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Virus ist scheinbar nicht zu stoppen

Nun noch Zeitlarn! Warum tritt die Geflügelpest ausgerechnet jetzt so massiv in der Region auf? Erklärungen sind schwierig.
Von Thomas Kreissl und Michael Jaumann, MZ

Gänse, Hühner, Puten, Perlhühner, Enten und Wildenten wurden am Wochenende in einem Geflügelbestand in Zeitlarn getötet. Zuvor hatte es bereits einen Halter in Lappersdorf und den Wildpark Höllohe getroffen. Die Geflügelpest hat in der Region innerhalb weniger Tage zugeschlagen.
Gänse, Hühner, Puten, Perlhühner, Enten und Wildenten wurden am Wochenende in einem Geflügelbestand in Zeitlarn getötet. Zuvor hatte es bereits einen Halter in Lappersdorf und den Wildpark Höllohe getroffen. Die Geflügelpest hat in der Region innerhalb weniger Tage zugeschlagen. Archivfoto: dpa

Regensburg.Drei tote Wildvögel in Regensburg, Pentling und Pettendorf, mehr als 200 getötete Vögel im Wildpark Höllohe bei Teublitz, ein gekeulter Hausgeflügelbestand in Lappersdorf und am Samstag weitere 100 getötete Hühner, Puten, Perlhühner, Gänse, Enten und Wildenten bei einem Tierhalter in Zeitlarn – die Geflügelpest hat innerhalb weniger Tage in Stadt und Landkreis Regensburg massiv zugeschlagen.

Warum tritt diese tödliche Vogelgrippe ausgerechnet hier und ausgerechnet jetzt auf, nachdem die Region zuvor monatelang von dem Erreger verschont geblieben ist? Auch Experten können nur Mutmaßungen anbieten. „So etwas kann man nicht immer lösen“, weiß Elke Reinking, die Pressesprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald.

Die Fachleute dieses Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit sehen bei Häufungen wie jetzt in Regensburg durchaus genauer hin. Doch selbst dieser intensive Blick bringt nach Auskunft der Pressesprecherin oft keine zufriedenstellende Auskunft zur Ursache von massiv auftretenden Fällen. Am ehesten ist wohl davon auszugehen, dass bei den Geflügelpest-Fällen im Raum Regensburg viele Umstände zusammengetroffen sind. Ein zentraler Punkt dabei: „Wir haben eine hohe Viruslast in der Natur“, betont Elke Reinking.

Viele Wildvögel unterwegs

Es sind und waren in den vergangenen Wochen einfach viele infizierte Wildvögel unterwegs, deren Hinterlassenschaften vielerorts in der Landschaft und auf Gewässern zurückbleiben. Dabei handelt es sich vor allem um Kot und Sekret, die im Extremfall über verunreinigte Gerätschaften, Kleidung oder Einstreu auch in eigentlich geschlossene Ställe eingeschleppt werden können. Der Geflügelhalter in Lappersdorf hat seine mittlerweile getöteten Tiere zudem nicht im Stall gehalten, sondern ins Freie gelassen und damit einem höheren Risiko ausgesetzt.

In den beiden Geflügelpest-Sperrbezirken dürfen sogar Eier die Betriebe nicht mehr verlassen.
In den beiden Geflügelpest-Sperrbezirken dürfen sogar Eier die Betriebe nicht mehr verlassen. Foto: dpa

Davor warnen sowohl das Friedrich-Löffler-Institut als auch das Regensburger Landratsamt eindringlich. Nach Ansicht der FLI-Experten hat der Schutz der Nutzgeflügelbestände vor einer Infektion oberste Priorität. Deshalb müsse der Kontakt zwischen Wildvögeln oder deren Hinterlassenschaften und den Geflügelhaltungen unbedingt vermieden werden. Nach wie vor gilt deshalb für den gesamten Landkreis eine allgemeine Stallpflicht mit strengen Auflagen. Trotz der tödlichen Gefahr für die Tiere betont das Bundesforschungsinstitut aber weiterhin: Infektionen mit dem aktuellen Geflügelpest-Erreger sind beim Menschen bisher nicht bekannt.

