MyMz
Anzeige

Glosse

Was das Bruckmandl vom Fest erzählt

Was isst ein Mandl aus Sandstein zum Fest? Sandwich! Gab‘s aber nicht. Auch sonst fand es manches komisch.
Von Heinz Klein

Das Bruckmandl mit Freunden Foto: altrofoto.de
Das Bruckmandl mit Freunden Foto: altrofoto.de

Regensburg.Das war also meine Party, liebe Regensburger, liebe Brückengeher, liebe Bruckmandlfreunde. Na ja, nicht nur meine Party und die meiner Brücke, auch die dieses seltsamen neuen Hauses neben unserer Nachbarbrücke. Da war ja echt was los, schon am Samstagabend, aber ich habe davon erst gar nix mitbekommen, weil man mich unter eine Plastikhaube gesteckt hat.

Ohne Sicht- und Luftschlitz! Könnt ihr euch vorstellen, wie heiß es da drunter war? Dabei wollte ich mich vor meiner Party extra noch frisch machen und hatte gegen 15 Uhr einen kurzen Regenguss zum Duschen bestellt. T’schuldigung, dass es ein Gewitter mit eineinhalb Stunden Starkregen geworden ist. War ein bisserl übertrieben, gebe ich zu. Zumal ich unter meiner Plastikplane keinen einzigen Tropfen abbekommen habe.

Doch dann war echt viel los an diesem Samstagabend: Tausende Stimmen in allen möglichen Sprachen, schöne Musik von gar nicht weit her und bunte Lichter, die ich durch einen winzigen Riss in der Plane entdeckt habe. Und da hab’ ich beschlossen: ich fall’ vom Sockel und gehe bummeln. Ist ja schließlich auch meine Party.

Was ist ein Pre-Opening?

Ich bin nur 90 Zentimeter groß, da kann ich überall durchschlüpfen, ohne dass mich jemand sieht. Gesagt, getan. Am spannendsten ist ja dieses neue riesige Haus. Ist noch Baustelle, wird aber ein Museum und weil es noch nicht fertig ist, aber doch schon ein bisserl geöffnet werden soll, macht man ein „Pre-Opening“. Ich weiß schon, wir leben in einer Zeit, in der man nix mehr abwarten kann. Ist also ein „Scho-mal-vorher-neig’schaut“. Warum man bei einem bayerischen Museum dazu Pre-Opening sagt, weiß ich aber auch nicht.

Schön war’s aber schon da drin. Vor allem der Rundum-Film ist nett. Mir ist dabei fast schwindlig geworden, als ob ich vorher zuviel Bruckmandl-Bier getrunken hätte. Hab’ ich aber gar nicht. Keinen Tropfen! Als Mandl aus Sandstein ist das mit dem Konsumieren ohnehin so eine Sache. Ein Stück Sandkuchen hätte ich ja gerne gegessen, vielleicht auch ein Sandwich. Gab’s aber leider nirgends.

Natürlich hab’ ich in dem Gedränge ganz fest auf meinen neuen Arm aufgepasst. Stellen Sie sich vor, der wär’ abgebrochen und ich wäre am Sonntag beim Festakt wieder ohne Arm dagestanden. Nicht auszudenken. Deshalb auch kein Tropfen Bruckmandl-Bier. So habe ich mich an einer dunklen Stelle ans Donauufer gesetzt und zugeschaut, wie man an der linierten Außenhaut des Museums bunte Lichter installiert hat. Das war wie ein Feuerwerk.

In meiner langen Zeit auf der Brücke habe ich schon viele Feuerwerke gesehen. Aber solche, die man in den Himmel schießt. Jetzt schießt man anscheinend Feuerwerke an Hauswände. Das ist neu und wahrscheinlich ökologischer. Es war ein Feuerwerk der Wörter zum Mitlesen. Ein Lesefeuerwerk. Sehr interessant. Ich hab’ geschaut, ob das Wort Bruckmandl auftaucht. Hab’ ich aber nicht entdecken können.

Impressionen von der Wiedereröffnung der Steinernen Brücke sehen Sie hier.

Die Wiedereröffnung der Steinernen Brücke

Auch an meiner schönen runderneuerten Brücke war eine Lichtshow installiert. Ich hab gewartet, bis sie aus ist und bin dann im Dunkeln wieder auf meinen Sockel unter die Plane geschlüpft. Mit Arm! Dabei ist mir was Komisches eingefallen. Wenn es jemandem nicht gut geht, sagt ihr Menschen: „Der ist aber arm dran!“ Dabei bin ich so froh, dass der Arm wieder dran ist. Ich finde, mit Arm dran ist man gar nicht arm dran.

