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Verkehr

Wenig Hoffnung für Radautobahn

Der Highway lässt sich kaum realisieren, sagt die Stadt. Vom „Leuchtturmprojekt“ bleibt wohl nur ein kläglicher Ansatz übrig.
Von Norbert Lösch, MZ

In Göttingen fahren täglich Tausende Radler über den Schnellweg zwischen Bahnhof und Universität. Ein ähnliches, für Regensburg angedachtes Projekt scheint jetzt kläglich zu scheitern. Foto: dpa-Archiv
In Göttingen fahren täglich Tausende Radler über den Schnellweg zwischen Bahnhof und Universität. Ein ähnliches, für Regensburg angedachtes Projekt scheint jetzt kläglich zu scheitern. Foto: dpa-Archiv

Regensburg.Von einem „Leuchtturmprojekt“ war bereits die Rede, die Politik wollte Hand in Hand mit der Radfahrer-Lobby gehen. Jetzt aber nimmt die Stadtverwaltung den Verfechtern eines Radschnellwegs entlang der Autobahn zwischen Regensburg und Neutraubling den Wind aus den Segeln. Sehr teuer, technisch enorm aufwändig, in Sachen Naturschutz nicht unproblematisch – und die Autobahndirektion als unerlässlicher Partner nicht mit im Boot: Das sind einige Argumente, die aus der Sicht der Stadtverwaltung das Projekt als kaum realisierbar erscheinen lassen. Sie hat einen Alternativvorschlag, der den Radschnellweg allerdings auf eine Minimallösung reduzieren würde.

Selten war sich die streitbare ÖDP mit der gesamten Koalition so einig wie beim Thema Radschnellweg entlang der A 3. Die Regierungsparteien beantragten die Prüfung der Machbarkeit und Fördermöglichkeiten für die „wichtige und attraktive Verbindung in den Stadtosten und in den Landkreis“, die Ökodemokraten unterstützen den Antrag „selbstredend“, verweisen auf die Bedeutung „vor allem auch für Berufspendler“ und das Beispiel Niederlande: Dort hätten Radschnellwege „auf mehreren Autobahnteilstücken schon für eine so große Entlastung gesorgt, dass der Ausbau überflüssig wurde“.

Stadt: Autobahnbauer winken ab

Bei den Überlegungen hatte bislang stets der geplante sechsspurige Ausbau der A3 zwischen Regensburg und Rosenhof eine große Rolle gespielt. Zudem setzen die Antragsteller auf ein vom Bund angekündigtes Förderprogramm mit einem Volumen von 25 bis 30 Millionen Euro und wollen weitere Fördermöglichkeiten seitens des Freistaats ausloten.

Thomas Großmüller, Radwegeplaner im Stadtplanungsamt, nahm den Stadträten mittlerweile allerdings ihre Illusionen. Aus Sicht der Stadt sei es schlicht nicht möglich, den durchgehenden Radschnellweg zeitgleich mit dem Ausbau der A3 zu realisieren. Die Autobahndirektion habe mittlerweile signalisiert, dass sie die Planfeststellung völlig unabhängig von etwaigen Radwegeplänen der Stadt weiter betreibe und sich davon auch nicht aufhalten lasse, sagte Großmüller in einer Sitzung des Planungsausschusses. Zudem sehe sich der Autobahnträger hier in keiner Weise in der Kostenpflicht.

Auch angesichts hoher Baukosten – unter anderem sei Grunderwerb auf einer Länge von etwa drei Kilometern Länge notwendig – und eines „bislang nicht nachgewiesenen Bedarfs“ schlägt das Baureferat der Stadt deshalb vor, sich bei der Autobahn-Parallele zunächst auf einen „Kernabschnitt“ zwischen Galgenberg und Markomannenstraße zu konzentrieren. Für eine Verlängerungsoption nach Westen brauche man Zugriff auf Flächen des Freistaats (Uni-Sportgelände). „Zuführende Strecken“, ebenfalls komplett in der Baulast der Stadt, könnten dann mit den stadteinwärts führenden, bestehenden Radwegen vernetzt werden. Zusammengefasst lautet die Empfehlung der Stadtverwaltung: Teilabschnitte ausbauen und ansonsten Verbesserungen im Bestandsnetz anstreben.

ADFC: Auf ein „Stückerl“ reduziert

Christian Schlegl, verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, sieht die Initiative der Koalition damit als gescheitert an. „Der Antrag hat überhaupt keine Chance, Realität zu werden. Das hat die Verwaltung sachlich dargelegt.“ Folgerichtig spricht sich die CSU als einzige Fraktion gegen den Prüfauftrag der Koalition aus.

„Die Stadt scheut offenbar den planerischen Aufwand für eine kreuzungsfreie, exklusiv den Radfahrern vorbehaltene Trasse entlang der Autobahn. Es war abzusehen, dass das nicht wirklich politisch gewollt wird“, macht Dr. Klaus Wörle, Regensburger Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), kein Hehl aus seiner Enttäuschung. Die Stadt solle wenigstens versuchen, ohnehin neu zu bauende Betriebswege für eine weitaus längere Parallele zu nutzen und das auch vehement gegenüber den Autobahnbauern bekunden.

Was die Stadt jetzt auf den Tisch lege, sei keine attraktive Verbindung mehr und auch keine substanzielle Verbesserung. „Und der Rest ist Kosmetik im teilweise grottenschlechten Bestand“, sagt Wörle. Das Thema Radschnellwege sei mittlerweile auf höchster politischer Ebene angekommen und jüngst auch ein Schwerpunkt beim 5. Internationalen Radverkehrskongress in Mannheim gewesen. Nur in Regensburg nicht: Hier verkümmere das Projekt zu einem „Stückerl, das ohne Klimmzüge hinzubekommen ist“.

Was sich anderswo tut

  • Metropolregion München

    In der Metropolregion München sollen insgesamt sechs Radschnellwege geplant und gebaut werden. Die Planung von vier Strecken ist schon beschlossen. Es sind nicht nur Verbindungen vorgesehen, die aus der Peripherie in die Stadt München führen, sondern auch Querverbindungen. Die Realisierung der Strecke von München zum Hochschulstandort Garching mit Abzweig nach Unterschleißheim wird als am wahrscheinlichsten eingeschätzt. Zeitliche Ziele sind noch nicht definiert.

  • Städteachse Nürnberg

    In der Städteachse um Nürnberg soll eine Studie aus einem Netz möglicher Trassen die Varianten herausarbeiten, die für Radschnellverbindungen im eng vernetzten Bereich der Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach und Herzogenaurach besonders geeignet sind. Ziel ist es, nicht nur Trassen zu definieren und später zu bauen, sondern auch allgemeine Standards für Radschnellwege in Bayern festzulegen. Das Projekt wird daher vom Freistaat sowie den Städten und Landkreisen gemeinsam getragen.

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