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Voderholzer erobert die Herzen


Von Christine Schröpf, MZ

  • Rudolf Voderholzer schreitet durch den Mittelgang des Dom, um die Gläubigen zu segnen. Foto: altrofoto.de
  • Erzbischof Reinhard Marx übergibt an Rudolf Voderholzer den Bischofsstab. Foto: altrofoto.de
  • Vor dem Weiheakt lag Rudolf Voderholzer als Zeichen der Demut vor Gott minutenlang auf dem kalten Boden der Kathedrale. Foto: altrofoto.de

Er ist noch keine Stunde in Amt und Würden, da geht Rudolf Voderholzer das erste Mal eigene Wege: Mit großen Schritten, das Lob Gottes singend, strebt er am Samstag zunächst im Geleit von Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller und Bischof Frantisek Radkovsky vom Altar in den Mittelgang, um die Gläubigen zu segnen. Am Kreuz beim Hochgrab soll die Gruppe laut Messzeremoniell wenden. Doch Voderholzer büxt aus und lässt die drei Mitbrüder zurück. Er taucht in die Menge der Menschen ein, die dicht gedrängt bis zum Domeingang stehen und segnet auch sie.

Das Brückenbauen im Wappen

Es ist ein Szene mit Symbolkraft. Der 53-Jährige schickt an diesem Tag viele Botschaften an die Menschen im Bistum, dass er am liebsten mit ihnen gemeinsam den Glauben erkunden und „Gott groß sein“ lassen will. Er sei bereit, voranzugehen, sagt er in seiner kurzen Ansprache. „Aber ich brauche Euch. Ich brauche Sie alle. Ohne Euch geht es nicht.“ Seinem Bischofswappen hat er bewusst eine Brücke hinzugefügt. Die Bischofsinsignien – Stab, Kette und Ring – sind gleichfalls mit Bedacht aus dem Domschatz gewählt: Der schlichte, goldene Reif etwa ist eines der Exemplare, die Papst Paul VI. 1956 in der letzten Generalversammlung des Zweiten Vatikanischen Konzils verschenkte. Der neue Bischof verpflichtet sich damit auf das geistige Erbe eines Gremiums, das vor 50 Jahren frischen Wind in die Kirche brachte. Voderholzers Bischofskreuz wiederum hat zuvor den wegweisenden Regensburger Oberhirten Johann Michael von Sailer und Georg Michael Wittmann gehört – der eine gilt als herausragender Seelsorger und charismatischer Lehrer, der andere prägte eine ganze Priestergeneration.

2200 Gläubige haben sich am Samstag im eiskalten Dom versammelt – unter ihnen 750 Fahnenträger. Die Livesendung des Bayerischen Fernsehens wird in drei umliegende Kirche übertragen, wo noch einmal rund 1200 Menschen das Ereignis verfolgen. Prominenz aus Kirche und Politik ist angereist: Jean-Claude Périsset, Apostolischer Nuntius in Deutschland, überbringt die päpstliche Bulle – die Ernennungsurkunde für Robert Voderholzer. Robert Zollitsch, Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, heißt den neuen Mitbruder willkommen. Fast alle bayerischen Bischöfe sind da – Kardinal Marx spricht als ihr Vorsitzender von den Herausforderung des Bischofsamts in einer Zeit übergroßer Erwartungen der Gläubigen und einer „medialen Öffentlichkeit mit Versuchung zu Zuspitzung, Skandalisierung und Personalisierung“. Auf den ersten Blick sei das eine „Mission Impossible“, ein unmöglicher Auftrag. Doch die Ernte sei groß.

Der Druck, die hohen Erwartungen: Zu Beginn des Gottesdienstes waren sie Voderholzer anzusehen. Als er –noch als einfacher Priester – um 10 Uhr im langen Zug der Kleriker in den Dom kommt, hat er die Finger auffallend fest zum Gebet verschlungen. Erst später, als er geweiht ist und ihm die Insignien seines Amtes übergeben sind, fällt die Anspannung von ihm ab. Sein Bruder Winfried, der mit Mutter Maria, Nichten und Neffen in der ersten Reihe alles aufmerksam verfolgt, registriert das genau. „Mir ist aufgefallen, dass er glücklich war, als er die Mitra aufhatte.“

