MyMz
Anzeige

Hintergrundgespräch

Voderholzer lässt Missbrauchsopfer hoffen

Am Donnerstag stattete der neue Regensburger Bischof dem Presseclub einen Besuch ab. Voderholzer präsentierte sich diplomatisch - zog aber klare Grenzen.
Von Pascal Durain, MZ

  • Der neue Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer stellte sich den Fragen im Presseclub. Foto: Lex
  • Voderholzer und MZ-Redakteurin Christine Schröpf. Foto: Lex

Regensburg.Es sind Tage, an denen der neue Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer viele Fragen beantworten muss: Während er am Dienstag nach Deggendorf reiste, um Flutopfern beizustehen, stellte er am Donnerstagvormittag die Werbekampagne für den Katholikentag 2014 in der Domstadt vor – und dann ist da noch das Erbe seines Vorgängers, dem heutigen Erzbischof Gerhard Ludwig Müller.

Voderholzers erste Auftritte, seine Aussagen und die Reaktionen darauf erweckten den Eindruck, dass der neue Bischof angekommen ist – nicht nur in seiner Diözese, sondern auch beim Kirchenvolk. Wie er die Situation im Bistum Regensburg erlebt – darüber sprach er am Donnerstagabend mit MZ-Redakteurin Christine Schröpf und Karl Birkenseer, Redakteur bei der Passauer Neuen Presse.

„Es wird nicht zu wenig geglaubt“

Das Bild des Bistums war in den vergangenen Wochen vor allem von einem geprägt: Hochwasser und Menschen, die nach der Flutkatastrophe vor dem Nichts stehen. Am Donnerstagabend erneuerte Voderholzer sein Versprechen, den Flutopfern beizustehen und diese mit Geldern zu unterstützen. „Man möchte eigentlich gleich anpacken und mithelfen“, sagte Voderholzer. Worte, die in diesen Stunden gut klingen – gerade vor Journalisten. Doch der 53-Jährige überzeugte viel mehr mit seiner ruhigen und diplomatischen Art – zog aber im Verlauf des zweistündigen Gesprächs auch klare Grenzen. Er erklärte, dass er auf gesunde Weise provozieren wolle. „Ich glaube nicht, dass die Leute zu wenig glauben. Im Gegenteil: Heute wird zu viel geglaubt“, spielt er auf den christlichen Vordenker Gilbert Keith Chesterton an – und fügte hinzu: „Ich ergänze: Die Leute glauben jeden Schmarrn.“

Bei seinen Reisen durchs Bistum habe ihn vor allem die Vitalität der Verbände (etwa BDKJ, MMC oder Kolpingfamilien) stark beeindruckt. Das sei ihm aus anderen Regionen so nicht bekannt gewesen. „Das ist schon eine Wucht.“ Von jeder Begegnung sei er gestärkt heimgefahren.

Streitfall „Donum Vitae“

Der Bischof blieb zwar versöhnlich, blieb aber bei grundlegenden Fragen konsequent. Zum Beispiel bei der Unauflöslichkeit der Ehe. So sollte der Begriff Ehe, nur für die dauerhafte Verbindung von Mann und Frau gelten, als „Keimzelle der Familie“. „Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn politisch da zu sehr experimentiert wird“, sagte Voderholzer mit Blick auf die jüngsten Entscheidungen zum Ehegattensplitting und dem Adoptivrecht.

Doch er war an diesem Abend nicht hierhergekommen, um zu provozieren. Voderholzer kündigte an, auch auf kirchenkritische Kreise wie die Organisation „Wir sind Kirche“ zuzugehen – noch vor den Sommerferien wolle er Gespräche mit einigen Pfarrern führen. Auch auf dem Katholikentag sollen sie vertreten sein.

Etwas zurückhaltender reagierte er auf Nachfragen zum Verein „Donum Vitae“, der schwangere Frauen berät und diesen einen Beratungsschein für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch ausstellen kann. Er wolle zwar Brücken schlagen, sagte Voderholzer, doch der Verein habe in einer entscheidenden Frage den gemeinsamen Boden verlassen, was die Kirche für richtig halte. Auch wenn er nicht alles, was der Verein mache, falsch finde, so könne er die Teilnahme der Organisation am Katholikentag nicht befürworten. „Das macht uns unglaubwürdig. Wir können die Hand nicht zur schlechtesten Lösung reichen.“ Er betonte aber immer wieder, dass noch nicht abschließend darüber entschieden sei. Darüber werde noch mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als dem Veranstalter des Katholikentreffens „gerungen“.

Außerdem erklärte Voderholzer am Donnerstagabend auf Nachfrage, dass er auch auf die Opfer von sexuellem Missbrauch in katholischen Einrichtungen einen Schritt zugehen wolle. Begegnungen mit Opfern habe es schon gegeben, er sei zwar „mit ziemlich flatterndem Herzen hingefahren“, habe das aber in keiner Weise bereut. „Wir können Dinge nicht ungeschehen machen.“ Aber eine materielle Anerkennungsleistung sei nicht das erste, was die Opfer erwarten würde, glaubt Voderholzer. „Viele erleben schon dadurch Befreiung, wenn sie spüren, dass man ihnen überhaupt mal glaubt, sie ernst nimmt.“ Zu lange habe man ihre Geschichten bagatellisiert.

Die Art und Weise, wie bisher im Bistum mit der Aufarbeitung umgegangen wurde, bezeichnete er dennoch als vorbildlich. Auf die Frage, ob es doch noch einen Abschlussbericht geben wird, sagte er nach langer Pause: „Das lasse ich mal offen.“ Wenn sich herausstellen sollte, dass ein Abschlussbericht hilfreich ist, „will ich das nicht ausschließen.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht