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Kirche

WM-Held Miro Klose hält Fastenpredigt

Miroslav Klose macht gemeinsam mit Klaus Eder den Auftakt der Veranstaltungsreihe. Sechs Prominente sprechen in St. Emmeram.
Von Katharina Eichinger

Miroslav Klose hält in Regensburg eine Fastenpredigt. Foto: Sven Hoppe/dpa
Miroslav Klose hält in Regensburg eine Fastenpredigt. Foto: Sven Hoppe/dpa

Regensburg.Miroslav Klose und Klaus Eder – normalerweise fallen diese Namen immer im Zusammenhang mit Fußball. Doch im Februar sind die beiden Sportgrößen in einem ungewohnten Umfeld zu sehen: Der Rekordtorschütze und der Chef-Physiotherapeut der deutschen Fußballnationalmannschaft sind als Redner bei den Fastenpredigten in der Basilika St. Emmeram in Regensburg zu Gast.

Die Veranstaltungsreihe, die von Stadtdekan Roman Gerl ins Leben gerufen wurde, findet in diesem Jahr zum sechsten Mal statt. Sechs bekannte Persönlichkeiten sprechen an fünf Terminen über den Grundgedanken „Ohne Fleiß – kein Preis. Das Märchen von der Leistungsgesellschaft“. Damit soll ein alltägliches Thema behandelt werden. „Wir arbeiten oft auch unter Stressbedingungen und unter Druck und die Grundfrage ist: Macht denn die Arbeit wirklich auch Spaß? Kann ich Sinn dahinter finden?“, erklärt Roman Gerl die Herangehensweise an die diesjährigen Fastenpredigten. „Wir sollten im Beruf nicht in dieses Hamsterrad hineinkommen, so dass wir aus Stress und auch aus Überforderung nicht mehr herausfinden.“

Glaube und Leistungssport

Klaus Eder, Chef-Physiotherapeut der deutschen Fußballnationalmannschaft Foto: Gebert/dpa
Klaus Eder, Chef-Physiotherapeut der deutschen Fußballnationalmannschaft Foto: Gebert/dpa

Den Auftakt machen die beiden Prominenten aus dem Sport am Donnerstag, 22. Februar, um 19.30 Uhr. Unter der Moderation von Sportreporter Armin Wolf thematisieren Eder und Klose Leistungssport im Interview. „Es geht sicher auch um spirituelle Fragen auf dem Fußballplatz, aber auch um die Sportwelt“, sagt Gerl. Die Redner werden über den Umgang mit großen Erfolgen sprechen – aber auch den Umgang mit Niederlagen und Verlusten thematisieren.

Stadtdekan Roman Gerl möchte mit den Fastenpredigten in der Basilika St. Emmeram auch junge Menschen ansprechen. Foto: Gruber
Stadtdekan Roman Gerl möchte mit den Fastenpredigten in der Basilika St. Emmeram auch junge Menschen ansprechen. Foto: Gruber

„Klose ist gebürtiger Pole und kommt somit aus einem spirituellen Umfeld, das christlich geprägt ist“, sagt Gerl. Er vereine Spiritualität und den Leistungssport. Eder hat der Stadtdekan ausgewählt, weil er als Physiotherapeut weiß, wie sich Stress und Überforderung des Menschen auch physisch widerspiegeln. Und so wisse er auch, wie man diesen Erschöpfungserscheinungen entgegenwirkt.

DLV-Präsident Clemens Prokop Foto: Bernd Thissen/dpa
DLV-Präsident Clemens Prokop Foto: Bernd Thissen/dpa

Eine Woche später spricht Clemens Prokop, Direktor des Regensburger Amtsgerichts und Ehrenpräsident des deutschen Leichtathletikverbands. Prokop ist entschiedener Gegner des Dopings. Der 60-Jährige thematisiert die Leistungssteigerung mit Medikamenten „in einem Bereich, der gesundheitsschädlich ist – nur um Erfolg zu erzielen“. Dem Menschen sei es nicht Eigen, Medikamente zu nehmen, um fitter zu sein und weniger Schlaf zu brauchen. Vom Sport weg bewegt sich die dritte Fastenpredigt mit dem Präsidenten der OTH Regensburg, Prof. Dr. Wolfgang Baier. Er spricht über Fluch und Segen der Digitalisierung. Schafft die Digitalisierung Erleichterung für die Arbeitswelt? „Auf der anderen Seite sind wir auch in einer Informationsflut, so dass es immer schwieriger wird, zu selektieren“, sagt Gerl. Baier hat mit jungen Menschen zu tun, die in technischen Berufen ausgebildet werden. „Da ist für mich der Begriff Digitalisierung im Vordergrund. Das ist ein Bereich, der vielen Menschen Angst macht.“

