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Wahlkampf

Wirtschaft fördern – aber wie?

MZ-Redakteurin Claudia Böken hörte den Kandidaten bei der Diskussion der neun Regensburger OB-Kandidaten genau zu und ordnet ihre Standpunkte ein.

Die neun OB-Kandidaten wurden zwei Stunden lang ins Visier genommen. Foto: Tino Lex

Christian Schlegl, CSU

Der OB-Kandidat der CSU, Christian Schlegl, hat das Thema Wirtschaft als wesentlichen Punkt in seinem Wahlprogramm. Wenn es nach ihm ginge, würde er den Weg des amtierenden Oberbürgermeisters am liebsten so weiter gehen. Wirtschaftsansiedelungen blieben deswegen auch weiterhin Chefsache: „Das ist ein Standortfaktor.“ Wirtschaftspolitik steht bei ihm ganz oben: „Ich weiß, wo ich meine Qualitäten habe“, versicherte er. Von der von Wolbergs und Huber favorisierte Kreativ-Wirtschaft hält er wenig, davon könne die Stadt nicht leben. Sie sei der falsche Ansatz, weil Regensburg Arbeitsplätze für den „Normalbürger“ brauche. Für einen florierenden Wirtschaftsstandort ist für Schlegl auch eine gute Verkehrserschließung und -anbindung an überregionale Straßen unerlässlich – neben einem funktionierenden ÖPNV, eventuell auch einem unterirdischen. Auf den allein zu setzen, wie es ÖDP-Kandidat Benedikt Suttner gerne täte, kommt für Schlegl nicht in Frage: „Soll BMW seine Kabelbäume dann künftig mit dem Bus durch die Stadt transportieren?“, hielt er dem Mitbewerber entgegen.

Joachim Wolbergs, SPD

Der SPD-OB-Kandidat Joachim Wolbergs hat sich für die Zukunft internationales Standortmarketing auf die Fahnen geschrieben. Wirtschaft habe für ihn einen hohen Stellenwert, aber es müsse dabei gerecht zugehen, machte er seinen Standpunkt klar. Und dann nahm Wolbergs die Gelegenheit wahr, das Thema Kreativ-Wirtschaft, das bei seinem CSU-Kontrahenten verpönt ist, vor einer breiteren Öffentlichkeit zu erläutern: Er lege darauf nicht seinen Hauptfokus, der bleibe auch weiterhin auf dem produzierenden Gewerbe. es gehe um Zukunftschancen, schließlich ließen sich damit in Regensburg eine Menge Arbeitsplätze generieren. Bisher gebe es in Regensburg auf diesem Sektor etwa 3600 Stellen, laut IHK könnte sich diese Zahl um ein Drittel bis zum Doppelten steigern. Die Entwicklung verglich Wolbergs mit der der Biotechnologie. „Stellen Sie sich vor, wir hätten da auch so argumentiert und auf die Förderung verzichtet“, appellierte er an die Zuhörer. Nicht nur deshalb wäre Wirtschaft auch für ihn Chefsache.

Jürgen Huber, Grüne

Der OB-Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen fordert bei der Wirtschaftspolitik einen Paradigmenwechsel. Nicht „weiter so“ oder warten, dass sich ein Betrieb ansiedelt, ist seine Devise, sondern Mitgestaltung der Bürger. Da kommt auch bei ihm die „Kreativ-Wirtschaft“ ins Spiel. Als drittgrößte Wirtschaftsbranche in Bayern sei sie mit der Automobilbranche zu vergleichen. Und er möchte sie in Regensburg mit einem Kreativquartier stärken und weiter ausbauen. Wer nun befürchtet, der Künstler Huber denke da in erster Linie an Kunst und Kultur, womöglich günstige Ateliers, hat sich getäuscht. Huber würde in diesem Quartier gerne auch Labors ansiedeln und sprach zum Erstaunen mancher Zuhörer von „Games Involving“. Diesen Creativ-Cluster würde er so professionell fördern wollen, wie das vor Jahren in Regensburg bei der Biotechnologie geschehen sei.

Vor allem kündigt Jürgen Huber Nachhaltigkeit bei der Wirtschaftspolitik an. Für ihn ist das nicht nur ein Regensburger Thema. Als Oberbürgermeister wäre für ihn das Credo: „Wir leben in Verantwortung für den ganzen Globus.“

Richard Spieß, Die Linke

Der OB-Kandidat der Linken, Richard Spieß, sieht als selbstständiger Handwerksmeister Wirtschaftspolitik unter einem ganz anderen Blickwinkel: „Alle Menschen müssen eine gute Arbeit haben, für die sie ordentlich entlohnt werden.“ Dann hätten sie Kaufkraft, könnten sich Handwerker leisten. Als Oberbürgermeister würde er Betriebsansiedelungen auch zur Chefsache machen. Dabei würde er vorab prüfen, ob die Interessenten gute Arbeitsplätze anbieten. Dass Regensburg in Wirtschaftsrankings vorn steht, wäre für einen OB Spieß nicht wichtig.

