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Tiere

Wie gefährlich ist der Hund?

Der Australian Shepherd, der in Regensburg ein Kind biss, war früher bereits auffällig und auch beim Ordnungsamt bekannt.
Von Jan-Lennart Loeffler

Brachte seiner Halterin eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung ein: der Hund Balu. Foto: Loeffler
Brachte seiner Halterin eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung ein: der Hund Balu. Foto: Loeffler

Regensburg.Es war wohl nicht der erste Fall, dass der Hund zugebissen hatte, der am vorvergangenen Montag im Alex-Center ein Kind ins Gesicht biss. Das können Regensburger aus dem Stadtnorden berichten: „Der Hund und seine Halterin sind im Regensburger Norden seit Jahren bekannt“, sagt Anwohner Professor Detlev Marx, der frühere langjährige Vorsitzende des Vereins pro Regensburg. „Bekannt, weil die Frau seit Jahren ihren Hund Balu im Tempe-Park bei Gelegenheit frei herum laufen lässt, nicht verhindert hat, dass er Menschen und kleine Hunde angreift, beziehungsweise beißt.“ Die Halterin würde behaupten, „dass ihr Hund friedfertig sei und ihr Hund habe noch nie jemanden gebissen.“ So hatte sich die 53-jährige Regensburgerin vergangene Woche auch gegenüber der Mittelbayerischen geäußert.

Die Worte des Anwohners, der sich selbst als Hundefreund bezeichnet, sind deutlich, seine Erfahrungen auch. Sein eigener Hund, ein Jack Russel wurde im Februar 2015 in den Kopf gebissen, als er diesen angeleint bei einem Spaziergang im Tempe-Park dabei hatte.

Hund und Jogger angefallen

Und der 82-jährige Anwohner berichtet von zwei weiteren Zwischenfällen, die sich kurze Zeit vorher zugetragen haben sollen: Der Berner Sennhund eines Nachbarn wurde angefallen und ein Jogger wurde in die Jacke gebissen. Marx kam zu dem Schluss, dass die Halterin ihren Hund nicht beherrschen könne, und hatte sich daraufhin an die Polizei gewandt: „Angesichts dieser Berichte und meiner Erfahrung mit diesem bissigen Hund fragte ich bei der Polizei an, was man in derartig bösartigen Konflikten tun könne. Als Antwort erhielt ich den Hinweis auf das städtische Ordnungsamt.“ Dorthin meldete er seine Beobachtungen über den seiner Meinung nach bissigen Hund und seine Halterin im April 2015.

Was passiert, wenn eine Gefahr vom Hund ausgeht? Wir erklären es im Video:

Video: Anna Werkowski

Seine Sorge galt, so berichtet er, vor allem den Kindern, die auf den Spielplatz im Tempe-Park gehen. Er war nicht allein. Auch ein weiterer Anwohner hatte sich in dieser Sache an die Stadt gewandt. Marx verweist auf seinen Schriftwechsel mit dem Ordnungsamt. Der von ihm geforderte Leinen- und Maulkorbzwang wurde seiner Meinung nach nicht ausreichend umgesetzt.

Kinder und Hunde: Respekt ohne Angst

  • Körpersprache:

    Eltern, die ihrem Kind den Kontakt zu fremden Hunden erlauben wollen, sollten in Bezug auf die Körpersprache von Hunden geschult werden. Das empfiehlt die Regensburger Hundetrainerin Rebecca Kleinschmidt.

  • Schulung:

    Kinder sollten so früh wie möglich den Umgang mit Hunden erlernen. Kleinschmidt bietet zum Beispiel in ihrer Hundeschule immer wieder spezielle Kind-Hund-Kurse an. In denen lernen auch Kinder aus Familien ohne eigenen Hund, mit Hunden umzugehen.

  • Bewegungen:

    „Viele Hunde haben tatsächlich Probleme, Kinder einzuschätzen“, erklärt Kleinschmidt. Kinder würden sich oft sehr dynamisch bewegen und häufig Bewegungen machen, die der Hund unter Umständen schwer deuten kann.

  • Welpen:

    „Hunde sollten vom Welpenalter an Kinder kennenlernen und möglichst viele positive Erfahrungen mit ihnen machen“, sagt Kleinschmidt in Richtung Hundehalter. Es bleibe aber immer ein Restrisiko. Vor allem kleine Kinder und Hunde sollte man nie ohne Aufsicht allein lassen.

„Das Ordnungsamt hat reagiert“, teilt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Nachfrage der Mittelbayerischen mit. „Mit einem Bescheid im Juli 2015 wurde die Hundehalterin verpflichtet, zukünftig ihren Hund an der Leine zu führen. Über diese Maßnahme wurde auch die Polizei informiert.

Die Hürden für Auflagen gegenüber Hundehaltern sind laut Stadtverwaltung hoch, weil „nach dem Grundsatz des Landesstraf- und Verordnungsgesetzes stets das ‚mildeste Mittel‘ zur Gefahrenabwehr zu wählen ist. Warum außer dem Anleinzwang keine weiteren Maßnahmen angeordnet wurden, oder inwieweit der Leinenzwang kontrolliert wurde, lässt die Sprecherin in ihrer Antwort offen, ebenso die Frage, ob die Stadt darin ein Versäumnis sieht. Der Anwohner erzählt: „Einer entsprechenden Aufforderung , die ich an die zuständige Sachbearbeiterin gerichtet habe, wurde entgegnet, das bringe nichts, weil das Verwaltungsgericht diese Auflage sicher wieder aufheben würde.“

Stadt will weiter abwarten

„Die Stadt wartet nun die endgültigen Ermittlungsergebnisse der Polizei zum aktuellen Vorfall ab, um weitere Auflagen einzuleiten,“ teilt die Sprecherin mit. Weitere Maßnahmen können nun laut Stadtverwaltung zum Beispiel ein Maulkorbzwang oder eine Schulung der Hundehalterin sein. Die einschneidenste Maßnahme wäre eine Haltungsuntersagung, die laut Stadtverwaltung aber nur bei besonders schweren Verfehlungen ausgesprochen werden könne.

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Marx sagt, dass die Stadt schon längst mehr hätte tun müssen und der Halterin anordnen sollen, ihren Hund nur mit Maulkorb zu führen. Sein Fazit: „Der Hund hat wiederholt gebissen. Beim Ordnungsamt sind Hund und Hundehalterin als Problemfall bekannt. Nicht nur jedes Kind kennt den Hund, sondern auch viele Erwachsene, die sich im Regensburger Norden seit Jahren Balu mit Maulkorb und an einer kurzen Leine wünschen.“

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