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Flucht

Wie eine App den Migranten hilft

Die App „Integreat“ soll Zuwanderer in Regensburg unterstützen. Informationen können sie sich einfach aufs Handy holen.
von Friederike Lehmann, MZ

  • Das Menü der App ist nach Zielgruppen geordnet, so soll jeder schnell die für ihn notwendigen Informationen finden. Foto: Lehmann

Regensburg. Wer als Flüchtling oder Migrant nach Deutschland kommt, hat oft nicht nur mit Sprachproblemen zu kämpfen. Auch die deutsche Bürokratie bringt den ein oder anderen zur Verzweiflung. Was muss ich tun, wenn ich krank bin? Wo gibt es Sprachkurse? Wie bekomme ich einen Job oder eine Wohnung?

Die App „Integreat“ hat auf diese und viele weitere Fragen Antworten. Seit gestern Mittag kann sie kostenlos heruntergeladen werden. Sie soll Flüchtlingen und Zuwanderern nötige Informationen, etwa zu Ämtern, Asylverfahren und Ansprechpartnern in Regensburg , liefern – auf einen Blick und offline.

Beim ersten Öffnen der App kann aktuell aus acht verschiedenen Orten ausgewählt werden. Nach einem kurzen Klick auf „Stadt Regensburg“ gelangt der Nutzer zur Sprachauswahl. Je nach vorhandenen Sprachkenntnissen, wählt er zwischen Arabisch, Englisch oder Deutsch. Bereits Ausländer mit dem sogenannten Sprachniveau A1 verstehen die Inhalte der App. Die Sätze in „Integreat“ sind kurz, der Nutzer wird direkt mit „Du“ angesprochen. Längere Wörter, wie beispielsweise Gesundheitssystem, sind mit Bindestrichen getrennt. Komplexere und unbekannte Wörter werden erklärt. Ein Beispiel ist die Dult: In der App wird sie als ein kleines Oktoberfest in Regensburg veranschaulicht. Mit für sie meist unverständlichem Beamtendeutsch müssen die User hier nicht kämpfen.

Einfache Bedienung

Das Menü der App ist nach Zielgruppen geordnet. So ist sie nicht nur eine Hilfe für erstankommende Flüchtlinge, sondern auch für Asylbewerber in Unterkünften oder bereits anerkannte Flüchtlinge. Im Menü findet auf diese Weise jeder schnell den Bereich, der die für ihn wichtigen Informationen enthält. Einfach Fragestellungen oder Sätze leiten den User dann weiter durch die App. Ein Beispiel:

Ein erstankommender Flüchtling möchte wissen, was die kulturellen Unterschiede zu seinem Heimatland sind. Als Erstes drückt er auf den Button „Ich bin ganz neu in Deutschland“. Neben Ansprechpartnern, wichtigen Gesetzten und Informationen zu Regensburg findet er hier auch die Rubrik „Was ist in Deutschland anders oder neu?“. Nachdem der Nutzer darauf gedrückt hat, erscheinen Informationen zu Begrüßung, Mülltrennung und anderem.

Ein weiterer Vorteil neben der einfachen Bedienung ist, dass die App offline nutzbar ist. Nicht in jeder Asylunterkunft gibt es Wlan. Deshalb gibt es in „Integreat“ eine Rubrik, in der kostenlose Hotspots aufgelistet sind. Hat das Smartphone wieder Internet, aktualisieren sich die Informationen automatisch. Die App soll dynamisch sein, um neue Hinweise schnell an den Nutzer weiterleiten zu können.

App als Alltagshilfe

„Wir wollen mit „Integreat“ die Menschen begleiten und ihre Integration fördern“ , erklärt Wolfgang Rötzer, Leiter des Amtes für Integration und Migration. „Unser Ziel ist es, dass sie sich möglichst bald alleine in der Stadt zurecht finden.“ Der Oberbürgermeister Joachim Wolbergs verdeutlicht den Nutzen der App. Es sei wichtig, dass möglichst viele Menschen die Informationen aus „Integreat“ erreichen. Ein Großteil der Flüchtlinge und Zuwanderer besitzt bereits ein Smartphone, um Kontakt nach Hause zu halten. Deshalb sei es naheliegend, dass mit einer App die meisten erreicht werden können. Aber auch über den PC kann auf die Anwendung zugegriffen werden. Wer möchte, kann sich so auch Seiten ausdrucken.

„Integreat“ gibt es schon seit dem 15. November 2015 in Augsburg. In Zukunft werden zu den bereits acht vorhandenen Städten noch weitere hinzukommen. Geplant ist auch eine App für den Landkreis Regensburg.

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