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Jubiläum

Werkhof hilft seit 35 Jahren

Diakonie und evangelische Kirche gründeten die Einrichtung. Sie soll benachteiligte Menschen wieder in Arbeit bringen.
Von Michael Scheiner

  • Eine Näherin im Werkhof in Schwandorf. Foto: Scheiner
  • Zum Werkhof im Auweg im Regensburger Stadtosten gehören Meister- und Lehrwerkstätten, ein Recyclingbereich und ein Gebrauchtwarenhaus. Foto: Michael Scheiner

Regensburg.Der Radfahrer war schon fast an der Hofeinfahrt vorbei, als er abrupt abbog. Ihm war gerade noch der Hinweis auf die Fahrradwerkstatt des Werkhofs ins Auge gefallen. Zwischen Lagerhallen und großen Betrieben ducken sich die langgezogenen Werkstätten des Werkhofs ein wenig unscheinbar weg in diesem Gewerbegebiet des Osthafens.

Themenwoche

Der lange Weg zurück ins Leben

Der Ausstieg aus Drogen ist hart. Doch er kann gelingen. Martin will es schaffen. Der Regensburger Werkhof hilft ihm dabei.

Vorne verdeckt ein älteres Wohnhaus den Blick auf die Hauptverwaltung des gemeinnützigen Unternehmens. Drinnen, stellt sich einige Zeit später heraus, finden Kurse wie Blickpunkt Beruf statt. Diese teilen sich den Platz mit Büros der Sozialpädagogen und den Beauftragten für das Qualitätsmanagement. Der Werkhof ist so verzweigt, dass manchmal Kunden, die wegen einer Fahrradreparatur oder einer gebrauchten Waschmaschine kommen, verwirrt sind, wenn sie auf einmal vor einer Schreinerei stehen.

Am Arbeitsleben teilhaben

Eine der Hauptaufgaben von Ingrid Hofmeister ist es deshalb zunächst herauszufinden, was jemand am Telefon oder vor ihr stehend will. Geht es um die Pflege eines Gartens? Sucht jemand gebrauchte Möbel oder Vintage-Kleidung? Braucht eine Kanzlei dringend eine Reinigungskraft, die regelmäßig die Räume in Schuss hält? Oder will jemand umziehen und einen Teil der alten Einrichtung entsorgen lassen?

Eine Näherin im Werkhof in Schwandorf. Foto: Scheiner
Eine Näherin im Werkhof in Schwandorf. Foto: Scheiner

Hofmeister, die sich den Job am Empfang mit einer Kollegin teilt, gehört neben Geschäftsführer Hans Seidl zu den ältesten Mitarbeitern des kirchlichen Betriebs. Seit das Bundesteilhabegesetz in Kraft ist, darf sich der Werkhof Inklusionsunternehmen nennen. Er erfüllt die gesetzliche Quote zur Beschäftigung behinderter Menschen und zählt die „Eingliederung von schwervermittelbaren und behinderten Personen“ zu seinen Aufgaben, zitiert Seidl aus der Gründungsvereinbarung. Personen also, „bei denen besondere soziale Schwierigkeiten oder gesundheitliche Einschränkungen vorhanden sind, die einer Teilnahme am Arbeitsleben entgegenstehen“.

Sozialunternehmen an drei Standorten

  • Standorte:

    Heute zählen das Stammhaus im Stadtosten, die Niederlassung in Schwandorf und der Werkhof Amberg-Sulzbach zum Unternehmen. An allen drei Standorten werden Umschulungen und Qualifizierungskurse angeboten.

  • Gebrauchtwarenhäuser:

    Die Gebrauchtwarenhäuser des Werkhofs bieten viele Dinge für den Haushalt und den täglichen Gebrauch zu günstigen Preisen an. Mit einem Sozialpass können dort ärmere Menschen zusätzliche Vergünstigungen erhalten.

  • Tariflohn:

    Im Unterschied zu anderen Initiativen, ist es erklärtes Ziel des Werkhofs alle festangestellten Mitarbeitenden tariflich angemessen zu entlohnen. Als erste Beschäftigungsgesellschaft der Oberpfalz nahm der Werkhof 1984 die Arbeit auf.

  • Träger:

    Gesellschafter des als gemeinnützige GmbH gegründeten Unternehmens sind die Diakonie Regensburg und das evangelische Dekanat. Neben Geschäftsführer Hans Seidl war der damalige Dekan Wilhelm Schubert maßgeblicher Motor bei der Gründung.

Wenn die Maurer und Maler morgens zu den jeweiligen Baustellen aufbrechen und in der Metallwerkstatt die Maschinen angeworfen werden, ist von solchen Handicaps vordergründig kaum etwas zu sehen. Bei Schreinermeister Ernst Fieger, der seit über 20 Jahren beim Werkhof ist, gehören neben drei Gesellen ein Umschüler und ein früherer Abbrecher als Azubi zum Team.

Auch eine Schreinerwerkstatt gibt es im Regensburger Werkhof. Foto: Scheiner
Auch eine Schreinerwerkstatt gibt es im Regensburger Werkhof. Foto: Scheiner

Von der Schreinerei, die 2013 nach einem Brand renoviert und neu eingerichtet wurde, geht es an einer Lehrwerkstatt vorbei in die Metallwerkstatt von Schlossermeister Hans Renner. Zu seinem Team gehört seit langem Michael. Renner schätzt Michael „als sehr zuverlässigen und sorgfältigen Mitarbeiter“. Aufgrund einer psychischen Erkrankung gehört der 61-Jährige zu den sogenannten Zuverdienstlern. Er kann wöchentlich bis zu 14 Stunden arbeiten und etwas zu seiner Rente dazu verdienen. Ihm mache „die Arbeit viel Spaß. Ich komme gern hierher“, erklärt er lächelnd und blickt von der Bohrmaschine auf, an der er ein Metallstück mit Bohrungen versieht.

Chance für Schnäppchenjäger

Den ölig-scharfen Geruch der Metallhalle hinter sich lassend, geht es durch eine Tür in den Recyclingbereich, wo Euro-Jobber ausgediente Waschmaschinen und andere Elektrogeräte zerlegen und die Metalle sortieren. Hier werden alte Geräte von Wertstoffhöfen im Landkreis angeliefert und vom Elektromeister geprüft.

Im Recyclingbereich zerlegen Euro-Jobber ausgediente Waschmaschinen und andere Elektrogeräte. Foto: Scheiner
Im Recyclingbereich zerlegen Euro-Jobber ausgediente Waschmaschinen und andere Elektrogeräte. Foto: Scheiner

Lohnt sich eine Reparatur, kommt das runderneuerte Gerät ins Gebrauchtwarenhaus. Das bietet auf zwei Etagen alles, was die Herzen von Flohmarktgängern höher schlagen lässt. Menschen mit geringem Einkommen decken sich oft komplett ein. Schnäppchenjäger machen Beute. Es ist ein eminenter Beitrag zu ressourcenschonendem Wirtschaften.

In den 35 Jahren, die das Sozialunternehmen der Diakonie und der evangelischen Kirche heuer alt wird, ist dieser Bereich erst später dazu gekommen. Angefangen hat es mit Maurern, Malern und Schreinern, die wegen gesundheitlicher Probleme und Schwächen aus dem Arbeitsprozess herausgefallen waren. Heute beschäftigt der Werkhof etwa 130 fest angestellte Mitarbeiter und bis zu 250 Menschen, die in Kursen, Qualifizierungs- und sonstigen Maßnahmen wieder Fuß fassen sollen im Arbeitsmarkt.

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