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Gesetz

Verein will mehr Tierschutz


Von Jürgen Scharf, MZ

Vor zehn Jahren wurde der Tierschutz in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. Für Karlheinz Seidl, Vorsitzender des Vereins „Menschen für Tierrechte Regensburg“, ist der runde Geburtstag Anlass, Bilanz zu ziehen. Sein Fazit fällt vernichtend aus: Das angebliche Staatsziel Tierschutz werde bundesweit weder erkannt noch umgesetzt. Auch in Regensburg sieht Seidl weiter mehrere Tierschutz-Skandale. Er bemängelt, dass es keine Katzenkastrationspflicht, keine artgerechte Tauben-Populationskontrolle und keine Ruhepausen für die Dult-Ponys gibt. Dies alles sind Belange der Stadtverwaltung. Umweltamtschef Rudolf Gruber wundert sich aber über Seidls Kritik: „All diese Punkte wurden über lange Zeit öffentlich diskutiert, teilweise haben wir gar keine gesetzliche Grundlage, etwas zu ändern.“

Seidls Kritik an der Taubenpopulationskontrolle ist bekannt. Vor zwei Jahren war im Stadtrat beraten worden, ob man Taubenhäuser einrichtet und dort das Gelege gegen Attrappen austauscht, um die Zahl der Tauben einzudämmen. Der Stadtrat lehnte diese Maßnahme ab, unter anderem, weil nicht geklärt werden konnte, wer die Taubenhäuser langfristig betreut.

„Haben keine Taubenplage“

Vor allem aber sieht die Stadtverwaltung schon seit längerem keinen konkreten Handlungsbedarf. Früher hatte die Kommune einen Taubenfänger angestellt, der die Vögel fing und tötete. „Nach unsere aktueller Einschätzung haben wir derzeit keine Taubenplage“, sagt Gruber.

Genauso wenig akuten Handlungsbedarf sieht Gruber bei Seidls Kritik an der fehlenden Kastrationspflicht für Katzen. Auch diese wurde bereits im Stadtrat diskutiert und verworfen. Laut Gruber habe das einen ganz einfachen Grund gehabt: „Selbst, wenn wir wollten, hätten wir dazu in Bayern keine gesetzliche Grundlage.“

„Katzen vermehren sich schrankenlos und damit auch das Katzenelend. Das Leid streunender, verwahrloster und kranker Katzen ist ein eigenes Trauerspiel“, sagt Seidl. Gruber kontert: „In Randbezirken mag es noch mehr streunende Katzen geben, in der Innenstadt haben wir aber sicher kein Katzenelend.“

Bereits in mehreren Gesprächen diskutierten Vertreter von Umweltamt und Tierrechteverein gemeinsam die Situation der Ponys auf der Dult. Auf diesen können Kinder reiten. Der Tierrechteverein fordert eine einstündige Ruhepause für die Tiere während eines Dulttags. Dies sei Seidl zufolge immer noch nicht eingeführt worden. Gruber sagt, dass die Tierärztin des Veterinäramts die Ponyhaltung „mehrmals geprüft“ habe. Im Hinblick auf die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen seien dabei keine Mängel erkennbar gewesen. „Und ganz abgesehen von der rechtlichen Situation, war der Gesamteindruck, dass die Tiere dort im Rahmen der Möglichkeiten sehr gut gehalten werden.“

Seidl reicht das nicht: „Wie durch Beobachtungen dokumentiert, sind die Fohlen an Wochenenden von 12 Uhr mittags bis 21 Uhr abends pausenlos im Einsatz. Pausen wären möglich, ohne Unterbrechung des Laufbetriebes. Das Staatsziel Tierschutz bleibt auch hier auf der Strecke.“

Versuche sind alle genehmigt

Ebenso ungebrochen ist Seidls Kritik an Tierversuchen an der Universität Regensburg. Er nennt als Beispiele unter anderem die Hirndruck-Versuche bei Ratten. „Dieser Versuch ist überflüssig und außerdem ein Parallelversuch, da bereits Versuche dieser Art schon seit Jahrzehnten in allen Tierlaboratorien weltweit stattfanden.“ Aufsichtsbehörde der Tierversuche ist die Regierung der Oberpfalz. Regierungssprecher Joseph Karl sagte der MZ, dass vor jeder Genehmigung für einen Wissenschaftler eine Ethik-Kommission, in der auch Tierschützer sitzen, ein Votum abgibt. Der Ablauf der Versuche werde dann regelmäßig kontrolliert. Hier habe es bislang keine Verstöße gegeben: „Bisher musste noch keinem Wissenschaftler an der Universität Regensburg die Genehmigung wieder entzogen werden.“

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