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Welterbe

Wie eine neue Art von Fest am Fluss

Die Stadt lebt wieder mit dem Herzen zur Donau: Neues Museum, sanierte Brücke – wie kam das bei Regensburgern und Gästen an?
Von Helmut Wanner

  • Das war die Krönung: Lichtinstallation Philipp Geist zum Jubiläumsfest „Wir feiern Bayern“ im Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donaumarkt Foto: altrofoto.de
  • Blick ins Foyer des Museums der bayerischen Geschichte Foto: altrofoto.de
  • Philipp Geist zauberte zur Wiedereröffnung Steinerne Brücke diese Lichtinstallation. Foto: altrofoto.de
  • Angenommen: Das Museum der Bayerischen Geschichte Foto: altrofoto.de
  • Die Blaskapelle Beratzhausen war Teil des BR-Kulturprogramms von „Wir feiern Bayern“ Foto: altrofoto.de
  • Belebt wiie beim Bürgerfest: die Kulturmeile Marc-Aurel-Ufer Foto: altrofoto.de
  • Die Besucher des Museums waren bereit, bis zu 50 Minuten auf den 3-D-Film zu warten. Foto: altrofoto.de
  • Die Römer waren auch da am Marc-Aurel-Ufer. Foto: altrofoto.de
  • Für einen Moment konnte sie Königin sein. Foto: altrofoto.de
  • Beim Welterbetag bauten diese Frauen an der Kulturmeile Marc-Aurel-Ufer Brücken ins alte Regensburg. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Sie trug ihr grünes Kleid. Die Donau machte sich darin ausnehmend gut – vor allem vor der grauen Fassade des Museums für Bayerische Geschichte. Dieses Nichts (Frage einer Betrachterin: „War’s das? Kommt da noch was?“) tritt zurück und macht die Hauptsache groß: die Donau. Endlich, endlich wird sie wahrgenommen, bekommt den königlichen Auftritt, der ihr zusteht. Die Museumsterrasse fällt zu ihrem Ufer ab wie eine Schlosstreppe. „Hier werden viele Menschen flanieren, auf den Stufen sitzen und in die Abendsonne blicken“, prophezeit die Kelheimer Gynäkologin Gerti Hutter. Sie ist ein Fan. Besonders gefällt ihr das große Fenster zur Altstadt. Nachts, wenn sich der Dom drin spiegelt, nennt sie das „mystisch“.

Die Donau trägt die Seele dieser Stadt. Goethe lag falsch, als er behauptete, diese Gegend musste eine Stadt herlocken. „Es war die Donau“, schrieb der Reisejournalist Rainer Klofath 1979. Das war zu einer Zeit, als der jetzt 89-jährig verstorbene Theaterregisseur und Filmemacher Wendl Sorgend, „der verregensburgerte Apatiner“ (Klofath) noch im Turm im Blauen Hecht wohnte. Von ihm stammt das Wort, der autochthone Regensburger lebe mit dem Allerwertesten zur Donau.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie von dem Festakt im Museum:

Festakt im neuen Museum in Regensburg

Als er das 1979 aussprach, war der magische Strom zwischen Schwarzwald und Schwarzem Meer für die Hiesigen nur eine metaphorische Brennsuppe und eine reale Kloake. „Der schwimmt a no Donau obi,“ hieß es von einem, der den Kopf zu weit rausstreckte.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie von der Eröffnung der Steinernen Brücke:

Die Wiedereröffnung der Steinernen Brücke

Es fällt einem als Regensburger schwer, es zuzugeben: Die Leute von auswärts, die Fremden sind der Grund, warum die Donau nun dieses neue Ansehen genießt. Sie haben einen frischen Blick für ihre Schönheit. Die Hiesigen waren mit ihr schon zu lange verheiratet. Aber jetzt haben sich die Regensburger neu in sie verliebt. Aus Eifersucht. Alle leben nun zur Donau hin. Donaunixen schmückten die Jahninsel und räkelten sich am Ufer der Donau.

Das Bruckmandl stieg für unsere Glosse von seinem Sockel

Es war ihr Feiertag: Der Tag, an dem die Donau eine „neue“ alte Steinerne Brücke zurückgeschenkt bekam, eine großzügige Uferpromenade und eine imposante Museums-Terrasse. „Ich war in München. Ich kenne die Isar. Ein Fluss ohne Schiffe, das ist zweite Liga“, sagt der Regensburger Touristenführer Josef Scheck. Die Promenade erinnert ihn an das Rheinufer in Köln oder die Donau bei Linz. Nur mit der Fassade des Museums für bayerische Geschichte hat er seine Schwierigkeiten. Die Regensburger müssten sich diesen grauen Klotz nun ewig anschauen, meint er.

Ein Video vom Welterbe-Wochenende sehen Sie hier.

Kreuzfahrttouristen starten hier. Der erste Eindruck, den Keren und Leonard Medoff aus Colorado von der Welterbestadt hatten, als sie gestern Mittag die Stadt von der Avalon Illumination aus betraten, das waren nicht mehr die Ratzen vom Donaumarkt, sondern „a beautiful building, very functional“. Das neue Museum kam bei den Amis als hübsches, sehr funktionales Gebäude an. Und zwar durch die Bank, wie „Guide“ und „Stolperstein“-Autorin Silvia Seifert bestätigte.

Lesen Sie hier einen Artikel über den Eröffnungsakt im Museum

Der Rodinger Humorist Toni Lauerer und der Beratzhausender Blasmusiker Reinhard Seidl, Gäste auf der BR-Bühne, redeten sich vor der grauen Museumsfassade in einen Rausch. „Am tollsten ist diese Passage. Du durchschreitest sie, kommst bei der Römermauer raus und hast 2000 Jahre durchschritten.“

„Hoffentlich muss ich keine Ansprache halten!“ Am 10. Juni 1954 geboren am Wiedfang, schwelgte Peter Stangl in Erinnerungen. „Das Eck hier“, sagte er, „war ja früher eine schlechte Gegend.“ „Donaunähe“ hat heute kein „Gschmäckle“ mehr. Der Autoverkäufer feierte mit seinem Bruder August und mit der Donau – das Glückskind. Lesen Sie bitte auch:

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