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Regensburg
Donnerstag, 20. September 2018 27° 1

Gewalt

Verliebt, verlobt, verprügelt

Unbekannte schlugen Eugen Schneider auf seinem Junggesellenabschied krankenhausreif. Nun steht die Hochzeit auf der Kippe.
Von Heike Haala

Alina Zug und Eugen Schneider sitzen auf einer Bank vor dem Regensburger Universitätsklinikum. Schneiders Auge ist blau und angeschwollen. Sollte die Hochzeit am Samstag stattfinden, wird er eine Sonnenbrille tragen.Foto: Haala
Alina Zug und Eugen Schneider sitzen auf einer Bank vor dem Regensburger Universitätsklinikum. Schneiders Auge ist blau und angeschwollen. Sollte die Hochzeit am Samstag stattfinden, wird er eine Sonnenbrille tragen.Foto: Haala

Regensburg.Es sollte der schönste Tag in ihrem Leben werden: Eigentlich wollten Alina Zug und Eugen Schneider am Samstag heiraten. Ob es aber bei diesem Termin auf dem Standesamt bleibt, ist inzwischen vollkommen unklar. Denn der angehende Bräutigam Schneider liegt mit fünf Brüchen im Gesicht im Universitätsklinikum Regensburg, sein Gesicht ist verkratzt, sein Auge blau und zugeschwollen, außerdem sieht er gerade Doppelbilder. Wie lange Schneider im Krankenhaus bleiben muss, ist unklar. Deswegen steht auch in den Sternen, ob er seiner Verlobten Alina am Samstag das Jawort geben kann.

Was ist passiert? Vergangenes Wochenende traf Schneider sich mit einigen Freunden, um seinen Junggesellenabschied zu feiern. Die Party endete in der Diskothek „Mylo Grand Club“ in der Langobardenstraße. Um kurz nach fünf Uhr am Sonntagmorgen wartete Schneider mit Christian Baal, dem Cousin seiner Verlobten, auf ein Taxi im Bereich eines Geschäfts für Tiernahrung. Baal schildert, dass dort zwei Männer auf sie zugekommen seien und Schneider provoziert hätten. Schließlich habe einer der Angreifer versucht, Schneiders Kopf gegen seinen Schritt zu drücken. Erst da habe Schneider sich gewehrt und die Situation eskalierte vollends. Der angehende Bräutigam bezog ordentlich Prügel, mehrfach hätte ihm ein Angreifer zudem ins Gesicht getreten. Baal habe versucht, die Meute auseinanderzubekommen. Als Schneider verletzt am Boden lag, seien die Angreifer geflohen.

Hier kam es zu der Tat:

Zeugen dringend gesucht

Bis heute fehlt von ihnen jede Spur. Markus Reitmeier von der Regensburger Polizeiinspektion (PI) Süd sagt, dass die Täter weiter flüchtig sind. Die Polizei sucht nach Zeugen. Auch Schneiders Verlobte hat sich mit einem entsprechenden Facebook-Post auf die Suche nach Menschen gemacht, die die Tat beobachtet haben. Alleine in der Gruppe „Regensburg Kleinanzeigen“ wurde dieser Beitrag bis Dienstagnachmittag 453 Mal geteilt. „Ich will, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt Zug.

Das Paar aus Neustadt an der Donau bangt unterdessen um seine Hochzeit. Erst am Freitag wird sich herausstellen, ob Schneider das Krankenhaus schon verlassen kann und ob er weiterhin fit genug für den Festtag ist. Aber auch falls die Hochzeit stattfindet, ist nicht klar, ob der Bräutigam das Programm komplett durchziehen kann. Deswegen will seine Verlobte nun am Standesamt und in dem Restaurant, in dem sie mit ihren 30 Gästen feiern wollen, Bescheid geben, dass sie die Hochzeit unter Umständen absagen oder abbrechen muss. Auf den Hochzeitsfotos wird Schneider wegen seines blauen Auges eine Sonnenbrille tragen. „Vielleicht machen wir die Fotos aber auch einfach an einem anderen Tag“, überlegt Zug.

„Hauptsache, Eugen geht es gut. Die Hochzeit kann man verschieben.“

Alina Zug

Das Wichtigste für sie ist nun ohnehin, dass sich ihr Verlobter wieder erholt. „Hauptsache, Eugen geht es gut. Die Hochzeit kann man verschieben“, sagt Zug. Denn Schneider musste sich am Montag einer Operation unterziehen. Psychisch stecke er die Gewalttat gut weg. „Diese Typen sind es nicht wert, schlechte Laune wegen ihnen zu haben“, sagt er.

Polizei sucht Zeugen

  • Täter:

    Die Täter sind weiterhin flüchtig. Laut Polizei fehlt von ihnen jede Spur.

  • Angaben:

    Deswegen ist die Polizei dringend auf der Suche nach Zeugen, die Angaben zu dem Vorfall machen können. Wer etwas Verdächtiges beobachtet hat, soll sich unter der Telefonnummer (0941) 5 06 20 01 bei der PI Süd melden.

Die Heilung geht voran

Eugen Schneiders Auge ist verschwollen. Er musste operiert werden. Foto: Haala
Eugen Schneiders Auge ist verschwollen. Er musste operiert werden. Foto: Haala

Und so freut Schneider sich am Dienstag über seinen Heilungsprozess. „Gestern hat man in den Kratzern in meinem Gesicht noch das Profil einer Schuhsohle erkannt. Heute ist das fast weg“, sagt er. Außerdem hat er eine gute Nachricht von den Ärzten bekommen. Narben im Gesicht werden ihm von den Prügeln keine bleiben. „Die haben mich durch die Nase operiert. Wie haben die das nur gemacht“, grübelt Schneider.

Der Betriebsleiter der Diskothek „Mylo Grand Club“ indessen kündigt im Gespräch mit der Mittelbayerischen an, jetzt seine Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Schon länger habe es Überlegungen gegeben, mehr Sicherheitspersonal einzusetzen, um die Besucher am Eingang zu durchsuchen und um eine Parkplatzstreife auf den Weg zu schicken, die sich um das Umfeld kümmert. Diese Überlegungen will der Betriebsleiter nun schneller in die Tat umsetzen. „Ich will, dass die Gäste hier Spaß haben und sich keine Sorgen machen, dass ihnen Gewalt widerfährt“, sagt er.

Der Angriff auf Schneider war nicht die einzige Gewalttat, die die Polizei in der Nacht auf Sonntag im Umfeld der Diskothek beschäftigte. Bereits gegen 3.50 Uhr kam es laut Polizei auf einem Parkplatz neben der Diskothek zu einem Streit zwischen zwei Personengruppen. Eine Person drohte den Kontrahenten mit einem Elektroschocker, eine andere verletzte zwei Kontrahenten mit einem Messer. Danach mussten zwei Männer im Alter von 20 und 22 Jahren mit Stichverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

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