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Psychologie

Wie Farb-Tricks beim Orientieren helfen

Mehr Wohlgefühl in Parkhäusern, mehr Durchblick bei Behörden: Das Frauenteam „toway“ aus der Proskestraße sorgt dafür.
Von Gertrud Baumgartl, MZ

Das „Toway“-Team (von links) mit Annette Peters, Christina Bernhard und Christina Geisler ist international gefragt.
Das „Toway“-Team (von links) mit Annette Peters, Christina Bernhard und Christina Geisler ist international gefragt. Foto: G. Baumgartl

Regensburg. Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd-Reinhard Hetzenecker ist ein erklärter Fan von „toway“ Zwei Regensburger Parkhäusern haben die Architekturpsychologinnen Tina Bernhard, Annette Peters und ihre Koordinatorin Christina Geisler bereits ihren Stempel aufgedrückt. Nun soll nach dem Peterweg und dem Dachauplatz mit der Tiefgarage am Bismarckplatz die dritte und letzte Park-Immobilie im städtischem Eigentum aufgemöbelt werden – dank „toway“ auch optisch.

Schön anzusehen und praktisch obendrein: Das ist das Gestaltungskonzept der Architekturpsychologinnen, die ihre Fach-Kollegen deutschlandweit an zwei Händen abzählen können. „toway“ arbeitet nach Erkenntnissen der angewandten Psychologie, mit Feng Shui will man keinesfalls verwechselt werden. „Zu unwissenschaftlich“, finden die Frauen. Ihre Erfolge dagegen sind offensichtlich.

Spiegel gegen Vandalismus

Ein Beispiel, das Bernd-Reinhard Hetzenecker für die Wirksamkeit ihrer Konzepte nennt: breitere Streifen zwischen den Stellplätzen, die sich auf der Wand fortsetzen. Etwas mehr an Farbe sorgt in den Parkhäusern dafür, dass niemand aus der Reihe tanzt. Ohne diese Optik nimmt platzraubendes Parken im Durchschnitt 30 Stellplätze pro Parkhaus weg. Eigentlich simpel.

Auch dem Vandalismus rücken sie mit ihren Methoden erfolgreich zu Leib. Merksatz Nummer 1: Was hochwertig aussieht, wird weniger oft von Vandalen heimgesucht. Schon die Farbe entscheidet: Schmuddelfarben und besonders Weiß sind einladend für Sprayer, dunkelrote Farbe und großflächige Motive eher nicht. Kommt es trotzdem zu Verschmutzungen, fallen sie auf dem dunklen Untergrund nicht so sehr ins Auge.

Auch gegen den Siff in öffentlichen Toiletten hat das toway-Team brauchbare Rezepte entwickelt. Großflächige Spiegel etwa. Sie lassen den Raum weiter erscheinen und werden daher auch in engen Aufzügen verwendet. In Toiletten schrecken sie gleichzeitig ab. „Für die meisten ist es unangenehm, sich bei Fehlverhalten zuschauen zu lassen. Das gilt sogar dann, wenn man sich selbst im Spiegel sieht“, wissen die Architekturpsychologinnen.

„Praktische Wissenschaft“

Mentor der Architekturpsychologinnen war der frühere Uni-Rektor Alf Zimmer, als er noch den Lehrstuhl für angewandte Psychologie innehatte. Er ermutigte Tina Bernhard und Annette Peters, sich auf diesem Gebiet zu spezialisieren. Vor 13 Jahren machten sie sich mit ihrer Firma selbstständig, heute sind sie auch international im Geschäft. „Wissenschaft mit praktischen Folgen“, nennen sie ihre Arbeit, die von Farbkonzepten bis zu Orientierungsschildern reicht. Wenn sich Autofahrer nun im Parkhaus am Dachauplatz viel leichter als früher zurechtfinden, haben sie das dem „toway“-Team zu verdanken. Und auch bei der Orientierung verlassen sich die Universität ebenso wie viele Behörden in Regensburg – vom Finanzamt bis zum Bürgerzentrum am Dachauplatz – auf das Leitsystem, das „toway“ entwickelt hat. Ihr Versprechen: Man muss nicht Landkarten lesen können, um auf dem schnellsten Weg den richtigen Ansprechpartner zu finden.

Sogar in Kindergärten ist ihr Konzept sehr gefragt. „Kinder brauchen Strukturen“, wissen die drei Frauen. Nur dass ihre Strukturen nicht aus Ge- und Verboten bestehen, sondern aus Farben. Und die müssen zur Funktion passen. Also dominieren die Farben Rot, Gelb und Orange in allen Räumen, wo Kinder aktiv sind. Da Blau die Aktivität senkt, sind die Ruheräume in dieser Farbe gestaltet.

Praktische Psychologie hilft bei Orientierung

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