Noch im Dom schlägt Voderholzer am Beispiel seiner Familiengeschichte eine Brücke zwischen Tschechien und Ostbayern: Der Regensburger Bistumspatron Wolfgang hatte vor 1040 Jahren trotz Protesten seines Domkapitels auf die böhmischen Teile seines Bistums verzichtet – es war die Geburtsstunde der Diözese Prag. Der Bischof versprach sich davon einen großen Schub für den Glauben. Eben dort, im heutigen Tschechien, aber liegen die Wurzeln für die Glaubenstiefe der Familie Voderholzer. Die 86-jährige Mutter des neuen Bischofs stammt aus Kladrau in Böhmen, sie lebte dort bis zu ihrer Vertreibung. Unter dem früheren Elternhaus endete ein Silberstollen. Rudolf Voderholzer greift dieses Detail auf. „Nehmen Sie mich, liebe Regensburger, als kleine Silber-Münze aus dem geistigen Bodenschatz Böhmens, gleichsam – wenn ich das einmal augenzwinkernd sagen darf – als eine späte Entschädigung für die großherzige Freigabe des Bistums Prag durch den heiligen Bischof Wolfgang.“

Gleichnis mit Silbermünze überzeugt

Es ist ein Moment, der die Gläubigen berührt. Voderholzer fängt es mit einem kleinen Scherz auf. Er beruhigt sein neues Domkapitel. Denn so beispielhaft Bischof Wolfgang für ihn ist, in einem Punkt will er ihm nicht folgen. „Ich plane keine weiteren Gebietsabtretungen“, sagt er –und erntet Gelächter.

Der neue Bischof erobert am Samstag die Herzen der Gläubigen im Flug. Prälat Lorenz Wolf, Leiter des Katholischen Büros in Bayern, gefällt vor allem das Gleichnis mit der Silbermünze. „Er sagt damit: Er ist eine Gabe und nicht einer, der in Besitz nimmt.“ Europaministerin Emilia Müller ist beeindruckt. Voderholzer sei für das „Hirtenamt im Herzen Bayerns eine Idealbesetzung“, so die Oberpfälzerin. Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken und freut sich auf die Zusammenarbeit beim Katholikentag 2014 in Regensburg. „Er ist ein zuhörender Mensch mit einer klaren, eigenen Position, mit einer festen inneren Mitte und einem Offensein für die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit.“ Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ist bewegt: „Man hat spontan das Gefühl, dass er ein sehr volkstümlicher Bischof sein wird.“ Der Weidener OB Kurt Seggewiß sagt: „Man hat gesehen, wie stolz die Oberpfälzer auf den neuen Bischof sind.“ Der Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, spricht von einem Freudentag für das Bistum. Auch Sigrid Grabmeier von der kirchenkritischen Vereinigung „Wir sind Kirche“ ist nach der Messe tief berührt. „Es war schön. Ich hatte Tränen in den Augen“, bekennt sie. Sie traue Voderholzer zu, ein guter Bischof zu sein.

Beim Empfang für die Gläubigen im Kolpinghaus sind auch 200 Gläubige aus Kasel und Trier dabei, den bisherigen Wirkungsorten Voderholzers in Rheinland-Pfalz. Welchen Eindruck er dort hinterlassen halt, lässt sich an dem spontanen Jubel ablesen, der aufbrandet, als er sie begrüßt. Auch Voderholzers Herz hängt noch an der alten Heimat. Als Messwein für die Bischofsweihe hatte er eine Kaseler Nieschen Beerenauslese ausgewählt – Wein aus Reben, die er selbst mitgeerntet hat.

Da passt es gut, dass Voderholzer von Vertretern katholischer Verbände im Bistum Regensburg Rebstöcke geschenkt bekommt. Er bedankt sich bei den sogenannten Laien der Kirche – und nutzt die Gelegenheit, um ihnen eine schöne Hausaufgabe mit auf den Weg zu geben. „Ich bin mit dem Wort Laien ganz unglücklich“, sagte er. Es klinge nach Menschen, die sich nicht auskennen und sei damit eine schlechte Bezeichnung für Menschen, die in der Kirche verantwortungsvoll wirken. „Helfen Sie mit, ein besseres Wort zu finden.“

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