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Interview

Verkehrsbetriebe wechseln Leitung aus

Das Regensburger Stadtbus-Unternehmen hat Probleme – mit Menschen und Technik. RVB-Chef Manfred Koller zieht Konsequenzen.
Von Wolfgang Ziegler

Auf die Regensburger Verkehrsbetriebe kommen viele neue Aufgaben zu, sagte RBV-Chef Manfred Koller im MZ-Interview. Foto: RVB
Auf die Regensburger Verkehrsbetriebe kommen viele neue Aufgaben zu, sagte RBV-Chef Manfred Koller im MZ-Interview. Foto: RVB

Regensburg.Herr Koller, ist es zutreffend, dass der Betriebsleiter der Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB) Frank Steinwede derzeit nur noch kommissarisch im Amt ist und bereits ein Nachfolger für ihn gesucht wird?

Wir sind uns bewusst, dass im Bereich des ÖPNV in Zukunft viele neue Aufgaben auf uns zukommen werden. Nicht zuletzt ist in absehbarer Zeit ein Stadtratsbeschluss im Hinblick auf den Bau einer Stadtbahn zu erwarten. In der bestehenden Organisationsstruktur der RVB wären bei der Betriebsleitung nach unserer Analyse dann eindeutig zu viele Aufgaben angesiedelt. Die Vielzahl und Komplexität der Themen ist für eine Person alleine nicht beherrschbar. Deshalb werden wir die Führung des Unternehmens neu sortieren. Konkret wird Frank Steinwede künftig für die strategischen Projekte rund um die Weiterentwicklung des ÖPNV in Regensburg zuständig sein. Unter dem Dach der RVB wird er dabei mit einem kleinen Team und in enger Abstimmung mit der Stadt schwerpunktmäßig zukunftsträchtige Themen wie Betrauung, Stadtbahn, Carsharing oder Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) bearbeiten. Für die Leitung des Betriebs der RVB werden wir zeitnah eine Neubesetzung vornehmen.

„Wir suchen hier eine geeignete Führungspersönlichkeit, die sich ausschließlich den betrieblichen Belangen der RVB widmet.“

RVB-Chef Manfred Koller

Wir suchen hier eine geeignete Führungspersönlichkeit, die sich ausschließlich den betrieblichen Belangen der RVB widmet und darüber hinaus keine weitere (zeitintensive) Funktion (wie z. B. Geschäftsführung des RVV) innehat. Bis diese Personalie geklärt ist, nimmt Herr Steinwede auch weiter die Position des Betriebsleiters wahr.

Manfred Koller ist Geschäftsführer der RVB. Foto: Patrick Reinig/RVB
Manfred Koller ist Geschäftsführer der RVB. Foto: Patrick Reinig/RVB

Sie begründen diesen Schritt also zum Teil mit Arbeitsüberlastung. Ist es aber richtig, dass der RVB-Betriebsleiter aktuell von einem Assistenten und Fachbereichsleitern unterstützt wird?

Es ist richtig, dass in der derzeitigen Organisationsstruktur der RVB-Betriebsleiter einen Assistenten hat. Darüber hinaus gibt es zwei Fachbereiche: Fahrdienst und Leitstelle. Beide werden jeweils von einem Fachbereichsleiter geleitet und sind der Betriebsleitung unterstellt. Es ist für eine einzelne Führungskraft einfach nicht möglich, 270 Mitarbeiter anzuleiten.

Stimmt es ferner, dass auch der stellvertretende RVB-Betriebsleiter Johann Platzer abgelöst wird, er ebenfalls nur noch übergangsweise in seiner alten Position arbeitet und auch für ihn bereits Ersatz gesucht wird?

„Die stellvertretende Betriebsleitung werden wir ebenfalls neu besetzen.“

RVB-Chef Manfred Koller

Die stellvertretende Betriebsleitung werden wir ebenfalls neu besetzen. Herr Platzer wird mit anderen Aufgaben im Unternehmen betraut werden. Bis seine Nachfolge geklärt ist, bleibt auch er übergangsweise in seiner bisherigen Position.

Würden Sie uns Recht geben, dass die „Optik“ vor allem wegen des zeitlichen Zusammenhangs zwischen dem Organisationschaos bei den RVB und der internen Bekanntgabe der Neubesetzung der Betriebsleitung auch einen anderen Schluss zulässt?

Das mag man schon so sehen können. Tatsache ist aber, dass ich schon vor ein paar Wochen mit Frank Steinwede über dieses Thema gesprochen habe. Es gibt einfach zu viele Zukunfts- und Strategiethemen auch unterhalb der Stadtbahn, die bearbeitet werden müssen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, neben der Betriebsleitung eine strategische Abteilung zu etablieren.

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Trifft es zu, dass mit dem Abbau des Überstunden-Berges der Mitarbeiter aus dem Fahrdienst die Abteilung Unternehmensentwicklung beauftragt wurde?

Es ist richtig, dass es im Rahmen eines Gesamtprojektes, das die Optimierung sämtlicher Betriebsvorgänge zum Ziel hat und vom Chef der Abteilung Unternehmensentwicklung geleitet wird, ein Teilprojekt zum Abbau der Überstunden gibt. Der Abbau der Überstunden wurde im Gesamtprojekt mit der höchsten Priorität versehen. Nicht zuletzt deshalb sind in den letzten Wochen bereits sieben neue Fahrerinnen und Fahrer vorerst befristet auf zwei Jahre eingestellt worden, und weitere zehn werden in Form einer Arbeitnehmerüberlassung in den nächsten Wochen folgen.

