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Wolbergs gibt sich kämpferisch

Einstimmig beschlossen: Im „Leeren Beutel“ stellten der Regensburger OB-Kandidat und sein Verein Brücke das Wahlprogramm vor.
Von Daniel Steffen

Joachim Wolbergs hat mit seinem Verein „Brücke“ ambitionierte Ziele.  Foto: Steffen
Joachim Wolbergs hat mit seinem Verein „Brücke“ ambitionierte Ziele. Foto: Steffen

Regensburg.„Die Wahl gewinnt man nicht im Schlafwagen, sondern im Dialog mit den Menschen.“ Von dieser These überzeugt, motivierte Oberbürgermeisterkandidat Joachim Wolbergs seine Mitglieder des Vereins „Brücke“ dazu, nun mit Vollgas in den Kommunalwahlkampf zu starten. „Zwei Monate lang laufen, laufen, laufen“, laute die Devise, sagte der derzeit suspendierte Oberbürgermeister im gut besuchten „Leeren Beutel“. Dort winkten alle 83 anwesenden Brücke-Mitglieder das Kommunalwahlkampfprogramm ohne Gegenstimme durch, nachdem Wolbergs rund zwei Stunden detailliert über die Inhalte gesprochen hatte. Trotz der 26 Seiten, die das Papier umfasst, gab es nur vereinzelt Verbesserungsvorschläge, über die kurzerhand abgestimmt wurde.

Wolbergs betonte, das Programm nicht mit anderen Parteien verglichen zu haben. „Es ist mir relativ wurscht, wie andere das machen“, signalisierte er. Vielmehr gehe es der Brücke darum, eine bestimmte Haltung aufzuzeigen und aus dieser Haltung heraus sei das Positionspapier entstanden. Auch habe die Brücke die Ideen vieler Bürger mit in das Papier einfließen lassen, etwa bei den „Marktplatz“-Veranstaltungen im Marina-Forum. Unter dem Strich sei jedoch „nichts ins Stein gemeißelt“ - und Vieles, was man vorhabe, ließe sich „nicht schon morgen realisieren“, betonte Wolbergs.

Handlungsbedarf sieht die Brücke insbesondere bei der Digitalisierung der Stadtverwaltung. Es müssten „geeignete Maßnahmen entwickelt“ werden, die dazu beitrügen, die Chancen der Digitalisierung zu vermitteln, forderte Wolbergs. Deshalb plädierte er für einen Digitalisierungsbeaufragten, der mit seiner Stabsstelle beim OB angesiedelt sei.

Investitionen statt Sparkurs

Ebenso plädierte Wolbergs für einen weiteren Ausbau der Kreativwirtschaft. Mit dem „Degginger“ in der Wahlenstraße sei ein guter Anfang gemacht worden, sagte er. Den „Stau“ bei den städtischen Investitionen sieht Wolbergs nicht etwa in fehlenden Finanzmitteln, sondern in den „zu geringen Personalkapazitäten“ bei der Verwaltung begründet. Die Rücklagen der Stadt müssten dazu genutzt werden, um auch weiterhin in die Zukunft zu investieren, forderte Wolbergs. „Eine Schulbaumaßnahme darf nicht an der Frage scheitern, ob wir 160 Millionen Schulden haben“, sagte er.

Der Verein „Brücke“

  • Gründung:

    Der Verein „Brücke –Ideen wurden Menschen“ wurde im April 2019 gegründet, um mit seinem OB-Kandidaten Joachim Wolbergs am 15. März bei den Kommunalwahlen in Regensburg antreten zu können. Bei der Gründung zählte die Brücke 70 Mitglieder, mittlerweile hat sich deren Anzahl auf knapp 350 erhöht.

  • Ambition:

    In der Vorbemerkung zum 26-seitigen Wahlprogramm betont die Brücke ihren Wunsch, mit „möglichst vielen Sitzen im nächsten Regensburger Stadtrat vertreten“ zu sein. „Dabei ist unser Anspruch, die stärkste Fraktion zu werden und diese Stadt mitzuregieren“, heißt es darin.

  • Fraktion:

    Weil die Stadträte Thomas Thurow und Ernst Zierer von der SPD zur Brücke wechselten, stellt die Brücke bereits jetzt im Stadtrat eine eigene Fraktion.

Bedarf für eine Konzerthalle und ein Kongresszentrum sieht Wolbergs nach wie vor. Da eine Platzierung in der Altstadt nicht mehr realisierbar sei, müsse über Alternativen nachgedacht werden. Zumindest eine Überlegung wert sei, über einen Standort nahe der Regensburg-Arena nachdenken.

In puncto Klimaschutz sieht Wolbergs sofortigen Handlungsbedarf. Deshalb wolle die Brücke ein Konzept zur autofreien Innenstadt entwickeln und bis zum 2030 umsetzen. Ferner sollten innerstädtische Straßenbauprojekte nur dann realisiert werden, wenn die Maßnahme nicht durch das Angebot des ÖPNV ersetzt werden könne. „Autos raus“ ist für Wolbergs auch das Motto in der Obermünsterstraße, die nach dem Vorbild der Wahlenstraße umgebaut werden müsse. Eine Mobilitätsdrehscheibe fordert er auf dem Gelände des Alten Eisstadions, wo ein Parkhaus mit 2500 Stellplätzen realistisch sei. Auch der Ausbau von E-Car-Sharingangeboten wird angestrebt.

Neben dem Klimaschutz hat sich der Verein Brücke auch der Barrierefreiheit und nachhaltigen Verkehrsverbindungen, wie Rad- und Fußgängerwegen über die Donau, verschrieben.

Auf Welterbetitel verzichten?

Diese Ziele hätten soweit Vorrang, dass man auf den Welterbetitel verzichten würde, betonte Wolbergs. Nach längerer Diskussion schlug er den Zusatz „im Extremfall“ vor, was die Mitglieder begrüßten. Wolbergs argumentiere, dass er die Baudenkmäler wertschätze, aber ein Welterbe-Titelverlust nicht zwangsläufig zu einem Rückgang des Tourismus führen würde. Das Beispiel Dresden habe Gegenteiliges gezeigt.

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