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Wirtschaft

Waschsalons: Es geht rund in Regensburg

Die Dichte ist bundesweit nahezu beispiellos: In Regensburg wuchsen Waschsalons zuletzt wie Pilze aus dem Boden.
Von Norbert Lösch

  • Gleich geht’s rund: Jungunternehmer Dennis Jansen befüllt eine Trommel in seinem eigenen neuen Waschsalon in Kumpfmühl. Foto: Lösch
  • Moderner Waschsalon 2.0: Touchscreen und Geldwechsler Foto: Lösch

Regensburg.Wäsche rein, Waschpulver dazu, das passende Programm gewählt – und bis die „0“ auf der Digitalanzeige steht, die Zeit nutzen für einen Kaffee oder den Einkauf nebenan. So läuft es oft im Waschsalon. Manche Kunden legen den Besuch weit strategischer an: Familie S. etwa, die nach der Heimfahrt aus dem Urlaub direkt einen der SB-Läden ansteuert, mehrere Trommeln und anschließend Trockner gleichzeitig füllt, die Wäsche noch vor Ort zusammenlegt und sie daheim gleich wieder in die Schränke packt. So ist der Urlaub waschtechnisch bereits Geschichte, noch bevor sich der Schlüssel in der heimischen Wohnungstür dreht. Ob Single mit kleiner Wäsche oder das Familienpaket: In Regensburg finden Kunden mittlerweile viele Anlaufstationen. 1980 eröffnete die Pionierin Helma Horn in der Ostengasse den ersten Waschsalon der Stadt, inzwischen sind es sieben.

Zwei davon betreibt erst seit wenigen Monaten Dennis Jansen. Als Wolfgang Niedecken, Sänger und Kultfigur der Deutschrockband BAP, 1981 mit dem Song „Waschsalon“ einen frühen Hit landete, war Jansen noch lange nicht auf der Welt. Allerdings wuchs der 21-Jährige schnell in die Welt der Trommeln hinein. Denn sein Vater Michael ist Mitbegründer von Eco-Express, einer bundesweit agierenden Waschsalon-Kette, die mehr als 140 Filialen betreibt. Genauer: betreiben lässt, denn ein Franchise-System macht aus den Partnern keine Angestellten, sondern Selbstständige.

So wie Jungunternehmer Dennis Jansen.

Moderner Waschsalon 2.0: Touchscreen und Geldwechsler Foto: Lösch
Moderner Waschsalon 2.0: Touchscreen und Geldwechsler Foto: Lösch

Er hat sich die „Szene“ in Regensburg genau angeschaut, weiß um das rasante Einwohnerwachstum und die riesige Zahl von Single-Haushalten gerade in der Innenstadt. „Diese Stadt verträgt noch mehr“, sagte sich der gebürtige Berliner und machte sich auf die Suche nach geeigneten „und bezahlbaren“ Standorten. Fündig wurde er in der Landshuter Straße und in Kumpfmühl, wo er an der Ecke zur Gutenbergstraße das Modelleisenbahngeschäft von Wolfgang Sommer übernahm. Der ist längst umgezogen in den Stadtnorden, in die Holzgartenstraße.

„Am Friedhof lohnt sich’s nicht“

„Der Standort ist eigentlich das Wichtigste. Im Umfeld sollte es viele Menschen geben, die Puls haben – ein Waschsalon auf dem Friedhof lohnt sich nicht“, sagt Jansen mit jugendlicher Unbekümmertheit. Der Stadtteil sei bei der Standortanalyse zweitrangig, wichtig sei eine entsprechend große Zahl von Ein-Personen-Haushalten. Singles haben oft gar keinen Platz für eine eigene Waschmaschine, sie sind häufig nur für eine überschaubare Zeit in Regensburg oder erkennen, dass sie mit der „Fremdwäsche“ finanziell letztlich besser fahren.

25 handelsübliche Sechs-Kilo-Waschmaschinen, zwei XXL-Geräte mit 14 Kilo Kapazität und ein Dutzend Trockner hat Dennis Jansen in seinen zwei Salons installieren lassen. Alles ist geleast, was die Investitionen überschaubar macht. Dazu kommen digitale Kassenautomaten, Überwachungskameras und ein Steuerungssystem, das die Präsenz vor Ort weitgehend überflüssig macht.

