MyMz
Anzeige

Politik

Wolbergs: „Wahlkämpfe werden billiger“

Mit der „Brücke“ will der suspendierte OB 2020 antreten – und das über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanzieren.
Von Jürgen Scharf

Joachim Wolbergs stellte mit der Vorstandschaft des „Brücke“-Vereins das Programm für die kommenden Monate vor. Foto: Daniel Pfeifer
Joachim Wolbergs stellte mit der Vorstandschaft des „Brücke“-Vereins das Programm für die kommenden Monate vor. Foto: Daniel Pfeifer

Regensburg.Beim Verein „Brücke – Ideen verbinden Menschen“ wird sich in den kommenden Monaten einiges entscheiden. Anfang Juli soll feststehen, ob Joachim Wolbergs als Oberbürgermeister-Kandidat für die Kommunalwahl nominiert wird. Im September soll die Liste erstellt werden, im Oktober dann das Programm veröffentlicht werden. Dies gab die Vorstandschaft am Montagabend bekannt.

Wolbergs bezeichnete den Verein bei der Pressekonferenz als „Bewegung, die es mit und ohne meine Person gibt“. Die „Brücke“ würde demnach ihre Arbeit auch fortsetzen, wenn er im derzeit wegen Korruptionsvorwürfen laufenden Prozess wegen Bestechlichkeit verurteilt werden würde. Für diesen Fall hat Wolbergs, der die Vorwürfe bestreitet, bereits angekündigt, dass er sich aus der Politik zurückziehen würde.

„Es ist eine Bewegung, die es mit und ohne meine Person gibt.“

Joachim Wolbergs über die „Brücke“

Im „Brücke“-Verein scheint bislang aber alles darauf ausgerichtet, dass Wolbergs als Spitzenkandidat ins Rennen geschickt werden kann. Zulauf an Mitgliedern gibt es, wie Vorstandsmitglied Bernhard Lindner berichtete. Seit der Gründungsversammlung im April habe sich der Stand von anfänglich 70 auf nun 140 Mitglieder verdoppelt. In Arbeitskreisen werde derzeit an der thematischen Ausrichtung des Vereins gearbeitet.

Verein ist überparteilich organisiert

Die Vorstandsmitglieder berichteten am Montag, warum sie dem Verein beigetreten sind. Matthias Walk erzählte, dass die „Brücke“ für ihn eine Möglichkeit sei, sich ohne „diese straffen Strukturen, die es in Parteien gibt“, zu engagieren. Wolbergs wies auch grundsätzlich darauf hin, dass der Verein überparteilich organisiert sei – mit einer Ausnahme: „Bei uns hat niemand etwas verloren, der auf der ganz rechten Seite steht.“

Bettina Simon Foto: Daniel Pfeifer
Bettina Simon Foto: Daniel Pfeifer

Resolut traten die Mitglieder auf Nachfrage einer Aussage des SPD-Unterbezirksvorsitzenden Sebastian Koch entgegen. Dieser hatte den Verein als „Fanclub“ von Wolbergs bezeichnet, um den ein „Personenkult“ getrieben werde. „Ich habe da herzlich gelacht“, meinte etwa Bettina Simon. Auch Rupert Karl, der mehr als 45 Jahre Mitglied bei der SPD war und nun im erweiterten Vorstand der „Brücke“ tätig ist, weist diese These entschieden zurück: „Das war nicht schön und eine völlig übertriebene Aussage. Die Entscheidung zu wechseln, hat sich niemand leicht gemacht.“

Gibt es einen lachenden Dritten?

Wenn Wolbergs bei der Wahl antritt, wird darüber spekuliert, dass er und die SPD-Kandidatin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sich gegenseitig Stimmen wegnehmen könnten und es dann einen lachenden Dritten gibt. „Die Gefahr mag durchaus vorhanden sein“, sagte Vorstandsmitglied Markus Panzer dazu. Es sei aber eben eine Aufgabe für den Verein, aufzuzeigen, bei welchen Punkten er sich von allen anderen Parteien abgrenze. Die „Brücke“ sei keinesfalls lediglich eine Splittergruppe aus ehemaligen Sozialdemokraten, sondern werde versuchen, in der gesamten bürgerlichen Mitte Stimmen zu bekommen.

