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Politik

„Unzeitgemäß“: Piraten kritisieren Miss-Wahl

„Bei uns dürfen alle mit Krönchen“: Regensburger Aktivisten trommeln für die Geschlechtergerechtigkeit.
Von Ralf Strasser, MZ

Regensburger Piraten bei ihrer „alternativen Miss-Wahl“ – mit Krönchen Foto: Piratenpartei

Regensburg. Regensburg. Die Wahl zur Miss Regensburg stachelte die Piraten auf: Die Partei mit 200 Mitgliedern in Regensburg (Stadt /Land), schritt am Wochenende zur Gegenaktion und kürte im Stadtpark Hunderte „Miss Regensburg“. Einen Nachmittag lang verteilten Mitglieder an Passanten, unabhängig von Geschlecht und Alter, Schildchen mit der Punktezahl „10“ und ernteten amüsierte Reaktionen. „Bei uns“, so Bezirksvorsitzender Jan Kastner, „dürfen sich eben alle als Miss Regensburg fühlen. Wir haben für alle ein Krönchen.“

Die Piraten lehnen „überkommene Rollenvorstellungen“ ab. Klischees, wie eine Miss-Wahl sie kolportiere, finde man nicht mehr zeitgemäß, so Kastner. Er verwies auf das Grundsatzprogramm der Partei, in dem das Recht auf Selbstbestimmung der eigenen sexuellen Identität verankert sei. „Wirtschaftlich angelegte Veranstaltungen, in denen jungen Frauen Hoffnung auf Ruhm gemacht wird, um sie de facto zum Aushängeschild von Firmen und Entscheidungsträgern zu machen, lehnen wir ab.“ Die SPD und die CSU müssten sich fragen, warum zwei ihrer hochkarätigen Vertreter es für angebracht hielten, sich in die Jury zu setzen.

Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) und CSU-Fraktionschef Christian Schlegl, beide Juroren bei der Miss-Wahl, reagierten am Dienstag auf die Vorwürfe. Wolbergs will sich auch in Zukunft als Juror zur Verfügung stellen. Er betonte, die Miss-Wahl habe :mit überkommenen Rollenmustern „aber auch gar nichts zu tun. Es wird wohl noch erlaubt sein, eigene Schönheit zu präsentieren.“ Christian Schlegl empfahl den Piraten, moderne Instrumente wie Internet zu nutzen. Mit Googeln hätten sie sofort in Erfahrung bringen können, dass es seit Jahren nicht nur Miss-, sondern auch Mister-Wahlen gibt. „Ein bisschen mehr Liberalität würde den männerlastigen Piraten da sicher gut tun, aber dazu mangelt es ihnen wohl an Frauen in Führungspositionen – wie man auch an der kürzlichen Gründung des Regensburger Kreisverbandes ablesen kann.“

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