Kein Einzelfall ist nach Auskunft der FLI-Sprecherin der Ausbruch der Geflügelpest im Wildpark bei Teublitz. Sie weiß mittlerweile in Deutschland von acht Ausbrüchen in Zoos oder Wildparks, die besonders gefährdet seien, weil es hier immer Tiere gebe, die nur schwer im Stall zu halten seien. Dass das Virus hier relativ leicht seinen Weg findet, sei nicht verwunderlich.

Auch der starke Frost der vergangenen Wochen führte zu einer Verlagerung der Risikogebiete. Darauf hat das FLI in seiner jüngsten Risikoeinschätzung zum Auftreten des H5N8-Erregers hingewiesen. Denn viele Wasservogelarten sind Kälteflüchter und suchen sich eisfreie Gewässer. Das können auch größere Flüsse sein, die nicht so schnell zufrieren. Hinzu kommt, dass die eisigen Temperaturen auch viele Vögel schwächen, beispielsweise durch ein mangelndes Nahrungsangebot. „Die Tiere sind dann stärker anfällig für Viruseffekte“, erklärt Elke Reinking.

Das vermutet auch Dr. Reinhold Schoierer, der Leiter des Veterinäramtes im Landkreis Regensburg, als eine mögliche Ursache für die Häufung von toten Wildvögeln in der Region. „Die Tiere sind gestresst, hungrig, ihr Immunsystem ist geschwächt“, sagt der Veterinär, der ansonsten aber keine Erklärung dafür hat, warum es den Landkreis ausgerechnet jetzt derart massiv erwischt hat.

„Müssen mit der Krankheit leben“

Grundsätzlich gibt sich Schoierer aber keinen Illusionen hin. „Wir müssen wahrscheinlich mit dieser Krankheit leben“, erklärt er. Die aktuell angeordnete Stallpflicht wird demnach wohl nicht die letzte sein. Zwar sind Impfungen nach Auskunft des Veterinärs grundsätzlich möglich. Doch müsse dann auch klar sein, gegen welchen Erreger überhaupt geimpft wird. Zudem müsste bezahlbarer Impfstoff in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.

Derzeit hat der Leiter des Veterinäramtes aber andere Sorgen. Denn in den nunmehr vier Sperrbezirken im Landkreis müssen alle gemeldeten Geflügelbestände untersucht werden. Das waren bis zum Wochenende über 160 Bestände mit mehr als 4000 Tieren. Hinzugekommen sind mit dem aktuellen Sperrbezirk in Zeitlarn, der auch auf das Gebiet der Gemeinde Wenzenbach ausstrahlt, weitere 53 Geflügelhalter mit 2115 gemeldeten Tieren.

Während die Untersuchungen im Sperrbezirk Lappersdorf mittlerweile zu knapp 90 Prozent abgeschlossen sind, haben sie in den Sperrbezirken Pettendorf, Pentling und Zeitlarn eben erst begonnen. Mindestens 21 Tage lang sind die strengen Auflagen der Geflügelpest-Schutzverordnung in den Sperrbezirken in Kraft.

Nach Ablauf gelten die weniger restriktiven Regelungen für Beobachtungsgebiete. Die Beobachtungsgebiete umfassen bereits Teile oder sogar die ganze Fläche von knapp der Hälfte der Gemeinden des Landkreises.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg

Die Sperrbezirke

  • Wildgeflügelpest-Restriktionszonen:

    In den Gemeinden Pentling und Pettendorf wurde totes und mit dem Virus H5N8 infiziertes Wildgeflügel gefunden. Das Landratsamt hat die Gemeinden Pentling und Pettendorf daher zu Wildgeflügel-Restriktionszonen erklärt. Dort gilt Stallpflicht und Geflügelhalter dürfen ihren Bestand nicht verändern. Frisches Geflügelfleisch oder Fleischerzeugnisse dürfen den Hof nicht verlassen.

  • Geflügelpest-Restriktionszonen:

    In den Beständen zweier Stallbetriebe in den Gemeinden Lappersdorf und Zeitlarn haben die Behörden das Virus H5N8 festgestellt, die Tiere wurden getötet. In den beiden Gemeinden sowie Teilen von Pettendorf, Regenstauf und Wenzenbach gelten schärfere Auflagen. Vögel, Geflügelfleisch und sogar Eier dürfen weder ein- noch ausgeführt werden. Das gilt auch für die angrenzenden Beobachtungsgebiete. (jn)

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