Reaktion

Wolbergs kehrt der SPD den Rücken

Nach dem Gespräch mit dem Stadtverband Regensburg sagt Wolbergs: „Es gibt kein Zurück mehr“ – und setzt auf die neue Liste.

Für den Fall, dass Wolbergs antritt, werde der Wahlkampf „ganz normal über Mitgliedsbeiträge und Spenden“ finanziert werden, wie er auf Anfrage der Mittelbayerischen sagte. Ihm sei dabei klar, dass das Thema Wahlkampfspenden in Regensburg durch den laufenden Prozess extrem belastet sei, dies werde wohl aber für alle, die bei der Wahl antreten, gelten. Wolbergs prognostiziert deswegen: „Wahlkämpfe werden billiger werden.“

Konkurrenzkampf „eine dumme Lage“

Für die Mitglieder der „Brücke“ stehen also spannende Wochen und Monate an. Doch auch die vergangenen Monate hatten es bereits in sich – nicht zuletzt wegen der Entscheidung, sich in dem Verein zu engagieren. Der 71-jährige Rupert Karl ist nach eigener Aussage schließlich eigentlich eingeschworener SPD-Anhänger. Mehr als 45 Jahre war er Mitglied der Partei. Nachdem er der „Brücke“ beigetreten ist, wurde ihm dort aber „gekündigt“, wie er es selbst bezeichnet.

Rupert Karl Foto: lgo
Rupert Karl Foto: lgo

Für die SPD schlage sein Herz grundsätzlich aber immer noch und er finde etwa auch die Arbeit von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gut: „Sie hätte ich im Wahlkampf natürlich ebenfalls unterstützt.“ Letztlich habe er sich aber aus der menschlichen Verbundenheit zu Wolbergs für den Wechsel entschieden: „Ich bin schon sehr lange mit ihm befreundet und halte ihn außerdem für einen sehr guten Politiker.“ Zudem hatte er das Gefühl, dass Wolbergs seit Bekanntwerden der Affäre „mit Füßen getreten wurde“ – und da wollte er nun etwas tun.

Die missliche Ausgangslage, dass sich „Brücke“ und SPD bei der Kommunalwahl nun voraussichtlich Stimmen wegnehmen werden, sei „eine dumme Lage“, findet Karl: „Aber es hat eben keinen Zusammenschluss mehr gegeben, womit ich letztlich aber auch gerechnet habe.“ Auch für den Fall, dass Wolbergs nach dem Urteil nicht bei der Kommunalwahl antreten würde, bleibt Karl nach eigener Aussage bei der „Brücke“: „Die Arbeit hier geht ja so oder so weiter.“

Feedback unterschiedlichster Art

Negative Reaktionen aus ihrem persönlichen Umfeld auf ihr Engagement in der „Brücke“ habe es nicht gegeben, erzählt Bettina Simon, die als Rechtsanwältin arbeitet. Feedback unterschiedlichster Art, auch kritisches, habe sie lediglich bereits vor längerem auf ihre „klare Meinung“, die sie zum Prozess gegen Wolbergs habe, erhalten.

Walk, der als Journalist bei einem Regensburger Fernsehsender arbeitet, erzählt, dass er sich bewusst sei, dass er mit seinem Engagement bei der „Brücke“ auch in der Öffentlichkeit stehe. Interessenskonflikte mit seinem Beruf gebe es aber nicht, „da ich keine politische Berichterstattung mache. Wenn ich in diesem Bereich arbeiten würde, hätte ich mich hier auch nicht engagieren können“.

Weitere Nachrichten aus Regensburg gibt es hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht