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Regensburg
Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Glosse

Warum die Gaudi sich gern schlängelt

Der Fasching lebt, doch die Luftschlange ist bedroht. Auch um Konfetti steht es nicht arg gut. Eine heiter gewürzte Analyse.
Von Heinz Klein

Das Verhalten ist sehr ähnlich: grüne Baumpythons hängen ebenso faul rum wie Luftschlangen. Foto: Archiv/Klein
Das Verhalten ist sehr ähnlich: grüne Baumpythons hängen ebenso faul rum wie Luftschlangen. Foto: Archiv/Klein

Regensburg.Es gibt in Regensburg kaum mehr Schlangen. Und seit der Schließung des Burgweintinger Reptilienzoos noch weniger. Lediglich bei einer Schlangenart scheint es eine gewisse Bestandserholung zu geben, allerdings auch nur in dem schmalen Zeitfenster, das vom 11.11. eines Jahres bis zum Aschermittwoch des darauffolgenden Jahres reicht. Bei dieser Schlangenart handelt es sich um die Luftschlange (serpens aeroplanus).

Die Luftschlange schlüpft im November aus dünnen, plastifizierten Rollen und ist mit etwa vier Meter Länge sofort ausgewachsen. Sie verhält sich in der Regel so, wie das auch Baumpythons tun, die sich wie Feuerwehrschläuche benehmen und einfach an Ästen in der Gegend rum hängen.

Baumpythons sind in der Jugend gelb und wechseln später ins Grün. Nur die Weibchen verfärben sich in der Schwangerschaft in ein sattes Blau. Die Luftschlange hingegen kann auch in anderen Farben vorkommen. Es gibt sogar weiß-blau gerautete Individuen, eine eher seltene Unterart, deren Habitat sich allerdings nahezu ausschließlich auf Bayern beschränkt.

Fressen Luftschlangen Konfetti?

Bleibt noch zu erwähnen, dass die Luftschlange handzahm ist und keinesfalls zu den Würgeschlangen zählt. Narren hängen sie sich ohne Scheu und Bedenken sogar um den Hals und man hat noch nie gehört, dass eine Luftschlange die Gelegenheit genutzt hätte, sich zusammenzuziehen. Rätselhaft bleibt allerdings, wovon sich Luftschlangen ernähren. Manche Narren meinen, sie fressen Konfetti. Andere glauben, sie leben vom Lachen der Menschen. Allerdings ist seit Jahren zu beobachten, dass selbst im Fasching das Vorkommen der Luftschlangen rückläufig ist.

Womöglich ist das auf die vermutete Ernährung durch Konfetti zurückzuführen. Denn auch um die Konfetti steht es nicht zum Besten. Die Bestände sind rückläufig, weil die Papierblättchen selbst im Fasching kaum mehr willkommen sind. Das hängt zweifelsfrei damit zusammen, dass die Konfetti nach ihrer Freilassung nur mehr sehr schwer rückholbar sind. Draußen in freier Stadtnatur kleben sie bei Nässe hartnäckig an Straßenbelägen und Pflastersteinen und lassen sich bei Trockenheit gerne vom Wind weiß Gott wohin verblasen. Deshalb haben manche Städte und Gemeinden beim Auftreten von Gaudiwürmern in der Öffentlichkeit bereits die Freilassung von Konfetti untersagt. Nicht so allerdings in Regensburg. „Es gab beim Faschingszug kein Konfetti-Verbot, aber wir waren schon froh, dass sich der Einsatz von Konfetti sehr in Grenzen gehalten hat“, sagte die städtische Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Anfrage der Mittelbayerischen.

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Geschäftsunterlagen gelocht

So scheint also auch die hohe Zeit der Konfetti vorbei zu sein. Dabei gibt es sie heute zuhauf im 10-Kilo-Paket für 31,99 Euro. Wie mühsam war dagegen früher die Konfetti-Herstellung als kleiner Bub mit dem Locher in der Hand. Die Ausbeute blieb selbst nach stundenlangem Lochen gering und hinterher gab es auch noch Ärger, weil man Papas Geschäftsunterlagen gelocht hatte. Die waren so schön bunt und aus etwas dickerem Papier, also ideal für die Konfetti-Produktion. Dabei gewann man aber immerhin die Erkenntnis, dass sich selbst aus langweiligen Schreiben lustige Konfetti machen ließen.

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Konfetti zu kaufen war bei den schmalen „Gehältern“, die man als Lausbub bezog, ohnehin undenkbar. Schließlich ging schon das gesamte Taschengeld für ein paar rosarote Zündplättchen für die Kapselpistole drauf. Und diese Munition brauchte man, um als Old Shatterhand im Faschingstreiben bestehen zu können.

Erstaunlich ist übrigens, dass sich Frohsinn und Gaudi beim Homo sapiens gerne in Wurm- oder Schlangenform manifestiert. Hier sei die Luftschlange als Beispiel genannt wie auch die Bildung von wurmartigen Menschenansammlungen, die sich als Polonaise gerne frohgemut und kichernd durch Ballsäle schlängeln. Bleibt noch der Gaudiwurm zu erwähnen, der sogar kilometerlange Ausdehnung erreichen kann.

Man lacht sich keinen Wurm

Warum sich Frohsinn so sehr auf eine wurmartige Erscheinungsweise fokussiert, bleibt auch nach Recherchen der Mittelbayerischen allerdings rätselhaft. Zumindest von der Biologie her ist dieses Phänomen kaum zu erklären, denn Würmer haben nach bisherigem Wissensstand wenig bis gar keine Gaudi. Schließlich sagt man ja auch nicht „ich lach mir einen Wurm“. Wenn, dann lacht man sich einen Ast. Und da hängt dann bisweilen eine Luftschlange dran – oder in Neuguinea sogar ein Baumpython.

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Die Wurzeln

  • Das Wort Konfetti

    stammt aus dem italienischen confetti (Plural von confetto) und bezeichnet Zurechtgemachtes oder Zubereitetes. Damit waren ursprünglich Süßigkeiten wie überzuckerte Mandeln oder andere zubereitete Nüsse gemeint, mit denen sich maskierte Karnevalsteilnehmer gerne bewarfen.

  • Auch hierzulande

    werden bei Faschingsumzügen Süßigkeiten meist in Form von Bonbons geworfen. Man bezeichnet sie allerdings nicht als Konfetti, sondern als Guadsl, neudeutsch auch Give-away genannt – wobei Throw-away zutreffender wäre.

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  • JC
    Johannes Czypionka
    10.02.2018 19:03

    Lieber Herr Klein, ich kann es immer nur wiederholen: Alleine Ihre Artikel bzw. Kommentare und die Sportseiten sind mir das Abo wert. Allerdings hat Ihr sonst fast durchweg fast wissenschaftliches Niveau erreichender Artikel bereits im ersten Absatz einen gravierenden Aussetzer. In Regensburg gibt es nämlich immer mehr Schlangen, nämlich im Straßenverkehr. Als Lappersdorfer hatten mich diese während fast meines ganzen Berufslebens im Würgegriff, vor allen am Freitag Nachmittag vor dem Pfaffensteiner Tunnel. Mit dem A3-Ausbau wird das Gewürge noch viel schlimmer, es handelt sich also ganz klar um eine Würgeschlange des Spezies "serpens autobahnensis". Nun bin ich Privatier. Problem gelöst.

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