Ist es richtig, dass allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem Schreiben der RVB-Geschäftsführung vom 23. März 2018, also von Ihnen, angekündigt wird, man werde sie darum bitten in den nächsten Wochen bereits geplanten Urlaub zu verschieben?

Wir wissen, dass unsere Maßnahmen, gerade auch im Hinblick auf die Neueinstellungen, die ja erst eingearbeitet werden müssen, noch nicht sofort Wirkung zeigen werden. Deshalb brauchen wir insbesondere im April und Mai die Mithilfe unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um den Betrieb gemäß unserem Leitsatz „Keine Fahrt darf ausfallen, alle Busse müssen fahren“, stabil zu halten. Wir werden den Einsatz entsprechend belohnen und stellen für Prämienzahlungen insgesamt eine Summe von 60 000 Euro bereit. Diese Summe wird – entsprechend der Leistungseinbringung – anteilig auf alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt, die dazu beigetragen haben, unseren Leitsatz bis Ende Mai zu gewährleisten.

Aus welchem Topf kommen diese 60 000 Euro?

Wir haben aus den Überstunden, die da sind, Rückstellungen gebildet und wollen mit den 60 000 Euro einen zusätzlichen Anreiz schaffen. Außerdem ist dieser Betrag angesichts der Höhe unserer Gesamtlöhne keine Unsumme.

Nach welchem Schlüssel sollen die Prämien ausbezahlt werden? Und wer entscheidet darüber?

Die Summe wird entsprechend der Leistungseinbringung verteilt. Dafür müssen wir noch eine Systematik entwickeln. Auf jeden Fall erfolgt dies in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat.

Sie sprechen von Personalaufstockungen, Belohnungen und zusätzlichen Anreizen für Ihre Mitarbeiter. Wie verträgt sich dies damit, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der RVB bei Erkrankungen künftig in begründeten Einzelfällen zu einer gesonderten betriebsärztlichen Untersuchung oder sogar zum „Vertrauensarzt“ (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) geschickt werden?

„Die Grippewelle hat uns heuer, wie eigentlich fast jeden Verkehrsbetrieb in Deutschland, wirklich massiv erwischt.“

RVB-Chef Manfred Koller

Eines vorneweg: Die Grippewelle hat uns heuer, wie eigentlich fast jeden Verkehrsbetrieb in Deutschland, wirklich massiv erwischt. Dennoch behalten wir uns die in Ihrer Frage erwähnten Maßnahmen, die im übrigen Teil des Tarifvertrages sind, vor. Das heißt, diese würde, wenn überhaupt, nur in absoluten Einzelfällen zur Anwendung kommen. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter trotz Krankschreibung einer Nebentätigkeit nachgeht. Es gibt Hinweise, dass es dies in Einzelfällen gibt, ich kann aber kein konkretes Vorkommnis nennen.

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Trifft es zu, dass die noch immer bestehenden Probleme mit der neuen Dienstplanungssoftware von einem Experten aus Österreich gelöst werden sollen?

Wir erhalten kurzfristig Hilfestellung aus Wien. Ein Kollege, der dort langjährige Erfahrung mit unserer Dienstplanungssoftware HASTUS hat, wird uns unterstützen, weitere Verbesserungen herbeizuführen. Wir arbeiten hier seit längerem zusammen, der Kollege war auch schon vor Ort und unterstützt uns jetzt noch einmal beim „Feintuning“.

Stimmt es in diesem Zusammenhang, dass die neue Dienstplanungssoftware dafür sorgt bzw. dafür sorgte, dass RVB-Busfahrer häufig mit Pkw zum nächsten Einsatz gefahren werden mussten, um die Linien zu bedienen?

Richtig ist, dass es im Dezember eine Systemumstellung gegeben hat, die zum Teil sehr negative Auswirkungen auf die Dienste der einzelnen Fahrer hatte, z. B. das Bedienen verschiedener Linien unmittelbar hintereinander. Das von Ihnen beschriebene Szenario kann in absoluten Einzelfällen, insbesondere in der Vorweihnachtszeit mit enormem Verkehr, vorgekommen sein. Es war dann so, dass ein Fahrer sein Dienstende wegen der verkehrlichen Situation und der damit verbundenen Verspätung auf der Strecke erreicht hat und sein Nachfolger dann quasi zugestiegen ist.

Wer hat diesen Softwarewechsel eigentlich zu verantworten? Und warum hat man die bewährte Software überhaupt ausgemustert?

Die Einführung der Software war in erster Linie natürlich von der Betriebsleitung zu verantworten. An dem Softwarewechsel waren letztlich mehrere Personen beteiligt und die Programmumstellung am 10. Dezember 2017 war für uns alle eine große Herausforderung. Sie war aber dringend notwendig, weil unsere Komplexität mit der alten Software nicht mehr darstellbar war. Natürlich ist aber grundsätzlich für alles die Geschäftsführung verantwortlich.

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Die RVB

  • Betreiber:

    Die RVB (Regensburger Verkehrsbetriebe GmbH) und die REBUS GmbH sind der öffentliche Betreiber des Stadtbusverkehrs in Regensburg.

  • 24,3 Millionen Fahrgäste:

    Sie gehören zu 100 Prozent zu den Stadtwerken Regensburg GmbH. Das Unternehmen befördert mit seinen etwa 250 Mitarbeitern auf 10 Linien etwa 24,3 Millionen Fahrgäste pro Jahr.

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