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Wissenschaft

Von der Sternwarte ins Weltall

2020 soll es erstmals eine deutsche Astronautin geben. Dr. Randall, eine der beiden Kandidatinnen, sprach in Regensburg.
Von Laura Lindner

Bei den Parabelflügen lernte Dr. Suzanna Randall das Gefühl der Schwerelosigkeit für den Flug ins Weltall kennen. Foto: Randall
Bei den Parabelflügen lernte Dr. Suzanna Randall das Gefühl der Schwerelosigkeit für den Flug ins Weltall kennen. Foto: Randall

Regensburg.Mit den Sternen beschäftigt sich Dr. Suzanna Randall täglich. Jetzt will sie auch nach ihnen greifen: Die Astrophysikerin könnte als erste deutsche Frau zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Die Möglichkeit dazu bietet die private Initiative „Astronautin“, die in zwei Jahren die erste Frau aus Deutschland als Astronautin ins All schicken will. Randall stellte beim Regensburger Mädelstalk in der Sternwarte jungen Mädchen und Frauen ihren Werdegang sowie ihre Arbeit vor.

Ins All zu fliegen – davon träumt sie seit ihrer Kindheit. Die Astrophysikerin reizt bei ihrem Vorhaben jedoch nicht nur das Abenteuer: „Ich möchte ein Vorbild für junge Frauen sein und eine Begeisterung für die Raumfahrt schaffen.“ Mehr Mädchen für MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, zu gewinnen, das hat sich auch die Gleichstellungsstelle der Stadt Regensburg zur Aufgabe gemacht.

Mit dem Mädelstalk geht die Gleichstellungsstelle einen Schritt weiter und bringt junge Frauen mit weiblichen Vorbildern direkt ins Gespräch. Es soll einen Austausch zwischen einer erfolgreichen Frau in einem für Frauen noch untypischen Beruf und jungen Frauen, die sich noch beruflich orientieren, bieten.

Anforderungen an Astronauten

Diese Ziele decken sich mit der von der Raumfahrtmanagerin Claudia Kessler gegründeten Initiative. Rund 500 Frauen hatten sich beworben und mussten sich dem Auswahlverfahren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR stellen. Nach mehreren medizinischen und psychologischen Tests blieben sechs Frauen übrig.

Randall landete dabei auf Platz drei und schied somit aus. Vor fast einem Jahr hatte die Jury die Meteorologin Insa Thiele-Eich und die Eurofighter-Pilotin Nicola Baumann ausgewählt. Nachdem Baumann ihren Rücktritt verkündete, wurde Randall als Nachrückerin präsentiert.

„Welche von uns beiden tatsächlich zur ISS fliegen darf, wird erst nach dem Training entschieden“, erklärte Randall. Die gebürtige Kölnerin hat in London Astronomie studiert, in Montreal ihren Doktor in Astrophysik gemacht und arbeitet seit 2006 bei der Europäischen Südsternwarte ESO in Garching sowie für „Alma“, eines der größten Radioteleskope der Welt in Chile und erforscht die Evolution der Sterne.

Auf dem Mädelstalk erklärte die Astrophysikerin, dass der Beruf eine große Bereitschaft zur Flexibilität verlange. Nach der Promotion folge meist ein bis zu 10 Jahre dauerndes Arbeiten auf Zeitverträgen quer über den Globus. „Man lebt auf vielen Kontinenten“, sagte die Referentin. Dafür seien einige Talente wichtig: „Man braucht eine Affinität für Naturwissenschaften.“

Experimente im Weltall

Außerdem seien sehr gute Englischkenntnisse, Grundlagen im Programmieren und Durchhaltevermögen unerlässlich, so die 38-Jährige. Nun soll sie die kommenden zwei Jahre fürs All fit gemacht werden. „Das Training wird hart“, so Randall. Auf dem Lernplan stehen unter anderem Flugunterricht, Roboterkunde, Russischunterricht, Überlebenstraining und Parabelflüge.

Frauen im Weltall

  • Zahlen:

    Insgesamt flogen bereits 60 Frauen im Weltall. Dagegen gab es schon rund 500 männliche Astronauten.
    Bekannte Frauen im All waren die amerikanische Astrophysikerin Sally Ride oder die iranische Multimillionärin und Weltraumtouristin Anousheh Ansari.

Letztere absolvierte Randall bereits und berichtete von ihren Erfahrungen in der Schwerelosigkeit: „Es war ganz anders, als ich es erwartet habe.“ Obwohl diese Flüge für den menschlichen Organismus sehr anstrengend seien, gewöhne man sich schnell daran. Sollte Randall am Ende ausgewählt werden und ins All fliegen, erwarten sie dort Experimente in Physik, Geowissenschaften und Klimaforschung. Außerdem sei geplant, Erkenntnisse zur weiblichen Physiologie und Psychologie zu sammeln, so Randall.

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