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Weltklasse-Triathletin trainiert den OB

Sonja Tajsich, beste Deutsche beim Ironman 2012 auf Hawaii, macht Joachim Wolbergs fit für seine 16-Stunden-Tage. Die MZ hat sie beim Lauf begleitet.
Von Marion Koller, MZ

  • Verstehen sich gut: Der Gesprächsstoff geht Sonja Tajsich und Oberbürgermeister Joachim Wolbergs beim Lauftraining nie aus. Foto: Lex
  • Dehnübungen im Schatten des Doms Foto: Lex

Regensburg.Pünktlich trifft OB Joachim Wolbergs im Sportgeschäft Purendure in der Wahlenstraße ein. Offenbar steht er auf Schwarz-Weiß: In der Umkleide tauscht er sein weißes Hemd und die schwarze Anzughose gegen Laufkleidung in denselben Farben aus. Der 43-Jährige kommt jetzt am Spätnachmittag von der Spielbus-Taufe. Seine Terminplan ist dicht gedrängt. 16 Stunden dauern die Arbeitstage des neuen Oberbürgermeisters. Die Hälfte davon sitzt er.

Im Wahlkampf und in den Wochen der Koalitionsgespräche gönnte er sich kaum eine Verschnaufpause, doch seit Mitte Mai hat er die wöchentliche Laufstunde mit Sonja Tajsich fest eingeplant. Startbereit wartet die schmale, muskulöse Sportlerin, während sich Wolbergs umzieht und noch eine Sportbrille mit pinken Rändern aussucht.

„80 Kilo sind okay für dich“

Tajsich erklärt ihre Strategie für Wolbergs. „Das Einsteigertraining soll ihn fit machen und entspannen, nicht noch mehr stressen.“ Die 38-Jährige, die für die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt am kommenden Sonntag trainiert, hält viel vom langsamen Aufbau nach Pausen. Damit sich die Sehnen- und Muskelansätze und die Bänder auf die Belastung einstellen können.

Joachim Wolbergs will „einfach ein bisschen fitter werden“. Bis zum Leukämielauf am 5. Oktober möchte er ohne größere Anstrengung fünf Kilometer traben können. „Ich habe überhaupt keine Kondition mehr“, klagt er. Das mache ihn unzufrieden. „Aber ich brauche jemanden, der mich anschiebt.“ Deshalb die Läufe mit Profitriathletin Tajsich, die 15 Klienten persönlich betreut und auch Trainingspläne schreibt.

Der OB hat vor, Gewicht zu verlieren. Im Wahlkampf wog er 90 Kilo. Auf 85,8 hat er bereits reduziert. „Aber bei meiner Größe von 1,80 ist das immer noch zu viel“, meint er selbstkritisch. Das habe nichts mit Eitelkeit zu tun, sondern mit Gesundheit. Sonja Tajsich pflichtet ihm bei: „80 Kilo sind okay für dich.“ Ein wichtiges Argument fällt dem OB noch ein für sein Fitnessprogramm, das er zweimal in der Woche ohne Begleitung bewältigt. Er rede immer gescheit daher in Sachen Sport. Deshalb müsse er sich auch selbst bewegen. „Ich will authentisch sein.“

Den OB mit Brille erkennt niemand

Tajsich und Wolbergs treten ins grelle Sonnenlicht der Wahlenstraße und gehen erst einmal fünf Minuten locker. Ein einminütiger Trab folgt. Die Profisportlerin gibt die Anweisungen: „Jetzt vier Minuten stramm marschieren.“ Schon überqueren die beiden den Fischmarkt und traben eine Minute lang am Donauufer Richtung Hundsumkehr. Dann heißt es wieder fünf Minuten stramm marschieren und fünf locker gehen. Das Trab- und das recht schnelle Marschiertempo unterscheiden sich kaum. Während OB und Ironman-Siegerin voranlaufen, bleibt ihnen die MZ-Reporterin auf den Fersen. Drei Jogger nebeneinander – das wäre zu viel am engen Donauufer, wo einen ständig Hunde oder Radfahrer überholen.

Das Trainingsteam versteht sich gut. Entspannt plaudern der Politiker und die Triathletin – über den Leukämielauf, die Kinder, die Schule, den Frauenlauf von Purendure. Dank der Sportbrille erkennt den Oberbürgermeister niemand.

Tajsich wiederholt das Programm und nach etwa 40 Minuten kommen die beiden beim Salzstadel an. Ein paar Dehnübungen – und schon kehren Tajsich und Wolbergs in die Wahlenstraße zurück, wo er duscht und sich umzieht. „Mir geht es danach immer richtig gut“, stellt der 43-Jährige fest.

Der OB kennt die Profisportlerin aus kritischen Debatten über den Ironman. Bei diesem Thema verwahrt er sich gegen die „Legendenbildung“, dass er sich jemals gegen die Großveranstaltung ausgesprochen habe. „Ich bin in meiner Fraktion für den Ironman eingetreten.“ Triathlon habe ihn immer fasziniert. „Weil ich nicht verstehe, wie man so etwas aus seinem Körper rausholt.“

Der nächste Termin wartet auf den Rathauschef. Er will noch eine Holzwerkstatt des Jugendamts besuchen und mit einem Regensburger Unternehmer zum Arbeitsessen zusammenkommen. Ehe er sich verabschiedet, verspricht Wolbergs: „Das Klapprad kommt in den Dienstwagen. Innerstädtische Termine mache ich künftig damit.“

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