Nach 15 Jahren in Führungspositionen der freien Wirtschaft ist Ilona Bürgel heute als Referentin, Beraterin, Autorin und Kolumnistin tätig. Foto: Bürgel
Nach 15 Jahren in Führungspositionen der freien Wirtschaft ist Ilona Bürgel heute als Referentin, Beraterin, Autorin und Kolumnistin tätig. Foto: Bürgel

Die vierte Rednerin, die Psychologin und Buchautorin Dr. Ilona Bürgel, soll den Zuhörern lebensunterstützende Erkenntnisse aus der Psychologie liefern – in leicht verständlicher Sprache. „Sie trifft den Nagel auf den Kopf“, sagt Gerl. Denn trotz der Arbeit sei es wichtig, an das persönliche Wohlbefinden zu denken. „Wenn ich das vergesse, wird die Arbeit zunehmend zur Last“, sagt der Stadtdekan.

Redner und Termine

  • 22. Februar:

    Der Rekordtorschütze Miroslav Klose und der Physiotherapeut Klaus Eder sprechen unter der Moderation von Armin Wolf über Glaube und Leistungssport zum Auftakt der Fastenpredigten in der Basilika St. Emmeram.

  • 1. März:

    Clemens Prokop, Ehrenpräsident des deutschen Leichtathletikverbands, thematisiert Doping.

  • 8. März:

    Digitalisierung: Fluch oder Segen? Darüber spricht Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH.

  • 15. März:

    Dr. Ilona Bürgel liefert Erkenntnisse aus der Psychologie.

  • 22. März:

    Dr. Heribert Prantl sieht den Leistungsdruck aus gesellschaftskritischer Sicht.

  • Die Veranstaltungen

    beginnen jeweils um 19.30 Uhr in der Basilika St. Emmeram. Der Eintritt ist frei, jeder ist herzlich zu den Fastenpredigten eingeladen.

Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung Foto: Alessandra Schellnegger/Südwestdeutsche Medienholding GmbH/dpa
Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung Foto: Alessandra Schellnegger/Südwestdeutsche Medienholding GmbH/dpa

Am fünften und letzten Termin hält Dr. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion bei der Süddeutschen Zeitung in München, die Fastenpredigt. „Herr Prantl ist ein extrem redegewandter Mensch. Von ihm wünsche ich mir eine Kritik an unserer heutigen Leistungsgesellschaft.“

Mit den Fastenpredigten, die von der Innenstadt Seelsorge Regensburg veranstaltet werden, will Gerl „Menschen erreichen, die sonst nicht zu uns finden“. Im Schnitt seien im vergangenen Jahr 200 bis 250 Menschen zu den einzelnen Veranstaltungen gekommen. „Die Reden wirken anziehend durch ihre Prominenz, aber auch durch das, was die Sprecher zu sagen und zu geben haben.“

Glaube soll nicht aufgesetzt sein

Gerl möchte explizit auch ein junges Publikum anlocken. Vor allem bei der Auftaktveranstaltung mit Miroslav Klose hofft der Stadtdekan auf jüngere Besucher. Aber auch die Rede von Psychologin Ilona Bürgel sei für sie ansprechend – vor allem, wenn man frisch ins Berufsleben startet. „Als junger Mensch hat man oft nur den Beruf im Blick. Dinge, die früher wichtig waren, vernachlässigt man oft.“

Der Glaube soll nicht aufgesetzt werden, nur weil die Veranstaltungen in der Kirche stattfinden. Spiritualität und die eigene Lebenswelt sollen nicht voneinander getrennt sein, findet Gerl. „In unserer Leistungsgesellschaft definieren wir oft den Wert des Lebens, spirituell wollen wir vermitteln: Der Mensch ist mehr, als das, was er leistet. Der Mensch ist schon unendlich viel wert durch das, was er ist.“

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