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Vereine

Wappenschmiede des deutschen Klerus

Jeder neuer Bischof braucht ein persönliches Erkennungszeichen. Aber wie es auch aussieht, einer steckt meistens dahinter: Heraldiker Dieter Linder.
Von helmut Wanner, MZ

Präsent zum Jahrestag: Der Präsident des „Wappen-Löwe“, Dieter Linder (rechts), übergibt an Bischof Rudolf Voderholzer den Wappenbrief. Foto: Bistum

Regensburg.Vier bayerische Bischöfe, vier Wappen, ein Glaube und … – eine Wappenschmiede: Es gibt ein Bild von dem Moment, als Dr. Rudolf Voderholzer im Dom zum 78. Bischof von Regensburg geweiht wurde. Der erste Gratulant war Erzbischof Reinhard Marx. Amtsvorgänger Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Regensburgs Weihbischof Reinhard Pappenberger beobachteten den Bruderkuss aus nächster Nähe.

Die vier hochrangigen Kirchenvertreter verband in diesem Moment nicht nur der Glaube an Jesus Christus. Alle vier haben bei der Gestaltung ihres Bischofswappens auf den Verein „Wappen-Löwen“ vertraut. Die Heraldiker aus München gelten seit 1986 als die Wappenschmiede des deutschen Klerus, seit sich ihr damaliger Präsident Claus D. Bleisteiner, verstorben 2011, mit dem Buch über die Wappen deutscher Bischöfe in Kleruskreisen einen Namen gemacht hatte.

Pfarrkirchner berät die Geistlichkeit

„Bleisteiner hat die Wappen von Gerhard Ludwig Müller, Kardinal Lehmann und Kardinal Wetter entworfen“, sagt Dieter Linder. Der Präsident des Vereins „Wappen-Löwen“ kam zum Jahrestag der Bischofsernennung ins Kolpinghaus. Im Anschluss an die Verleihung der Ehrenmedaillen und Ehrentitel an Geistliche und Weltchristen überreichte der 53-Jährige dem Bischof den Wappenbrief.

Das Wappen steht im Siegel, im Briefkopf und ziert seine Kathedra. Die silberne Brücke mit dem Franziskus-„Tau“ als Schlusstein hatte dem Wappenstifter gefallen. Bischof Rudolf Voderholzer sieht sich als Brückenbauer zwischen Konfessionen und Nationen. Seine Mutter stammt aus Böhmen. Die Brücke symbolisiert zudem Regensburg. Bischof Rudolfs Wappen sei sehr persönlich. Dieter Linder: „Nicht viele Bischöfe führen eine Brücke im Schild.“ Kurz nach seiner Bischofsernennung hatte Prof. Dr. Rudolf Voderholzer den Verein „Wappen-Löwen“ um Unterstützung gebeten. Präsident Dieter Linder bekam damals ein Mail des neuen Bischofs. In einem Café im Fürstenfeldbruck besprachen der Wappenstifter und der Heraldiker die Details. Daraus entstanden mehrere Entwürfe, die schließlich im Kapitelsaal des Münchner Ordinariats im Schein der Kameras des Bayerischen Rundfunks gesichtet wurden. Reingezeichnet wurde der Entwurf dann von Heribert C. Staufer aus Kaufbeuren, einem pensionierten Schriftsetzer mit dem „gewissen Händchen“.

Vielleicht wurde Dieter Linder vom Regensburger Weihbischofs Reinhard Pappenberger empfohlen. Der hatte sich zuvor für Linder entschieden, der seit früher Jugend ein Wappen-Narr ist. Die Besonderheit bei Pappenberger erklärt Linder so: Die eingeschweifte Spitze im Hauptfeld verweist auf die Herkunft des Weihbischofs, die hügelige Nordoberpfalz um den Geburtsort Grafenwöhr, und symbolisiert den Familiennamen, der auf den im Truppenübungsplatz untergegangenen Marienwallfahrtsort Pappenberg zurückzuführen ist. Der Wahlspruch „Wir gehören dem Herrn“ (Röm 14,8) ist das Bekenntnis des Weihbischofs zum überlieferten apostolischen Glauben der Kirche an Jesus. Das Wappen wurde unter der Nummer 2375-03/07 in der Wappenrolle des „Wappen-Löwen“ registriert.

Familienwappen als Bedürfnis

Die Redewendung „Was der wohl im Schilde führt?“ stammt aus der Zeit der alten Rittersleute und entschied über Hiebe oder Liebe, Freund oder Feind. Auch nach mehr als 800 Jahren seit ihrer Entstehung sind Wappen noch frisch und unverbraucht. Klerus, aufstrebendes Bürgertum und traditionsorientierte Familien lieben diese Embleme. Vom Broker bis zum Friseur sind an Dieter Linder Firmen herangetreten. Jungvermählte wünschen sich für ihr Haus ein Familienwappen. Linder hat sie beraten. Heraldische Kriterien sind der Name, der Ort, wo der älteste bekannte Namensgeber abstammt, der aktuelle Lebensmittelpunkt und eventuell eine besondere Begabung des Wappenstifters.

Verankerung, Identität, Tradition und Familie sind die Themen, die heute immer noch hoch im Kurs stehen. Ihre Erforschung, Bewahrung und Pflege wird von heraldischen Vereinigungen wie dem Verein „Der Wappen-Löwe“ wahrgenommen. Dessen 64 Mitglieder sind über ganz Deutschland verstreut. Das nördlichste Mitglied wohnt an der dänischen Grenze.

Deswegen treffen sie sich nur einmal im Jahr zur Mitgliederversammlung an wechselnden Orten, wo sie schon mal von einem Grafen zu Stolberg Wernigerode eine Schlossführung bekommen. Der Präsident wird gewählt und arbeitet ehrenamtlich. Im Falle „Wappen-Löwe“ ist es der IT-Manager Dieter Linder, der in der Freizeit ein schönes Steckenpferd reitet.

Entwurf, Endanfertigung und Registrierung, der sogenannte Wappen-TÜV, werden einzeln abgerechnet und kosten zwischen ca. 700 und 2000 Euro. Im Preis inbegriffen ist auch die Publikation des Wappens in einem Buch, das an 150 einschlägige Archive weltweit geschickt wird. Die Honorare sind ordentlich, aber Bischöfe fallen nicht jede Woche vom Himmel.

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