Benedikt Suttner, ödp

Es gibt Themen, die dem ÖDP-Kandidaten mehr auf den Nägeln brennen, als die Wirtschaftpolitik. „Wachstum nicht um jeden Preis“ und „Einstieg ins Postwachstum“ liegen Benedikt Suttner schon eher am Herzen. Deswegen ist ihm die Frage wichtig, wie ein Unternehmen die Stadt in eine nachhaltige Zukunft bringen kann. Zusätzliche Straßen und Brücken will er nicht bauen, setzt lieber auf E-Bikes und ÖPNV. Als OB würde er einen Betrieb, der sich ansiedeln will, zuerst Fragen: „Welche Löhne zahlt ihr und wieviel Fläche verbraucht ihr?“

Tina Lorenz, Piraten

Der OB-Kandidatin der Piraten kann keiner nachsagen, dass sie eine Wirtschafts-Lobbyistin ist. Sie kritisiert, dass in Regensburg weiche Wirtschaftsfaktoren zu kurz kämen: Es sei nicht gerade preiswert, hier zu leben; das finde sie schade. Da Wirtschaftspolitik für ihre Partei vor allem Freiheit und Teilhabe bedeute, fordert sie, dass jeder Mensch ein Grundeinkommen erhalten müsse. Sollte Tina Lorenz Oberbürgermeisterin werden und sich ein Betrieb um die Ansiedelung in der Stadt bewerben, wäre ihre Frage: „Habt Ihr eigentlich einen Betriebsrat?“

Christian Janele, CSB

Für den OB-Kandidaten der CSB gehört es zur Wirtschaftspolitik, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Gegebenenfalls würde er, um Betriebe in die Stadt zu bringen, auch an der Gewerbesteuer-Schraube drehen. Der Kandidat, der auch schon bei denen Grünen war und ursprünglich statt Christian Schlegl für die CSU als OB-Kandidat antreten wollte, zeigte sich als überzeugter Regensburg-Fan. Sollte bei ihm – als Oberbürgermeister – ein Betriebsinhaber vorstellig werden, der sich hier ansiedeln wolle, würde er ihm einfach die Stadt zeigen.

Ludwig Artinger, Freie Wähler

Der OB-Kandidat der Freien Wähler, Ludwig Artinger, liegt in Bezug auf Wirtschaft irgendwo zwischen CSU und den Öko-Parteien: „Wirtschaftswachstum nicht um jeden Preis“ stehe auch im Wahlprogramm seiner Partei, betonte er, erläuterte dazu: „Man muss Wirtschaft und Umwelt in Einklang bringen“ – und: „Wirtschaft ist uns lieb und teuer. Als Oberbürgermeister wäre jede Betriebsansiedelung für ihn Chefsache. Günstige Gewerbegebiete vorzuhalten, wäre für ihn ein wichtiges Argument, um auch in Zukunft neue Betriebe nach Regensburg zu bringen. Ein wichtiger Werbeaspekt wäre für ihn auch die Schönheit der Welterbe-Stadt. Weil Wirtschaft leistungsfähige Straßentrassen benötigt, würde Artinger die Osttangente bis Regenstauf verlängern und sich dafür die Sallerner Regenbrücke sparen.

Horst Meierhofer, FDP

Der OB-Kandidat der FDP, Horst Meierhofer, ist sich sicher, dass die Stadt weiteres Wirtschaftswachstum nicht allein hinbekommen kann. Die Zusammenarbeit von Stadt und Umland ist für ihn unerlässlich. Das ist sein Ansatz für eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik, wofür er die zustimmung der IHK-Vertreter im Publikum bekam. In diesem Zusammenhang sieht Meierhofer auch die Versäumnisse der Vergangenheit, wo OB und Landrat nicht besonders gut miteinander kommunizierten: „Wie soll man gemeinsame Gewerbegebiete hinbekommen, wenn man sich bisher mit Argwohn betrachtet hat?“ Würde er Oberbürgermeister, würde er sich natürlich auch um die Wirtschaft kümmern. Welche Industrie nach Regensburg kommt, wäre für den FDP-Politiker allerdings keine Chefsache.

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