeit frei auf dem Unigelände, die übrigen haben in einer Voliere auf dem Dach des Studentenhauses ein neues Zuhause gefunden. Speziell gezüchtete Locktauben sollen auch diese drei Vögel und eventuelle spätere Zuflieger zum Schwarm in der Voliere bringen. Dort finden die Tiere Futter und Nistplätze – die Eier werden jedoch durch Gipseier ersetzt, um eine weitere Vermehrung der Tauben zu verhindern.

Ausbildung zum Taubenwart geplant

Mit ihrem Kot hatten die Vögel jahrelang den Campus verschmutzt. Im Bereich der Anlieferung für die Mensa seien die Tauben auch ein hygienisches Problem gewesen, berichtet Postner. Vergrämungsmaßnahmen wie Netze, Gitter und Spikes hätten kaum Wirkung gezeigt. Den ersehnten Erfolg brachte das sogenannte „Regensburger Modell“, hinter dem neben dem Sachverständigen für Taubenproblematik Ferry Wittke die „Bau in Form GmbH“ aus München steht. In Kooperation mit einer Behindertenwerkstatt entwickelten sie die Freiluft-Taubenhäuser. Beim Vor-Ort-Termin an der Universität informierten sich gestern auch Vertreter von BMW und der Universität Erlangen-Nürnberg über das „Regensburger Modell“.

An der Uni Regensburg läuft das Projekt nach 15 Monaten zum Jahresende aus. Die Tauben müssen natürlich weiterhin gefüttert und die Anlagen gereinigt werden. Die Universität plant, für diese Aufgaben eine Art „Taubenwart“ einzustellen. Das Team des „Regensburger Modells“ bietet Schnupperkurse für Taubeninteressierte an. „Zusammen mit der IHK forcieren wir eine Ausbildung zum Taubenwart – das soll wie der Pferdewart als Beruf anerkannt werden“, sagt Frank Wilm von „Bau in Form“.

Vogelschützer loben das Modell

Über dem Gebäude zieht unterdessen der Taubenschwarm seine Kreise. Seit Oktober dürfen die Vögel regelmäßig frei fliegen – danach kehren sie wieder in ihre Anlage zurück. Das „Regensburger Modell“ sei tierschutzgerecht, betont Postner. „Das war uns ein Anliegen.“ Auch der Kreisgruppenvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Ernst Seidemann, findet die Methode gut. „Es ist viel besser als die Spikes, die überall aufgestellt werden.“ Die hätten zur Folge, dass man in der Stadt immer wieder Tauben mit verstümmelten Füßen sehen könne. Am liebsten wäre dem Vogelschützer zwar eine natürliche Bestandsregulierung durch Habicht und Wanderfalke. „Aber so viele Greifvögel gibt es im Stadtgebiet nicht.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht