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Verfahren

Wolbergs ehrt Sieger als „Privatperson“

Der suspendierte OB verleiht beim Challenge Regensburg eine Medaille. Die Landesanwaltschaft geht der Sache nach.
Von Micha Matthes und Norbert Lösch, MZ

Der suspendierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hängte bei der Challenge Regensburg dem zweitplatzierten Sebastian Neef die Medaille um. Das sorgte für viel Verwunderung – nicht nur beim Publikum. Foto: Brüssel
Der suspendierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hängte bei der Challenge Regensburg dem zweitplatzierten Sebastian Neef die Medaille um. Das sorgte für viel Verwunderung – nicht nur beim Publikum. Foto: Brüssel

Regensburg.Bei der Großveranstaltung Challenge Regensburg gab es am Sonntag so manche Überraschung. Den Sieger, Jan Raphael aus Hannover, ehrte Renndirektor Thomas Tajsich. Die Bühne gehörte dann aber jemand anderem: Besondere Aufmerksamkeit richtete sich auf Sebastian Neef, weil der als Lokalmatador an zweiter Stelle im Ziel einlief. Seine Medaille wurde ihm dort von einem überreicht, auf den sich ebenfalls besondere Aufmerksamkeit richtete: von Joachim Wolbergs, dem derzeit suspendierten Oberbürgermeister von Regensburg.

Wolbergs trug dabei einen Regensburg-Pin mit dem Wappen der Stadt am Revers seines Sakkos. Dass Oberbürgermeister Wolbergs trotz vorläufiger Amtsenthebung diese Aufgabe übernahm, darüber wunderten sich nicht nur viele Zuschauer, darüber zeigte sich auch die Landesanwaltschaft Bayern verblüfft, die Wolbergs im Januar vorläufig suspendiert hat. Auf die Frage, in welcher Funktion er beim Challenge die Siegerehrung vornahm, sagte Wolbergs selbst: „Wenn ich in die Öffentlichkeit gehe, dann bewege ich mich dort ausschließlich als Privatperson. Und alles was ich tue, tue ich als Privatperson, weil ich ja vorläufig vom Dienst suspendiert bin.“

Stadt-Repräsentant ehrte Dritten

Wolbergs erwartete die Sieger im Zielbereich. Foto: Dr. Christoph Rummel
Wolbergs erwartete die Sieger im Zielbereich. Foto: Dr. Christoph Rummel

Die Landesanwaltschaft hatte die Suspendierung von Wolbergs am 27. Januar ausgesprochen. Von dem Auftritt von Wolbergs bei der Challenge Regensburg habe man bislang noch keine Kenntnis gehabt, sagte der stellvertretende Pressesprecher, Oberlandesanwalt Dr. Jörg Spennemann, auf Nachfrage unseres Medienhauses am Montag. „Wir holen dazu derzeit Informationen ein.“ Der Sachverhalt müsse nun zunächst weiter aufgeklärt werden. Eine Suspendierung gelte umfassend. „Es können und dürfen keinerlei Amts- oder Repräsentationshandlungen vorgenommen werden“, sagte Spennemann.

Die Landesanwaltschaft hatte ihre Entscheidung im Januar damit begründet, dass „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ auch mit einer endgültigen Entfernung Wolbergs aus dem Dienst zu rechnen sei. Am 3. Februar ordnete die Landesanwaltschaft dann noch den Einbehalt der Dienstbezüge des Oberbürgermeisters in Höhe von 50 Prozent an. Nach Angaben der Landesanwaltschaft, die die oberste Disziplinarbehörde darstellt, ist es der erste Fall seit 2006 in Bayern, in dem ein amtierender Rathauschef vorläufig suspendiert wurde.

Offizieller Vertreter der Stadt war Wolbergs bei der Siegerehrung natürlich nicht. Diese Aufgabe hatte der städtische Sportreferent Dr. Hermann Hage übernommen – der pikanterweise erst nach Wolbergs bei der Ehrung des Drittplatzierten zum Zuge kam. Die Vertreterin als Stadtoberhaupt, Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, hatte die Repräsentationsaufgaben nach Angaben der städtischen Pressestelle klar aufgeteilt. „Die Bürgermeisterin hatte am Samstag den Frauenlauf eröffnet und war zusammen mit der Landrätin auch frühmorgens beim Start des Schwimmens am Guggenberger See zugegen“, so Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra.

Am Sonntag habe Maltz-Schwarzfischer zwei weitere Termine gehabt und deswegen Dr. Hage um Vertretung bei der Siegerehrung gebeten. Ob der Auftritt von Wolbergs damit ein Affront gegen die Stadt gewesen sei, wollte seitens der Stadtverwaltung am Montag niemand kommentieren. Von Roenne-Styra wies lediglich darauf hin, dass es sich nicht um eine städtische Veranstaltung gehandelt habe.

Der suspendierte Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Renndirektor Thomas Tajsich warten im Zielbereich auf die Sportler. Foto: Brüssel
Der suspendierte Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Renndirektor Thomas Tajsich warten im Zielbereich auf die Sportler. Foto: Brüssel

Der Organisator der Challenge Regensburg, Thomas Tajsich, lehnte am Montag eine Stellungnahme ab. Unsere Redaktion hatte ihn schriftlich unter anderem gefragt, ob das Einbinden von Wolbergs in die Siegerehrung eine Art Demonstration war, dass Tajsich nach wie vor hinter dem suspendierten OB steht und ihm deswegen ein öffentliches Forum bot.

Nach umfangreichen Ermittlungen zum Regensburger Korruptionsskandal hatte die Staatsanwaltschaft Ende Juli Anklage gegen den suspendierten Oberbürgermeister erhoben. Von der Behörde werden ihm Bestechlichkeit in zwei Fällen, Vorteilsannahme, zwei wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Ausschreibungen und Verstöße gegen das Parteiengesetz vorgeworfen. Wolbergs wies diese Vorwürfe über seinen Anwalt Peter Witting stets zurück. Unter anderem teilte Witting am 27. Juli mit, dass sich an der Haltung seines Mandanten nichts geändert habe – „die gegen ihn erhobenen Vorwürfe weist er unverändert entschieden zurück“.

Wolbergs sorgt für Aufregung

Wolbergs war im Zuge der Regensburger Korruptionsaffäre Mitte Januar verhaftet, ungefähr sechs Wochen später aber wieder aus der Haft entlassen worden. Der Haftbefehl ist seither außer Vollzug gesetzt, Wolbergs wurde jedoch ein Kontaktverbot zu bestimmten Personen auferlegt. Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Februar sorgt Wolbergs mit seinem Auftauchen bei Veranstaltungen immer wieder für Aufregung. Im März trat Wolbergs vor Parteigremien auf. Parteifunktionäre aus der Stadt reagieren alarmiert, rieten Wolbergs zu politischer Zurückhaltung. „Öffentliche Auftritte von Wolbergs halte ich für parteischädigend“, hatte etwa Dr. Klaus Rappert, Fraktionsvorsitzender der Regensburger SPD, im März gesagt. Auch die Spitze der Landes-SPD äußert sich entsprechend.

Alle Nachrichten rund um die Korruptionsaffäre finden Sie hier.

Die Teilnahme von Wolbergs an einer DGB-Demonstration zum 1. Mai sahen einige Partei-Genossen ebenfalls kritisch. Wolbergs ging schweigend in dritter Reihe, etwas abgesetzt von der Spitze des Zuges, den DGB-Repräsentanten und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer mit einigen Stadträten anführte.

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