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Immobilien

Wohnungspreise: Nur München ist teurer

In Regensburg sind die Kosten für den Quadratmeter zwischen 2010 und 2016 um 60 Prozent gestiegen. Auch Mieten explodieren.
Von Marion Koller, MZ

Ein teures Pflaster: die Regensburger Altstadt Foto: altrofoto.de
Ein teures Pflaster: die Regensburger Altstadt Foto: altrofoto.de

Regensburg.Alarmierende Zahlen vom Wohnungsmarkt liefert der Immobilienreport 2017 der Sparkasse Regensburg, den zwei unabhängige Institute erarbeitet haben. Demnach beläuft sich der durchschnittliche Kaufpreis für eine neue Eigentumswohnung in der Stadt auf 4400 Euro pro Quadratmeter, bei älteren Bauten sind es 3400 Euro. Zwischen 2010 und 2016 sind die Preise explodiert: bei Neubauten um 60 Prozent und beim Bestand um 61 Prozent.

Bis zu 7000 Euro für Quadratmeter

Für neuen Wohnraum in außergewöhnlicher Lage verlangen die Bauherren bis zu 7000 Euro für den Quadratmeter. Besonders begehrt: die Altstadt und Stadtamhof. Für Bestandswohnungen müssen Käufer bis zu 4600 Euro pro Quadratmeter aufbringen. Auch bei den Mieten ist die Schallmauer von zehn Euro für den Quadratmeter längst durchstoßen. Keine ermutigenden Nachrichten also für Durchschnittsverdiener, die eine Wohnung suchen.

Haben den Immobilienreport vorgestellt: (v.l.) Dr. Sven Conventz von Bulwiengesa, Prof. Dr. Sven Bienert vom Institut für Immobilienwirtschaft der Uni, Dr. Markus Witt, stellvertretender Vorstandschef der Sparkasse Regensburg, und Felix Embacher von Bulwiengesa Foto: Koller
Haben den Immobilienreport vorgestellt: (v.l.) Dr. Sven Conventz von Bulwiengesa, Prof. Dr. Sven Bienert vom Institut für Immobilienwirtschaft der Uni, Dr. Markus Witt, stellvertretender Vorstandschef der Sparkasse Regensburg, und Felix Embacher von Bulwiengesa Foto: Koller

Bei einer Pressekonferenz in der Sparkassenzentrale erläuterten stellvertretender Vorstandschef Dr. Markus Witt, Prof. Dr. Sven Bienert vom Institut für Immobilienwirtschaft (IREBS) an der Universität und Felix Embacher von der Beratungsfirma Bulwiengesa den Report 2017. Die Fachleute stufen das örtliche Preisniveau im Vergleich zu Nürnberg, Erlangen und Ingolstadt als sehr hoch ein. Teurer als Regensburg sei in Bayern nur die Landeshauptstadt München. In der Domstadt müssen laut der Studie für eine Wohnimmobilie im Schnitt 10,5 Jahreseinkommen aufgewendet werden, bayernweit sind es in den kreisfreien Städten 7,2.

Prof. Sven Bienert nannte die Stadt ein „Klein-München“. Als drei wesentliche Preistreiber zählte er die immer noch niedrigen Zinsen, die Vollbeschäftigung – mit überdurchschnittlicher Kaufkraft – sowie die Anziehungskraft des Welterbes auf. Auch die Mieten haben deutlich zugelegt. Im Durchschnitt müssen Regensburger Neubaumieter heute 11,20 Euro für den Quadratmeter aufbringen, im Bestand sind es 9,60 Euro. Für besonders gute Neubau-Lagen verlangen Vermieter bis zu 13,30 Euro.

Günstige Mieten in Keilberg

Zwischen 2010 und 2016 sind die Mieten in Neubauten um 33 Prozent explodiert, im Bestand um 32 Prozent. Am teuersten sind die Innenstadt und Stadtamhof, am günstigsten Winzer und Kager (unter 8,50 Euro) sowie Brandlberg und Keilberg (8,50 bis unter neun Euro).

