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Wahlkampf

Warum Lerchenfeld nicht mitspielen will

Der Politiker spricht in Bezug auf die Kandidatenkür fürs Direktmandat der CSU im Wahlkreis Regensburg von Manipulation.
Von Helmut Wanner, MZ

Die Kuppel des Reichstags: Drei CSU-Kandidaten wollen in den Bundestag, aber es gibt nur einen Sitz.
Die Kuppel des Reichstags: Drei CSU-Kandidaten wollen in den Bundestag, aber es gibt nur einen Sitz. Foto: dpa-Archiv

Regensburg.Philipp Graf von und zu Lerchenfeld will das von CSU-Kreisvorsitzendem Peter Aumer vorgeschlagene Kandidaten-Spiel nicht mitmachen. Er bekräftigte gestern gegenüber unserer Zeitung: „Das richtige Gremium zur Aufstellung des Direktkandidaten der CSU ist nicht die Delegiertenversammlung des Landkreises sondern die gemeinsame Delegierten-Versammlung von Stadt und Land“.

„Ich fürchte, dass jede Vorgehensweise, die nach einer Manipulation aussehen könnte, Schaden für unsere Partei verursachen kann.“ Graf Lerchenfeld

Er bestätigte damit die Existenz eines persönlichen Briefs an die Kreisvorstandsspitze aus Thomas Gabler und Peter Aumer. Die beiden hatten in einem längeren Vorgespräch, das am Dienstag, 22. März, in der Geschäftsstelle in der Ziegetsdorfer Straße stattfand, versucht, ihn von ihrem Weg zu überzeugen. Das Mail, das er am Morgen danach von seinem iPad sendete, liegt unserer Zeitung vor. Darin erklärte der Graf ohne Umschweife die Gründe, warum er den Weg der Kreisvorstandschaft der CSU nicht mitgehen will. „Ich fürchte, dass jede Vorgehensweise, die nach einer Manipulation aussehen könnte, Schaden für unsere Partei verursachen kann. Deshalb werde ich Eurem Vorschlag nicht folgen.“

Im Hinterzimmer ersonnen

Blicken in eine Richtung: Philipp Graf von und zu Lerchenfeld und Peter Aumer wollen nach Berlin.
Blicken in eine Richtung: Philipp Graf von und zu Lerchenfeld und Peter Aumer wollen nach Berlin.

Wie berichtet, bewerben sich drei Kandidaten. CSU-Kreisvorsitzender Peter Aumer, Amtsinhaber Philipp Graf von und zu Lerchenfeld und die über die Landesliste in den Bundestag gekommene Dr. Astrid Freudenstein treten um das Direktmandat der CSU im Bundeswahlkreis Regensburg 233 an. Dr. Freudenstein ist die einzige Kandidatin der CSU-Regensburg-Stadt.

Bei seiner Sitzung in Donaustauf legte sich der Kreisvorstand auf das Procedere bei der Kandidatenkür fest. Für den Grafen hat dieses Vorgehen „ein Gschmäckle“. Lerchenfeld lehnt den Weg als Vorauswahl ab, zumal sich der unterlegene Kandidat auch noch verpflichten müsse, seine Kandidatur nicht mehr aufrecht zu halten. „Weil eine Diskussion in größererer Runde in diesem Zusammenhang nicht ohne mediale Folgen bleiben würde“, blieb er der Sitzung fern. Der Weg sei, so Lerchenfeld eine Woche später gegenüber unserer Zeitung, „im Hinterzimmer“ ausgedacht.

Peter Aumer widerspricht Graf Lerchenfeld. „Das ist die übliche Praxis. Demokratischer kann man es nicht machen. Von Mauschelei kann keine Rede sein, im Gegenteil: Alles ist offen und transparent.“ Der Weg besage, dass bis zum 31. Mai die Ortshauptversammlungen in den 76 CSU-Ortsverbänden die 237 Delegierte für die Kreisvertreterversammlung wählen. Diese soll im Juni den einen CSU-Bewerber aus dem Landkreis Regensburg für die Bundestagswahl nominieren. Der muss dann ins Rennen mit Dr. Astrid Freudenstein. Da die Landkreis-CSU aber bei der Bundeswahlkonferenz 105 Delegierte stellt und die CSU Regensburg-Stadt nur 50, kann man nach Adam Riese leicht den Vorteil für den Kandidaten des Landkreises errechnen.

Philipp Graf von und zu Lerchenfeld erweist sich als Spielverderber. Eine solche Vorgehensweise werde in der Öffentlichkeit auf Ablehnung stoßen, weil dann wieder von Abmachungen und ähnlichen Dingen gesprochen werden würde, argumentiert er in seinem Schreiben. Und kommt zu dem Schluss: „Ich habe Euch deutlich gemacht, dass das richtige Gremium für die Nominierung des Direktkandidaten die sogenannte Delegiertenversammlung ist, in der alle Delegierten des Wahlkreises ihre Stimme abgeben können. Von diesem Gremium bin ich vor vier Jahren aufgestellt worden und diesem Gremium möchte ich mich auch wieder zur Wahl stellen.“ Zur Kreisvertreterversammlung will er trotzdem kommen.

Die lachende Dritte

Sie hat‘s auch drauf:  Dr. Astrid Freudenstein.
Sie hat‘s auch drauf: Dr. Astrid Freudenstein.

Das Schreiben des Grafen hat in CSU-Kreisen die Runde gemacht. „Ich hab davon gehört“, sagte Dr. Franz Rieger, Kreisvorsitzender der CSU-Regensburg-Stadt, unserer Zeitung. Weiter wolle er sich nicht dazu äußern. „Ich habe das Problem nicht, weil wir die optimale Kandidatin haben. Wir tun alles, dass sie durchkommt.“

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