MyMz
Anzeige

Justiz

Verwaltungsgericht bestätigt Abschiebung

Der 18-jährige Saheb hatte vor dem Verwaltungsgericht Regenburg gegen seine Abschiebung geklagt. Die Klage wurde abgewiesen.
Von Heinz Klein, MZ

Jussuf Saheb (Mitte) mit seinem Rechtsanwalt Philipp Pruy (links) und einem Dolmetscher.
Jussuf Saheb (Mitte) mit seinem Rechtsanwalt Philipp Pruy (links) und einem Dolmetscher. Foto: Schmid

Regensburg.Der 18-jährige Jussuf Saheb (Name geändert) ist ein Flüchtling, den man wohl niemals mehr hergeben möchte: fleißig, freundlich, motiviert, ehrlich, pünktlich, in höchstem Maße integrationsbereit. Das bestätigen dem jungen Mann aus Afghanistan die Lehrkräfte des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Regensburg-Land ebenso wie ehrenamtliche Helfer der Katholischen Hochschulgemeinde und der Nittendorfer Bäckermeister Harald Krois, der Saheb sofort als Lehrling einstellen würde,

Bittere Enttäuschung bei Helfern

Bei all diesen Helfern herrscht seit Donnerstagvormittag bittere Enttäuschung. Da gab das Verwaltungsgericht die Entscheidung bekannt: Die Klage Sahebs gegen seine Abschiebung wurde zurückgewiesen. Die Gründe für diese Entscheidung wird es erst in einigen Tagen schriftlich geben. Dann bleibt Saheb nur noch die Möglichkeit, einen Antrag auf Zulassung der Berufung zu stellen. Dazu hat er einen Monat Zeit. Wenn die Berufung zugelassen wird, wird der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München eine endgültige Entscheidung fällen.

Mit ganz leiser Stimme meldete sich ein enttäuschter Saheb am Vormittag am Telefon. Zu allem Überfluss hatte ihn auch noch die Grippe erwischt. Deshalb hatte er sich für einen Tag in der Bäckerei abgemeldet. Auch sein Chef lag mit Grippe im Bett. Die Entscheidung des Gerichts sei „schlecht für uns alle“, sagte Bäckermeister Krois enttäuscht.

Der junge Afghane kam 2014 über die Balkanroute nach Deutschland, absolvierte einen Deutschkurs der VHS und das Berufsvorbereitungsjahr im BSZ, wo er die Lehrer zum Schwärmen brachte: „Saheb ist in Sachen Pünktlichkeit, Arbeitsverhalten und Disziplin wirklich hervorragend“, attestierte ihm die Schulleitung. Und auch Bäckermeister Krois, bei dem Saheb ein Praktikum absolviert, sagt: „So einen wie Saheb gibt es heute kaum noch.“ Sofort hätte er einen Ausbildungsvertrag bekommen, doch er bekam nicht mal eine befristete Arbeitserlaubnis.

Im September griff das Abschiebeabkommen, das die EU mit Afghanistan geschlossen hatte. Gegen eine schnelle Abschiebung gingen Lehrer des BSZ und der VHS auf die Barrikaden und sammelten Geld, um Saheb eine Klage gegen die Abschiebung vor dem Verwaltungsgericht mit einem Anwalt an der Seite zu ermöglichen.

„Unsere Arbeit wird weggeworfen“

Am Dienstag fand die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht statt. Dort sollte der 18-Jährige schildern, was ihm blühe, wenn er nach Afghanistan zurück müsse. „Die Taliban haben überall Spione. Wenn sie mich finden, bringen sie mich um“, erklärte er dem Richter. Im Gerichtssaal herrschte Gedränge. Viele Lehrkräfte zeigten sich mit Saheb solidarisch. Sie hatten für ihn und seine Landsleute, denen die Abschiebung droht, schon im Dezember eine Demonstration organisiert.

Katharina Brunner, Sozialarbeiterin am BVZ, kennt Saheb seit Februar und bestätigt all die Vorzüge des jungen Afghanen. „Saheb hat jetzt große Angst. Er würde alles dafür geben, hierbleiben zu dürfen“, sagt Katharina Brunner. Nun mache sich auch bittere Enttäuschung bei all den Lehrern und ehrenamtlichen Helfern breit, die viel Engagement und Arbeit investiert haben. „Diese Arbeit sollte Früchte tragen. Nun wird man sie womöglich einfach wegwerfen“, klagt Brunner.

Eine solche Entscheidung frustriere den großen Helferkreis um Saheb zutiefst, sagt auch Albert Rogg, Lehrer am BSZ Regensburg-Stadt. Rogg war als Lehrer vier Jahre in Afghanistan und kennt die Hintergründe. In sein Dorf dürfte sich Saheb bei einer Abschiebung nicht mehr wagen, denn er würde als Rückkehrer Schande über die Familie bringen, die sich verschuldet habe, um die Flucht zu finanzieren. Und in Kabul hätte er kaum eine Chance, sich ein Existenzminimum zu verdienen. Hunderttausende Flüchtlinge kehren dort derzeit aus dem Iran und Pakistan zurück. Die Stadtviertel seien nach Ethnien organisiert. Wenn Saheb dort auftauchte, würde sich seine Ankunft wie ein Lauffeuer verbreiten. Dann müsse Saheb damit rechnen, dass sein Name auf einer Todesliste der Taliban auftauche.

Weitere Meldungen aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht