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Altstadt

Widerstand gegen Partymeile

Anwohner wehren sich gegen den Sanierungsplan für die Wahlenstraße. Wir haben bei Betroffenen und der Stadt nachgefragt.
Von Jan-Lennart Loeffler

Mehrere Anwohner befürchten, dass die Wahlenstraße nach der Sanierung mehr feierlustige Nachtschwärmer anzieht.Foto: Loeffler
Mehrere Anwohner befürchten, dass die Wahlenstraße nach der Sanierung mehr feierlustige Nachtschwärmer anzieht.Foto: Loeffler

Regensburg. Eine „stadtgestalterische Stärkung“ mit „monolithischen Bänken in Naturstein“ verspricht die die Stadtverwaltung. Deren Vorlage zur Neugestaltung der Wahlenstraße in der Regensburger Altstadt wurde Ende Juli von einer Stadtratsmehrheit gegen die Stimmen der CSU und ÖDP beschlossen. In Kombination mit mehrere Meter langen Längsstufen sollen diese Sitzbänke an zentralen Stellen der Straße errichtet werden.

Die Anwohner befürchten durch diese Form der Stadtgestaltung eher eine Stärkung der nächtlichen Ruhestörungen in ihrer Straße. Und die sind deren Meinung nach schon beträchtlich. Deshalb haben Renate Liedl und Johanne Weighart mit Gleichgesinnten eine Petition gestartet: Unter der Überschrift „Partymeile verhindern – Neugestaltung der historischen Wahlenstraße bitte ohne Sitzgelegenheiten!“ suchen sie auf der Internetplattform OpenPetition nach Unterstützern. Adressiert ist die Petition an die Stadtverwaltung.

Die Petition ist nicht die erste Kritik an den Neugestaltungsplänen für die Wahlenstraße: Weniger Parkplätze, eine Radverleihstation, ein Wasserspiel – zu vielen der vorgesehenen Maßnahmen wurden bereits Bedenken von den betroffenen Anwohnern und Einzelhändlern gegenüber der Stadt geäußert. Nun stehen die Sitzbänke im Zentrum der Kritik.

Geplante Sitzbänke als Ärgernis

Die geplanten Bänke aus Natursteinblöcken sind quaderförmig und sind je circa einen halben Meter hoch und breit und etwas mehr als einen Meter lang. „Sitzgelegenheiten an attraktiven Plätzen werden erfahrungsgemäß auch zu Belästigungsquellen“, schreibt Weighart. „Durch die geplanten Stufen und Bänke ist mit Picknickgruppen tagsüber und Partyvolk nachts, also mit noch mehr Müll und noch mehr Lärm zu rechnen.“ Für die Anwohner sei die Lage schon ohne die zusätzlichen Sitzgelegenheiten problematisch. „Bereits jetzt wird die Nachtruhe durch Gröler und Betrunkene empfindlich gestört“, so Weighart. Sie wird deutlich: „Vermüllung und Vandalismus, zertretene Müllsäcke, anurinierte Hauseingänge, Erbrochenes an Hausecken nehmen zu.“ Um ihre Position zu untermauern, haben die Anwohner auch Videos vom nächtlichen Geschehen in ihrer Straße ins Internet gestellt.

Die Unterstützer der Petition pflichten ihr in ihrer Ablehnung der Sitzbänke bei. „Regensburg ist nicht nur Partymeile, die Stadt ist auch Zuhause für viele Menschen, die ein Anrecht haben, sich nachts, so wie jeder andere, erholen zu dürfen“, schreibt ein Unterstützer. Eine andere Unterstützerin beklagt allgemein, dass die Altstadt „in den letzten Jahren stark an Lebensqualität verloren“ hat.

Sanierungsmaßnahmen in der Altstadt

  • Spatenstich:

    Im März begannen die Arbeiten in der Wahlenstraße. Zunächst werden dort das schadhafte Kanalisationssystem und das Leitungsnetz erneuert. 2019 soll die barrierearme Neugestaltung der Straße abgeschlossen sein.

  • Halbzeit:

    Für die Kanalbauarbeiten in der Zentralen Fußgängerzone lud die Stadt im Juli zur Halbzeitbilanz. Bereits 2017 wurden dort die Weiße-Lilien-Gasse, die Drei-Helm-Gasse und die Pfauengasse saniert. In der Königsstraße wird noch gebaut.

  • Belastung:

    Für Anwohner und Einzelhändler bedeuten die Bauarbeiten eine große Belastung. Die Ladeninhaber in den Straßen, in denen gerade gegraben und gebaut wird, beklagen ein spürbares Ausbleiben von Touristen und Laufkundschaft.

Aus Sicht der Stadt hingegen sind die geplanten Sitzbänke ein Betrag zu mehr Lebensqualität. „Bänke dienen als weiteres Gestaltungselement, das vor allem älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen konsumfreie Sitzgelegenheiten in der Altstadt bieten soll“, schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung. Die Bänke haben für die Stadt auch einen praktischen Grund. „Gerne hätte die Stadt auf die Abstufung im Straßenraum komplett verzichtet, dies ist aber aufgrund des starken Gefälles im Straßenraum nicht möglich“, antwortet Stadtsprecherin Juliane Roenne-Styra auf eine Anfrage der Mittelbayerischen. „Um blinde und sehbehinderte Personen auf die im Straßenraum entstehenden Stufen aufmerksam zu machen, müssen die Abstufungen am Anfang und am Ende durch Hindernisse kenntlich gemacht werden.“ Bei der Stadt zeigt man sich mit dem Ergebnis und dem Verlauf des Planungsprozesses zufrieden. „Die Verwaltung hat es sich mit den Gestaltungselementen nicht einfach gemacht. Im vergangenen Jahr wurden viele Abwägungen getroffen“, wird Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann in einer Mitteilung zitiert.

Stadt hat Anregungen geprüft

Zwei Informationsveranstaltungen hat die Stadt angeboten, eine im Mai gemeinsam mit dem Verein Faszination Altstadt und eine im Juli. Die Anregungen der Bürger seien noch einmal intensiv überprüft worden. „Im Rahmen der weiteren Planungen wurden alle Vorschläge und Einwände verwaltungsintern behandelt und abgewogen“, sagt Roenne-Styra.

Dem widersprechen Liedl, Weighart und ihre Mitstreiter. „Der Neugestaltungsplan wurde von Vertretern der Stadt erst sieben Tage vor der Beschlussfassung, am 17. Juli, in einer Anliegerinformationsveranstaltung vorgestellt. Die Bedenken der Anlieger wurden dabei nicht ernst genommen oder geklärt.“ Sie und weitere Anwohner hatten sich daraufhin eine Vertagung und eine vorherige Anhörung vor dem Stadtplanungsausschuss gewünscht, was aber abgelehnt worden sei. Dann kam der Entschluss zur Petition. Diese soll laut Liedl zeigen, „dass der Wunsch, die historische Wahlenstraße charmant, gepflegt und bewohnbar zu halten, nicht nur das partielle Interesse einiger Anwohner ist, sondern vielen Regensburger Bürgern und auch auswärtigen Freunden der Stadt am Herzen liegt“.

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