Bienert und der zweite Vertreter von Bulwiengesa, Dr.-Ing. Sven Conventz, lobten die Stadtverwaltung. Sie beschreite mit ihrer regen Bautätigkeit den richtigen Weg. „960 Wohnungen im Jahr wurden im letzten Jahrzehnt gebaut“, stellte Conventz fest.

Die Spezialisten vom Immobilien-Institut und von Bulwiengesa empfehlen innovative Lösungen, um die Baukosten zu senken, zum Beispiel Modulbauweisen und stärkere Standardisierung. Bienert beteuerte, das müsse nicht gleich wie ein Ghetto aussehen.

Wie wird es weitergehen? Für die Zeitspanne 2030 bis 2035 prognostizierte Prof. Sven Bienert, die Erschwinglichkeit von Wohneigentum werde noch weiter eingeschränkt. Zentrale Lagen bezeichnete er als „Trumpf“. Das Mietpreiswachstum werde hinter den Kaufpreisen zurückbleiben.

Interessant am Rande: Regensburger können jährlich 567 Euro mehr ausgeben als der durchschnittliche Bayer, weil ihre Kaufkraft, also das für Konsum verwendbare Einkommen, höher ist. Die Studie beziffert sie auf 24 422 Euro pro Kopf. Im Vergleich zu anderen bayerischen Städten rangiert Regensburg damit auf dem fünften Platz hinter München, Erlangen, Landshut und Ingolstadt, aber vor Fürth, Rosenheim und Nürnberg. Der Immobilienreport bezeichnet die Regensburger Kaufkraft sogar als sehr hoch, da auch die – über geringere Einkommen verfügenden – 31 000 Studierenden eingerechnet sind.

Auch im Landkreis sind die Preise für Eigentumswohnungen in den Jahren 2010 bis 2016 um 55 Prozent bei Neubauten und um 60 Prozent im Bestand hochgeschnellt. Je näher die Gemeinden an die Stadt rücken, desto höhere Preise verlangen die Bauherren oder Besitzer. Am teuersten sind Lappersdorf, Tegernheim, Zeitlarn, Donaustauf und Pentling. Bei Neubauwohnungen im Landkreis kostet der Quadratmeter durchschnittlich 3200 Euro, bei Bestandswohnungen sind es 2250 Euro. Mietwohnungen im Umland sind mit durchschnittlich 8,90 Euro für den Quadratmeter beim Neubau und 7,30 Euro beim Bestand deutlich günstiger als im Welterbe.

Die Mieten sind zwischen 2010 und 2016 bei Neubauten um 41 Prozent und bei älteren Wohnungen um 26 Prozent in die Höhe geschnellt. Für neue Reihenhäuser im Landkreis Regensburg müssen die Käufer durchschnittlich 240 000 Euro berappen, für ältere 224 000 Euro. Einfamilienhäuser kosten im Schnitt 365 000 Euro. Am meisten müssen Käufer in Pentling, Zeitlarn und Donaustauf ins Eigenheim investieren: durchschnittlich 550 000 Euro.

Der Immobilienreport

  • Der jährlich erscheinende Immobilienreport

    der Sparkasse Regensburg für die Stadt und den Landkreis mit ihren insgesamt 350 000 Einwohnern stellt eine unabhängige Expertise dar. Fachleute des Instituts für Immobilienwirtschaft (IREBS) an der Universität und der Unternehmensberatung Bulwiengesa in München stellen ihn zusammen. Die Ergebnisse sind also wissenschaftlich belegt.

  • Die mehr als 90-seitige Übersicht

    ist höchst aktuell. Laut Felix Embacher von Bulwiengesa sind Zahlen des Regensburger Gutachterausschusses eingeflossen, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden.

  • Druckexemplare des Immobilienreports

    erhalten Kunden auf Anfrage in den Filialen oder der Sparkassenzentrale Lilienthalstraße. Auf der Website der Bank kann man den Bericht herunterladen.

  • Errkenntnis für die Stadt und den Landkreis:

    Der Immobilienmarkt bleibe hochdynamisch, betonte Dr. Markus Witt, stellvertretender Vorstandschef.

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