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Auszeichnung

Wirte-Initiative erhält Courage-Preis

Das Bündnis „Keine Bedienung für Nazis“ setzt sich gemeinschaftlich gegen Rassismus ein. Die Josef-Felder-Auszeichnung ermutigt zum Weitermachen.
von Friederike Pater, MZ

  • Sion Israel (links) und Ludwig Simek im „Picasso“ Foto: Archiv
  • Ein Preis für Zivilcourage: Juba Akili, Thomas Buchmin, Helga Hanusa, Ludwig Simek, Benny Pirk (verdeckt), Natalie Haas, Joachim Wolbergs, Natascha Kohnen, Sion Israel (hinten) und Richard Spieß (von links) Foto: Pater

Regensburg. „Rassisten werden hier nicht bedient!“ Dieser Aufkleber, der an vielen Regensburger Kneipentüren hängt, ist eine klare Botschaft gegen Rassismus und Diskriminierung. Für ihr großes soziales Engagement wurde gestern die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ von der SPD mit dem Josef-Felder-Preis ausgezeichnet.

„Am Anfang war die Zivilcourage“, sagte Natascha Kohnen, Generalsekretärin der Bayern-SPD. Rechtsradikalen dürfe kein Raum für Gewalt gegeben werden. In Zeiten des NSU-Prozesses und des Hungerstreiks von Asylbewerbern in Bayern sei das Thema derzeit besonders aktuell.

Auch die Initiative selbst, die im Juni 2010 mit einem rassistisch motivierten und brutalen Überfall von Nazis auf einen Barkeeper ihren Anfang nahm, hat eine klare Aufgabe. Sie möchten möglichst viele Regensburger Kneipen, Lokale und Bars dazu bringen, den Aufkleber mit der unmissverständlichen Botschaft an ihre Türen hängen. „Die Gastronomie zeigt Zivilcourage gegen Nazis und Rassisten!“ lautet die Erklärung, die die Initiative verfasst hat. Inzwischen haben über 170 Gastronomen ihr „Nein“ zu Intoleranz und zum Rassismus unterschrieben. Und es sollen mehr werden.

Initiativen deutschlandweit

„Wir hoffen, dass die Botschaft bald an allen Regensburger Gastronomietüren klebt“, sagte Juba Akili, Mitglied und frischgebackener Preisträger. Die Aktion hat bereits Nachahmer deutschlandweit gefunden. Städte wie Landshut, Nürnberg, Bremen, Lübeck und Kölnsetzen ebenfalls gemeinsam ein Zeichen gegen Nazis. So heißt es in Landshut „Kein Raum für Rassismus“ und in Köln lautet die klare Absage an Rechtsradikalismus in Kneipen „Kein Kölsch für Nazis“.

Der Preis sei ein großer Ansporn für Zukunft, so Juba Akili bei der Preisverleihung. „Keine Bedienung für Nazi“ sei eine besondere Initiative, weil sie sehr früh ansetze und die Nazis aus dem öffentlichen Raum, in dem Menschen friedlich leben und ein Bier trinken möchten, vertrieben möchte. Rechtsradikalismus habe keinen Platz in Regensburg. „Hier in Regensburg wollen wir so etwas nicht!“, betonte Juba Akili. Stattdessen solle die Stadt ausländerfreundlich und tolerant sein.

Bürgermeister Joachim Wolbergs machte die Gäste mit der Person Josef Felder bekannt, auf dessen Lebenswerk der Preis beruht. Er beschrieb den Sozialdemokraten Felder als „Jahrhundertgestalt“ und als ein großes Vorbild im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Der „rote Großvater“, wie er später genannt wurde und 93 andere Männer und Frauen hatten im März 1933 gegen das Entmündigungsgesetz gestimmt.

Kein Ja-Sager, sondern Vorbild

Nachdem das Parlament trotz allem entmachtet wurde, floh Josef Felder. 1934 kehrte er aus dem Exil zurück, wurde erkannt, verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Die Inhaftierung gilt als entscheidendes Motiv für den großen Einsatz im Bereich der Zivilcourage. Trotz der ständigen Angst um das eigene Leben habe sich Josef Felder seine „innere Unabhängigkeit“ als Markenzeichen bewahrt, so Joachim Wolbergs.

„Josef Felder war kein Ja-Sager. Er sollte ein Vorbild für die Politiker der heutigen Zeit sein. Gleichzeitig verurteilte er die große Gewaltbereitschaft der Nazis und ihre rassistischen Übergriffe. „Feige, wie sie es immer machen, als brutale Schlägergruppen“, stellte Wolbergs fest. Deswegen begrüßte er die Wahl für den Felder-Preis an die Regensburger Initiative. „Er passt so richtig.“ Zugleich sei er stolz, dass die Stadt so tolle Menschen habe, die sich auf den Weg in Richtung Zivilcourage machten.

Der Josef-Felder-Preis für Gemeinwohl und Zivilcourage wird seit 1995 von der bayrischen SPD verliehen. Der Preis ehrt Bürger und Initiativen die sich in besonders verdient gemacht haben im Bereich der Zivilcourage.“ Stellvertretend nahmen Juba Akili, Thomas Buchmin, Helga Hanusa, Ludwig Simek, Benny Pirk, Natalie Haas, Sion Israel und Richard Spieß. Sion Israel sorgte gemeinsam mit Sängerin Claudia Sommer für musikalische Begleitung. Er ist nicht nur Preisträger, sondern zudem Musiker im Café Picasso, in dem der Überfall vor drei Jahren stattgefunden hat.

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