Donau will nicht ins Bett

Hab’ dann nachts noch ein bisschen mit der Donau gequatscht. Sie ist ja seit ungefähr 150 Jahren meine Freundin, wie ihr wisst. Obwohl ich schon ein bisserl sauer war, dass sie meinen abgebrochenen Arm nicht mehr hergegeben hat. Ich hab’s ihr inzwischen aber verziehen. Wie es die letzten Jahre während meines Klinik- und Reha-Aufenthalts so war, hab’ ich sie gefragt. „Immer mehr Arbeit“, hat die Donau gejammert. Jedes Jahr werden es mehr Kreuzfahrtschiffe, die sie rauf- und runterschwalben muss. Bei 1500 ist heuer Schluss, hat sie gesagt.

Ein launisches Weib ist sie aber schon, die Donau. Manchmal will sie einfach nicht ins Bett. Nicht abends, wenn Bettgehzeit ist, sondern wenn es viel geregnet hat. Jetzt will man der Donau bei Hochwasser draußen eine Spielwiese zum Rumpoldern einrichten. Ein bisserl spinnt sie ja schon, die Donau.

Ein Video vom Welterbe-Sonntag sehen Sie hier.

Impressionen vom Fest-Wochenende

Dann war die Nacht rum und der Sonntag da! Mein Tag – und der meiner Brücke – der Tag der Brückeneinweihung. Gott sei Dank war jetzt die Plastikhaube weg. Auch wenn die Brückengeher noch ein Stück von mir weg auf dem Eisensteg gehen mussten, hab’ ich sie in der frischen Morgenluft gerochen. Ist lustig, jeder duftet nach einem anderen Duschbad. Am Abend duften sie dann aber meistens nicht mehr, die Menschen.

Am Sonntagvormittag kamen ganz viele Besucher zur Brücke. Und alle haben sie am Anfang geduftet. Sie haben sich in die heiße Sonne gestellt und geschwitzt und auf die Brückeneinweihung gewartet. Und die, die nicht gewartet haben, sondern nur über die Brücke wollten, haben sich auf dem schmalen Steg gedrängelt mit Kinderwagen und Fahrrädern.

Vorsicht Herr Rieger!

Und dann kamen die Welterbe-Ehrengäste auf einem VIP-Korridor, den man extra für sie eingerichtet hat, bis an das Bandl, das an meinem Sockel festgebunden und quer über die Brücke gespannt war. Da standen dann so an die 50 wichtige Welterben dicht gedrängt vor mir und die weniger wichtigen vielen Zaungäste, die schon lange gewartet haben, haben gar nix gesehen, als die Herrn Politiker und die Bürgermeisterin und die Fürstin die Bandl durchgeschnitten haben. Nur die Rücken der Welterben haben sie gesehen. Dafür haben sie aus dem Lautsprecher hören können, dass die Brücke die Menschen zueinander bringe und es eine sehr wichtige Aufgabe sei, die Menschen miteinander zu verbinden. „Und wann kann man jetzt endlich über die Brücke gehen?“, habe ich die Menschen in dem Gedrängel fragen und schimpfen hören. Doch das Verbinden dauerte noch ein bisserl. Sehr komisch, habe ich mir gedacht. So eine Brücke soll doch für alle Menschen da sein.

Dann wurde es richtig spannend. Kennt ihr die Sage, dass damals vor fast 900 Jahren dem Teufel die erste Seele versprochen war, die über die Brücke geht? Doch dann liefen zwei Gockel und ein Hund über die Brücke. Sollte das bei der Wiedereröffnung der Steinernen wieder brenzlig werden? Vermutlichwürde es dann einen Chihuahua und keinen Gockel erwischen, denn lebende Gockel gibt es in Regensburg nicht mehr, nur noch gebratene. Doch der erste, der wieder zurück zum Brücktor lief, als wär’ der Teufel hinter ihm her, war der Landtagsabgeordnete Franz Rieger. „Vorsicht Herr Rieger!“ hab’ ich noch gerufen. Aber dann war er schon drüber über die kritische Stelle. Gott sei Dank!

Ich schau’ jetzt wieder hinüber zum Dom. Aber die Stadtamhoferer sind ein bisserl traurig, dass ich ihnen wieder den Hintern hinhalte. Vielleicht hätte das Tiefbauamt in meinen Sockel doch eine Drehscheibe einbauen sollen. Ob ich das noch beantragen soll?

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht