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Videospiel

„Woody“ zockt sich in die Bundesliga

Der Regensburger Tobias Hölzl gehört zu den 64 besten deutschen Fifa-18-Spielern. Er kämpft um die deutsche Meisterschaft.
Von Katharina Eichinger

Fifa 18 begeisterte schon im vergangenen September auf der Gamescom in Köln. Doch für die meisten ist das Spiel ein Hobby. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa
Fifa 18 begeisterte schon im vergangenen September auf der Gamescom in Köln. Doch für die meisten ist das Spiel ein Hobby. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Regensburg.Tobias Hölzl ist einer von zwölf Zockern, die sich gegen mehr als 40 000 andere Spieler durchgesetzt haben und im März bei den Play-offs für die Virtuelle Bundesliga antreten werden: Nach 86 Siegen, vier Unentschieden und keiner einzigen Niederlage ist der Regensburger am 10. März in Düsseldorf dabei, wenn er sich gegen die 63 besten Zocker Deutschlands an der Playstation 4 im Fußball-Videospiel Fifa 18 behaupten muss.

Vier Monate lange hatten die Fifa-Zocker Zeit, sich für die Playo-ffs zu qualifizieren, in einem davon hat es der 18-Jährige geschafft. 90 Spiele hat er am Wochenende und abends – er macht eine Ausbildung zum Mechatroniker bei Infineon – absolviert. Bei Fifa nennt Hölzl sich „Woody_RGB“. „Mein Vater hat auch Fifa gespielt und der hieß damals Woody“, erklärt der 18-Jährige die Herkunft seine Namens. „Woody“ ist englisch und heißt „holzig“ – fast wie sein Nachname.

Seit zwölf Jahren Fifa

Tobias Hölzl tritt als „Woody_RGB“ bei Fifa-Turnieren an. Foto: Mercury Esports
Tobias Hölzl tritt als „Woody_RGB“ bei Fifa-Turnieren an. Foto: Mercury Esports

Wenn Hölzl Turniere spielt, ist er schon aufgeregt, „aber wenn man erstmal drin ist, vergisst man das“. Nur noch eine Woche hat er, bis er sein Können in Düsseldorf unter Beweis stellen muss. Bis dahin hat er vor, noch viele Testspiele gegen andere zu absolvieren, die sich ebenfalls für die Play-offs qualifiziert haben.

Zum ersten Mal kam Hölzl mit dem Spiel in Berührung, als Fifa 06 erschienen ist – das war vor zwölf Jahren. Turniere spielt er seit Fifa 16. Unterstützt wird er von der Organisation „Mercury Esports“, die zum Beispiel seine Teilnahmegebühren übernimmt.

Auch die Spieler des SSV Jahn Regensburg sind seit September vergangenen Jahres wieder bei Fifa: Nach vier Jahren ohne den SSV in der virtuellen Welt kann auch zu Hause wieder mit Marc Lais, Marco Grüttner und Co. gezockt werden. Das freut Jahn-Spieler Sven Kopp: „Ich zocke privat selbst gern, wenn es die Zeit zulässt. Jetzt, wo es den Jahn in den Spielen gibt, macht das natürlich umso mehr Spaß. Ich konnte auch schon gegen den ein oder anderen E-Sport-Profi spielen und weiß daher, wie viel Training die Jungs in ihr Spiel stecken.“ Cristiano Ronaldo von Real Madrid ist Hölzls Lieblingsspieler, Spieler vom SSV Jahn würde er gerne in seinen Kader aufnehmen – „aber sie sind zu schlecht“, sagt der 18-Jährige.

Nach den Spielerwerten von EA Sports zu urteilen, ist der beste Jahn-Spieler Sebastian Freis mit 70 Punkten, gefolgt von André Weis mit 69 Punkten. Bastian Lerch und Johannes Stingl haben mit jeweils 56 Punkten die schlechtesten Werte. Zum Vergleich: Stolze 91 Punkte bekommt Robert Lewandowski, der derzeit beim FC Bayern München unter Vertrag steht. Auf 93 Punkte bringt es Lionel Messi, der für den FC Barcelona kickt.

Der E-Sport

  • Definition:

    Sportwettkampfmäßiges Spielen von Video- beziehungsweise Computerspielen wird als E-Sport bezeichnet. So definiert es der eSport-Bund Deutschland e. V. (ESBD).

  • Spiele:

    In Deutschland sind zum Beispiel League of Legends, Counter-Strike, Call of Duty oder Fifa relevant. D ie Disziplinen unterscheiden sich in ihren Spielmechaniken: Es gibt zum Beispiel Strategiespiele, Ego-Shooter, Sport- und Rennsimulationen.

  • Betrug:

    Bei vielen Veranstaltungen seien „umfangreiche wettbewerbssichernde Maßnahmen“ eingeführt worden, teil der ESBD mit. Sie sollen die Manipulation des Spiels oder des Spielgeräts verhindern.

Warten auf die Förderung

Der E-Sport soll als Sport anerkannt werden, darin sind sich Zocker einig. In der kommenden Legislaturperiode wollen Union und SPD das Thema aufwerten. „Wir wollen dem Thema E-Sport einen größeren Bekanntheitsgrad geben“, sagte CSU-Unterhändlerin Dorothee Bär bei der Vorstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Digitales“. Deshalb soll das wettbewerbsmäßige Computerspielen im Vereins- und Verbandsrecht anerkannt und dem E-Sport eine „olympische Perspektive“ aufgezeigt werden.

Hölzl würde es toll finden, wenn der E-Sport als Sport anerkannt wird. „Klar ist das ein Sport. Man muss sich sehr konzentrieren und auch eine gute Koordination haben. Wenn Schach als Sport gilt, dann das auch.“ Es wäre sein Traum, als Profi in einem E-Sport-Verein zu spielen. „Das ist ein massiver Schritt nach vorne für den E-Sport in Deutschland“, sagt auch Hans Jagnow, Präsident des eSport-Bund Deutschland e. V. (ESBD). Die Verhandlungspartner würden sich zum E-Sport als Teil der deutschen Sportgesellschaft bekennen und lokale Förderung sowie internationale Beteiligung in Aussicht stellen. Jagnow erwartet tiefgreifende Effekte für auf die deutsche E-Sport-Szene.

Schon am 9. März geht es für Hölzl nach Düsseldorf. „Das geht gleich in der Früh los, da muss ich ausgeruht sein.“ Für ihn ist alles offen: Er weiß, dass es ziemlich schwer wird. „Wenn ich einen guten Tag und viel Glück habe, habe ich eine Chance.“ Sein Ziel: die Gruppenphase zu überstehen. „Wenn ich nicht weiter komme, wäre ich aber auch nicht enttäuscht.“

Der 1. FC Nürnberg will seine jungen Fans ansprechen und hat ein E-Sport-Team gegründet. Erfahren Sie mehr.

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