„Das ist ein reines Selbstbedienungsgeschäft.“

Dennis Jansen

Von Putzkräften abgesehen, kommt ein Waschsalon der heutigen Generation völlig ohne Personal aus. Auf dem Laptop kann Dennis Jansen Bilder der Kameras empfangen, er kann die Maschinen ferngesteuert ein- und ausschalten, er bekommt Störungsmeldungen und kann Geräte auch einzeln sperren. Das geht auch von seinem Wohnsitz aus, mehr als 100 Kilometer von Regensburg entfernt.

„Das ist ein reines Selbstbedienungsgeschäft“, sagt Jansen. Der sozio-kulturelle Aspekt von Waschsalons ist seine Sache nicht. Bei ihm gibt es keine gemütliche Sitz- oder Spielecke, keine Zeitschriften, kein freies WLAN, noch nicht einmal einen Kaffee- oder Getränkeautomaten, wie er in anderen Regensburger Betrieben durchaus steht. Kunden werden bei Fragen an eine Service-Telefonnummer verwiesen, Gebrauchsanweisungen gibt es auf Hinweisschildern oder am Kassenautomaten. Die Philosophie von Ketten wie Eco-Express lautet: Zum Wäschewaschen braucht es keine Aufenthaltsqualität, alles ist auf Funktionalität ausgerichtet, drumherum gibt es keinen Schnickschnack.

„Ich kenne das Metier von Kindesbeinen an und mag den Geruch frischer Wäsche.“

Dennis Jansen

„Ich kenne das Metier von Kindesbeinen an und mag den Geruch frischer Wäsche“, nennt der gelernte Speditionskaufmann Motive für seinen beruflichen Kurswechsel. Zur Kundenfrequenz in den beiden neuen Salons kann er noch nicht viel sagen, außer dass diese automatisch am Zahlautomaten erfasst wird. Um Kundschaft wirbt er mit Flyern in der Nachbarschaft, mit attraktiven Preisen in „Happy hours“ und Öffnungszeiten von 6 bis 23 Uhr. Nur am Sonntag bleiben seine Läden geschlossen – wie alle anderen in Regensburg auch.

Die Geschäftsidee Waschsalon ist in einer Zeit entstanden, als Hausfrauen ihre Wäsche noch per Hand wuschen. 1934 gab es in den USA den ersten Laden mit Maschinen, die für den normalen Haushalt unerschwinglich waren. In Deutschland entstanden die ersten Waschgeschäfte in den 60er- und 70er-Jahren, als in vielen Großstädten – auch in Regensburg – das studentische Publikum wuchs. Und obwohl heute laut dem Statistischen Bundesamt 96,4 Prozent der Deutschen über eine eigene Waschmaschine im Haushalt verfügen, überleben die Waschsalons gerade in den Unistädten.

Von Studenten bis Obdachlosen

Es gehen aber beileibe nicht nur Studenten fremdwaschen. Denn viele von ihnen waschen bei Mama oder können Münzmaschinen in ihren Wohnheimen nutzen. „Zu mir kommen neben Studenten auch Rentner, Alleinstehende mit kleinen Wohnungen und Obdachlose“, bestätigt Mostefa Boussaid das breite Kundenspektrum. Er betreibt den Waschsalon in der Winklergasse hinter dem Arnulfsplatz und hat im ganzen Stadtwesten keine Konkurrenz. Unter seinen Kunden sind „viele arme Menschen, die am Monatsende kein Geld mehr haben, um ihre Wäsche zu waschen“. Und viele, die durchaus woanders waschen könnten, haben ein anderes Problem. „Oft fehlt der Platz zum Trocknen. Sie wollen nicht eine Woche warten, bis die Wäsche im feuchten Keller trocken ist.“

Geschätzte 300 Waschsalons gibt es noch in Deutschland, allein in Regensburg sieben davon. Mostefa Boussaid ist überzeugt davon, dass der Markt mit drei neuen Läden in kurzer Zeit jetzt gesättigt ist. Er spüre bereits einen leichten Rückgang. Aber immerhin füllten Kunden am besten Tag im Februar 60 Mal seine Maschinen, am schlechtesten Tag noch 15 Mal. Es geht also durchaus rund in Regensburgs öffentlichen Waschtrommeln.

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