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Event

Verkeilte Menschenmassen am Dom

Hingerissene Besucher ballten sich bei den letzten Licht-Shows: Im Regensburger Zentrum ging am Samstagabend nichts mehr.
Von Sandra Adler, Heiner Stöcker und Marianne Sperb

Der Domplatz am frühen Samstagabend, gesteckt voll: Hier kann niemand mehr umfallen. Foto: Heiner Stöcker
Der Domplatz am frühen Samstagabend, gesteckt voll: Hier kann niemand mehr umfallen. Foto: Heiner Stöcker

Regensburg.Die letzten Vorführungen der Dom-Illumination zogen am Samstagabend Menschen über Menschen ins Regensburger Zentrum. Zum Finale der spektakulären Lichtshow strömten tausende Besucher. Anton Hagen, Leiter der Einsatzzentrale im Polizeipräsidium, kommentierte am Sonntagmorgen: „Diese Menschenmassen! Das hat einfach alle erschlagen.“ Es kam zu Gedränge, Geschubse und Staus – von gravierenden Körperverletzungen, Zwischenfällen oder gar Panik war im Präsidium allerdings nichts bekannt.

Chaotische Szenen in der Altstadt

Auf Höhe der Dom-Eisdiele wurde am Samstag eine Absperrung errichtet. Foto: Stöcker
Auf Höhe der Dom-Eisdiele wurde am Samstag eine Absperrung errichtet. Foto: Stöcker

Das Regensburger Zentrum war am Samstag völlig überlaufen. Brust an Rücken, Schulter an Schulter, schoben sich die Menschen in Richtung Kathedrale, während andere versuchten, sich durch die Massen hindurch weg vom Domplatz zu kämpfen. Beobachter sprachen von weinenden Kindern, grenzwertigem Geschubse, enormem Druck und chaotischen Szenen. Nach dem Finale von „La cathédrale magique“ wurden am Sonntag Stimmen lauter, die die Organisation des Spektakels kritisieren. Die Veranstalter hätten sich unzureichend auf den erwartbaren Ansturm vorbereitet, die Sicherheitskräfte hätten teilweise vor dem Gedränge kapitulieren müssen, der öffentliche Personennahverkehr habe zu wenig Alternativen für An- und Abfahrt mit dem Auto geboten, sagten Besucher.

„Die Stadt wird dazu lernen müssen, organisatorisch. Aber das ist kein Grund das Ganze schlecht zu reden.“

Jürgen Karg

Andere Gäste relativierten die Kritik. „Die Stadt wird dazu lernen müssen, organisatorisch. Aber das ist kein Grund das Ganze schlecht zu reden. Ich war dreimal da und hab es Jedesmal genossen“, schrieb zum Beispiel Jürgen Karg auf der Facebook-Seite der Mittelbayerischen. Bei so vielen Menschen müsse man mit Gedränge rechnen, postete etwa Ingrid Brandl, die die Illumination allerdings bereits am Dienstag gesehen hatte. „Dabei zu sein war genial – da kommen die Fotos und auch keine Videos mit. Ich bin froh und glücklich, dass ich das live miterleben konnte. Es war ein Traum.“

Sehen Sie hier die schönsten MZ-Leserfotos von der Dom-Illumination:

Illumination: Die schönsten MZ-Leser-Fotos

Zugang zum Domplatz zeitweise abgeriegelt

Polizisten hatten am Samstagabend den Zugang zum Domplatz zeitweise abgeriegelt, um die Situation zu beruhigen. Weiß-rote Absperrbaken wurden zum Beispiel vor der Dom-Eisdiele platziert.

„Der Druck in der Menge dürfte zeitweise groß gewesen sein“, zu Panik oder Verletzungen kam es aber nach Kenntnis im Polizeipräsidium nicht, sagte Anton Hagen. Die Federführung beim Einsatz am Samstag hatte die Polizeiinspektion Regensburg-Süd. Die Mittelbayerische fragte bei Günter Grätz nach, Dienstgruppenleiter bei der Inspektion Regensburg-Süd. „Bei uns gingen keine Beschwerden ein, auch über Körperverletzungen ist nichts bekannt“, betonte der Beamte – mit einer Ausnahme: Gegen 19.30 Uhr hatte ein besorgter Bürger, der mit seinem kleinen Kind das Spektakel sehen wollte, bei der Inspektion auf Gefahren durch das Gedränge hingewiesen.

Die Menschenmenge blieb friedlich, betonte der Dienstgruppenleiter. „Stellen Sie sich vor, wir hätten vollständig abgeriegelt“: Damit hätte man womöglich Aggressionen erst geschürt. Im Übrigen verwies Günter Grätz auf Presseauskünfte am Montag.

Unser Video wirft einen Blick hinter die Kulissen der Lichtshow:

Video: MZ

Mehrere Zusatz-Vorführungen eingeschoben

Der Dom im Licht: Die letzte Gelegenheit, die kunstvolle Inszenierung der gotischen Kathedrale zu erleben, wollten am Samstag noch Tausende Menschen nützen. Viele gaben aber bei der Anfahrt bzw. beim Fußmarsch Richtung Dom auf. „Keine Chance auf ein Durchkommen“, so ein Besucher auf Facebook.

Die Veranstalter hatten am Samstag mehrere Zusatz-Vorführungen eingeschoben, um das enorme Interesse zu befriedigen. Die für 19.30 Uhr angesetzte Show von „La cathédrale magique“ begann etwas früher als geplant, da bereits kurz vor 19 Uhr der Domplatz voller Menschen war. Um 20 Uhr wurde ein zusätzlicher Termin eingeschoben. Die allerletzte Vorstellung sollte planmäßig um 20.30 Uhr stattfinden, aber auch da legten die Veranstalter nach MZ-Informationen nach und zeigten die Inszenierung gegen 21.15 Uhr nochmals: ein allerallerletztes Mal.

Event

Großes Gedränge bei Dom-Illumination

Besucher verstopfen Gassen und Straßen. Das ärgert nicht nur die Menschen in der Menge vor dem Lichtspiel.

Fünf Vorführungen in relativ dichter Folge: Das bedeutete, ein Teil der Besucher wollte den Platz verlassen, während andere Interessierte auf den Domplatz strömten, um die nächste Show zu sehen, und ein dritter Teil der Menschenmenge schließlich vor der Kathedrale verharrte, um eine weitere Vorführung zu erleben. „Mehrere gegensätzlich verlaufende Passantenströme: Da kommt es natürlich zu Gedränge“, erläuterte Anton Hagen am Sonntag. „Es ging zu wie verrückt“, kommentierte einer seiner Kollegen die Lage von Samstagabend.

Illumination

Neunmal den Dom im Licht gesehen

Ein Regensburger Hobby-Fotograf verrät die besten Standorte. Am schönsten ist für ihn, die Show mit eigenen Augen zu sehen.

Laissez-faire bei der Parkplatzsuche

Die Situation in der Altstadt wurde zusätzlich belastet durch zu- und abfließende Autos und durch Parkplatzsuch-Verkehr, Hagen: „Je näher der Beginn der anvisierten Show rückte, umso mehr herrschte Laissez-faire.“ Bei eintreffenden Besuchern stieg kurz vor Start der Inszenierung die Bereitschaft, das Auto einfach irgendwo abzustellen. Ein Bus, der wegen eines technischen Defekts in der Roritzerstraße mit Panne stehenblieb, sorgte für zusätzlichen Stau.

Mit dem Licht-Spektakel, das seit Wochenbeginn allabendlich die Menschen faszinierte, feierte Regensburg das Jubiläum „150 Jahre Domtürme“. Die Veranstaltung war im Vorfeld wegen der Kosten in Höhe von mehr als 300 000 Euro kritisiert worden. Das Besucher-Echo war allerdings überwältigend; wer die Show gesehen hatte, schwärmte von einem unvergesslichen Erlebnis.

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Domshow: Die Retter bleiben cool

Tausende strömen gerade allabendlich zur Kathedrale. Was aber ist, wenn es bei der Illumination zu einem Notfall kommt?

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