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Regensburg
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Freizeit

Wo Tänzerinnen und Ritter sich begegnen

„Hexentanz und Feenzauber“ lockte am Wochenende Tausende von Gästen auf Schloss Pürkelgut in Regensburg. Samstag loderte das Sonnwendfeuer.
Von Daniel Steffen, MZ

  • Die Bauchtänzerinnen gehören zu den Höhepunkten des Mittelalterspektakels. Fotos: Steffen
  • Besucher im Mittelalteroptik erhalten einen ermäßigten Eintritt. Fotos: Steffen
  • Die finsteren „Württemberger Ritter“ eroberten das Pürkelgut.
  • Die Feuershow begeisterte die Besucher am Samstagabend.

Regensburg.Das runde Leder, das spielt auf dem Pürkelgut wirklich nur eine Nebenrolle. Da sind die Rundungen der Bauchtänzerinnen schon wesentlich mehr gefragt, ebenso wie die rasselnden Klingen der Ritter und die mittelalterlichen Klänge der Minnesänger. Das wissen die Gäste von Nah und Fern zu schätzen – und begeben sich deshalb immer wieder gern auf das Festival „Hexentanz und Feenzauber“. Von Freitag bis Sonntag lud es die Besucher zu einer Stippvisite ein und wartete mit einem üppigen Programm auf. Zum Auftakt am Freitag gab es die ersten Highlights für das Auge und für das Ohr: „Fuchsteufelswild“, die Meister der Sackpfeifen, beschallten das Publikum im Alten Stadl und die „Württemberger Ritter“ maßen sich zur Dämmerstunde hoch zu Roß im Zweikampf. Den Schlusspunkt setzten gegen 22.30 Uhr die „Mittelalterfreunde Mühlhausen“ mit ihrer Feuershow sowie die Frauen von „Tuath ancamna“, orientalische Tänze und „American Tribal Style Dance“ vorführten.

Das Sonnwendfeier loderte

Da dem Element Feuer bei dem Festival immer eine besondere Rolle zukommt, hat neben Feuerkünstlern auch immer das Sonnwendfeuer Tradition: Es gilt als das größte in Bayern und lockte am späten Samstagabend zu einem Besuch: Nach guter Tradition begaben sich die Gäste in einem Fackelzug zum Feld, auf dem es um Mitternacht entzündet wurde. Die Besucherzahl ließ sich am Samstag mehr als sehen: Sowohl an den Ständen und Stätten des historischen Lagerlebens als auch an den Biertischen inmitten des Pürkelguts herrschte stets munteres Treiben. „Es war toll wie immer“, lobte etwa Lysann Meier, die mit ihrem Sohnemann und einem Bekannten über das Fest zog. Für das Lagerleben konnte sie sich persönlich am meisten begeistern. Gerade abends, wenn vor den Zelten die Feuer entzündet werden, sei die Kulisse „besonders schön“, so die junge Frau.

Zu Gast bei den alten Wikingern

Hierbei angesprochen fühlen durfte sich etwa die Gruppe „Skri Av Fendris“ aus Passau: Sie präsentierte den Besuchern das Leben der Händler und Handwerker in der schwedischen Stadt Birka im Zeitraum von etwa 850 bis 900 nach Christi. Dass die alten Wikinger über „großartige Handwerkskunst“ verfügte und der Handel schon damals weit verzweigt war, brachte die Gruppe den Interessenten näher. Und sie wollte eine gängige Meinung ein wenig ins rechte Licht rücken: Nur „wenige Wikinger“ hätten sich damals bei den berüchtigten blutrünstigen Angriffen auf Europa beteiligt. Und die typische Behausung – das sei das „A-förmige Wikingerzelt“ gewesen, erklärte Kathi Eberle, die seit zwei Jahren bei „Skri Av Fendris“ Mitglied ist. Sie selbst führte traditionelle Näh-, Stick- und Webarbeiten vor, ferner konnten im Lager Holz- und Lederarbeiten bewundert werden: Dass auch Ingenieure und Informatiker bei der „Living History“-Gruppe mitmischen, mag man im ersten Augenblick vielleicht nicht denken.

Den Schmieden, Bogenbauern, Gürtelmachern und Täschnern bei der Arbeit über die Schulter zu gucken, war vor allem bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs: Begeistert stellten sie den Darstellern ihre Fragen. Und an den liebevoll gestalteten Schmuckständen schlugen insbesondere die weiblichen Herzen höher: Von Silberringen über Ohrschmuck bis hin zu Amuletten war ihnen eine breite Auswahl geboten. Ferner wurden zahlreiche Mittelalter-Freunde bei der Auswahl an historischen Gewandungen fündig. Diese fanden sich gleich in der Nähe des Eingangsbereichs vor.

Seine eigene Note hatte das Getränke- und Speiseangebot: Auf Schloss Pürkelgut, das gibt es nicht einfach eine Limonade in die Hand, nein da wandert die „Hexenpisse“ über den Tresen. Wer sich lieber eine Spezi gönnen wollte, musste das „Teufelsblut“ ordern. Und sich aus dem mitgebrachten Trinkhorn einen guten Tropfen Met zu gönnen, war für viele Besucher selbstverständlich. Ein Mittelalter-Fest ohne Honigwein – das kommt für sie nicht infrage.

Umgeben von Gauklern, Barden und Fieranten und den Duft von Kräutern und Gewürzen in der Nase, genossen die Gäste eine Kulisse von anno dazumal. Und wer ein wenig Mut aufbrachte, der konnte es sich im hölzernen Zuber bei einem heißen Bad gut gehen lassen – vor den Augen der Besucher, versteht sich.

Wie es beim „Hexentanz und Feenzauber“ Usus ist, wurde am Sonntag der Kampf um den „Goldenen Pürkel“ ausgetragen. In mehreren historischen Disziplinen trugen Kneitinger-Verkaufsberater Stefan Seebauer und Braumeister Albert Kellner ihre Fehde aus – unterstützt von den tapferen Rittern in ihren Reihen. Nach ehrhaftem und aufopferungsvollem Kampf einigten sich die „Feldherren“ auf ein Remis. Veranstalter Peter Kittel war mit dem Festival in diesem Jahr – auch dank des Wetters – „sehr zufrieden“. Von Jahr zu Jahr verzeichne man „steigende Besucherzahlen“, sagte er.

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