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Natur

Wo Teufelskralle und Trollblume blüh’n

Zur Woche der Botanischen Gärten gibt es an der Uni Regensburg am Sonntag ein buntes Programm mit Führungen und einer Pflanzenauktion.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Die Schopfige Teufelskralle (Physoplexis comosa) ist in den Südalpen heimisch. Foto: Knobloch
  • Die Gauklerblume (Mimulus) hat einen Mechanismus entwickelt, um eine Selbstbestäubung zu vermeiden. Foto: Knobloch
  • Auffällig bei der Chinesischen Trollblume (Trollius chinensis) sind die extrem verlängerten Staubblätter. Foto: Knobloch
  • Die Sumpf-Gladiole wurde im Volksmund auch als Sumpf-Siegwurz bezeichnet. Foto: Knobloch
  • Der Technische Leiter des Botanischen Gartens, Volker Debus, weiß viele Geschichten rund um die verschiedenen Pflanzenarten zu erzählen. Foto: Knobloch

Regensburg.Rund 375 000 Pflanzenarten gibt es weltweit, der Mensch nutzt etwa 20 000 davon. Arten wie Weizen, Reis, Mais, Kartoffel, Maniok, Sojabohne und Hirse sichern als Grundnahrungsmittel das Überleben der Weltbevölkerung. Daneben gibt es aber auch viele Kräuter und Heilpflanzen, die in der Küche und in der Medizin Anwendung finden. Diese Nutzpflanzen stehen diesmal im Mittelpunkt der Woche der Botanischen Gärten, die vom 15. bis 20. Juni an der Universität Regensburg stattfindet. „Pflanzen ernähren die Welt“ lautet das Motto – passend dazu gibt es beim Aktionstag am Sonntag ab 14 Uhr im Botanischen Garten der Universität verschiedene thematische Führungen.

Versteigerung botanischer Schätze

Besucher können sich über „Herkunft und Geschichte der bedeutendsten Nutzpflanzen“ informieren und erfahren, wie Pflanzen aus Nord- und Südamerika unsere Speisekarte verändert haben. Essbare Blüten und Beeren stehen im Zentrum von zwei weiteren Führungen. Auch heimische Kräuter und Gewürze lernen die Besucher kennen. Für Kinder gibt es spezielle Aktionen zu „Getreidearten, die die Welt ernähren“ und „Flowerpower für den Magen“. Am Stand der Gesellschaft der Staudenfreunde können Besucher ein paar neue Pflanzenschätze für den eigenen Garten erwerben. Um 16.30 Uhr findet zudem wieder eine Pflanzenauktion statt, bei der der Technische leiter des Botanischen Gartens, Volker Debus, einige botanische Besonderheiten versteigern wird.

Neben den Führungen sollten sich die Besucher aber auf jeden Fall Zeit nehmen, die anderen Schätze des Botanischen Gartens zu entdecken. Nahe des Eingangs, in der alpinen Gartenanlage „Kalkalpen“, blüht derzeit die Schopfige Teufelskralle (Physoplexis comosa), deren Blütenknospen krallenartig nach oben gekrümmt sind. Ein Stück weiter, im Revier „Bedrohte Pflanzen Bayerns“ fallen die leuchtend purpurroten Trichterblüten der Sumpf-Gladiole (Gladiolus palustris) ins Auge. „Diese Art ist mittlerweile stark gefährdet“, erklärt Volker Debus. Denn aufgrund von Trockenlegungsmaßnahmen sind die wechselfeuchten Standorte, die die Sumpf-Gladiole benötigt, rar geworden. Die Knolle der Pflanze ist von einem netzartigen Häutchen umgeben. „Das erinnerte die Menschen im Mittelalter an ein Kettenhemd“, so Debus. Ritter hätten die Knolle daher unter ihrer Rüstung getragen, weil sie glaubten, dadurch unverwundbar zu sein. Im Volksmund wurde die Sumpf-Gladiole daher auch als Sumpf-Siegwurz bezeichnet.

Leuchtend orange strahlen die Blüten der Chinesischen Trollblume (Trollius chinensis). Die extrem verlängerten Staubblätter (Staminoidien) dieser Pflanze dienen Fliegen der Gattung Chiastocheta – den Bestäubern – als eine Art „Landebahn“. Um eine Selbstbestäubung zu vermeiden, hat die Gauklerblume (Mimulus), von der in der Amerika-Abteilung des Botanischen Gartens derzeit mehrere Arten blühen, einen interessanten Mechanismus entwickelt: An der Decke des Blüteneingangs befindet sich die Narbe, die aus zwei ungleich großen Narbenlappen besteht. Eine Biene, die die Blüte anfliegt, kommt unweigerlich an diesen Narbenlappen vorbei.

Salzige Blätter dienten zum Würzen

Im Idealfall bleiben dort Pollen der eigenen Art hängen, mit denen die Biene bereits beladen ist. „Durch die Berührung klappen die Narbenlappen zusammen“, erklärt Debus und demonstriert es mit einer leichten Berührung seines Fingers. So verhindert die Pflanze, dass die Biene beim Herauskrabbeln Pollen der eigenen Blüte an den Narbenlappen abstreift. „Sollte die Biene bei ihrem Besuch nicht den gewünschten Pollen auf der Narbe abgeladen haben, dann öffnet sie sich nach einer halben Stunde wieder und wartet auf den nächsten Besuch.“

Die Gauklerblume hat übrigens auch etwas mit dem Thema Ernährung zu tun, weiß Debus: Die Mimulus-Arten nehmen über den Boden Salz auf und speichern dieses in ihren Blättern und Stängeln. „Die Indianer Amerikas würzten mit den Blättern dieser Pflanze daher erlegtes Wild.“

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