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Vögel können Kindern Flügel verleihen

Umgang mit Tieren hilft, Verhaltensmuster zu ändern / Neues Projekt in der Vogelstation

  • Der Falkner Karl Büchl und die Dipl. Pädagogin Claudia Meindl werden sich bei der Betreuung verhaltensauffälliger Kinder ergänzen. Foto: Norgall
  • Bei dem zwölfjährigen Michael war während des Ferienprogramms die Betreuung des Falken Liebe auf den ersten Blick. Foto: privat

Von Sabine Norgall, MZ

REGENSTAUF. Der Umgang mit Tieren kann Kindern helfen, zu sich selbst zu finden. Diese Beobachtung machte Karl Büchl während der vielen Jahre, in denen er die Vogelstation des Landesbundes für Vogelschutz in Regenstauf betreut, immer wieder. Waren etwa Schulklassen mit einzelnen verhaltensauffälligen Kindern in der Vogelstation zu Besuch, so genügte es oft schon, den Kindern einen Greifvogel auf die Hand zu setzen um aus einem Zappelphilipp ein ruhiges Kind zu machen, das der Faszination dieser Vögel erlag.

Seit über 20 Jahren werden Tiere als Therapiemittel eingesetzt, am bekanntesten sind das Schwimmen mit Delfinen oder der enge Körperkontakt mit Pferden beim Reiten. In der Vogelstation in Regenstauf startet jetzt eine in Deutschland einmalige Aktion. Unter dem Namen „Phoenix – Kindern und Jugendlichen Flügel verleihen“ geht es um die Veränderung von Verhaltensgewohnheiten bei Kindern und Jugendlichen, deren Eigenkompetenz durch die Arbeit mit Greifvögeln gestärkt werden soll.

Wolfgang Nerb, Leiter der Bezirksstelle Oberpfalz des LBV, erkannte das Potential, das in der Begegnung der Kinder mit den Vögeln liegt. Dipl. Pädagogin Claudia Meindl, die zur Zeit in der Vogelstation hospitiert, erarbeitete das Konzept für die Therapie. Diese findet in enger Zusammenarbeit mit dem Regensburger Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Manfred Wurstner, statt. Gerade bei Kindern mit Konzentrationsstörungen, ADS, oder einem gestörten Selbstwertgefühl bringe die Arbeit mit Tieren, die Notwendigkeit andere zu pflegen, einen positiven Effekt, verspricht sich Meindl.

Die Zuneigung zählt

Auch wenn Delfine und Pferde die Stars unter den Tiertherapeuten sind, der Nutzen anderer Tiere als Heilmittel ist sicher, sagt Claudia Meindl. Die Wirkung der Therapie beruhe meist nicht auf einem speziellen Programm, sondern vielmehr auf der Zuneigung und Liebe des Tieres, die zwar vom Menschen manchmal hart und geduldig erworben werden müsse, dann aber bedingungslos sei. Die Erfahrungen, die Kinder im Umgang mit Tieren machten, helfe ihnen, auch im Umgang mit anderen Menschen.

Bei den jährlich rund 200 Veranstaltungen, die Karl Büchl mit Kindern und Jugendlichen bestreitet, machte er immer wieder eine Erfahrung: Die Bereitschaft, Verantwortung gegenüber einem jungen oder pflegebedürftigen Vogel zu übernehmen, lässt sich übertragen auf die Bereitschaft, in der Gesellschaft Verantwortung für sich und für andere zu übernehmen. Ob gerade der Umgang mit Vögeln bei jedem Kind etwas bringe, müsse sich erst zeigen, meint Karl Büchl. „Sicher gibt es auch viele Kinder, bei denen funktioniert das Ganze besser mit einem Hund oder einem Aquarium“.

Erleben und reflektieren

Dipl. Pädagogin Claudia Meindl, die schon mehrere Jahre Berufserfahrung mit verhaltensauffälligen Kindern sammelte, hat bislang noch nie mit einem tierischen Therapiepartner zusammengearbeitet. Derzeit durchläuft sie bei Karl Büchl all die Stationen, bei denen sie später die Kinder begleiten wird. Dabei wird es eine klare Arbeitsteilung geben. Karl Büchl wird die Kinder theoretisch und praktisch in alles einführen, was sie im Umgang mit Greifvögeln wissen müssen. Claudia Meindl wird mit ihnen reflektieren, was da gerade passiert ist, wie sie sich im Umgang mit den Vögeln gefühlt haben. Aus eigener Erfahrung kann sie jetzt schon sagen. „Es ist ein langer Weg, bis man mit einem Vogel vertraut ist, bis sich ein Falke streicheln lässt. Aber es ist ein tolles Gefühl.“

Je nach Verlauf des Eingangsgespräch mit den Kindern, das Facharzt Manfred Wurstner führt, wird für jedes Kind die geeignetste Vorgehensweise festgelegt. Einige Kinder werden einzeln betreut werden, andere in der Gruppe arbeiten. Starten soll das Projekt voraussichtlich im Herbst.

Näher Informationen unter:

claudia.meindl@t-online.de

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