MyMz
Anzeige

Brauchtum

Wuide Dragn und unschuldige Kindl

Die Freunde um Hermann Plekat wollen Großstädter an alte Bräuche erinnern. Am Tag der unschuldigen Kinder kämpfen sie für die Rechte der Kleinen.
Von Gabi Hueber-Lutz, MZ

Am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder, werden die „Wuiden Dragn“ wieder zum Kindldog unterwegs sein.Foto: Verein „Wuide Dragn“

REGENSBURG. Der „Unschuldige Kindldog“ - was ist das? Diese Frage haben Hermann Plekat, Martin Preuschl und die anderen „Wuiden Dragn“ in den letzten Jahren oft gehört.

Da waren sie nämlich in der Regensburger Altstadt unterwegs und haben den alten Brauch gepflegt, bei dem die Menschen ermahnt werden, liebevoll mit ihrem Nachwuchs umzugehen. Auch heuer werden sie am Unschuldigen Kindldog, am 28. Dezember, wieder durch die Straßen und Gassen ziehen. Die unschuldigen Kinder, derer an diesem Tag gedacht wird, sind die ersten Märtyrer der christlichen Kirche. Das Matthäusevangelium berichtet in seinem zweiten Kapitel davon, dass König Herodes aus Angst, ihm könnte ein Konkurrent erwachsen, viele kleine Kinder umbringen ließ. Die „Wuiden Dragn“ sind ein Verein, der sich ganz bewusst der Brauchtumspflege verschrieben hat. Sie verwandeln sich in der Winterzeit in Perchtengestalten und treten mit ihren oft schaurigen Masken auf Weihnachtsmärkten auf. „Wir machen kein Larifari, wir wollen alte Bräuche erhalten“, betont Martin Preuschl, der Organisator.

Kinder im Wagerl durch die Stadt

Seine Frau Brigitte ist für die Ausstaffierung der Vereinsmitglieder zuständig, hat nach mittelalterlichem Vorbild Umhänge für den Kindldog genäht und die Digl, eine Kopfbedeckung, die bis über die Schultern fällt. Zunächst haben sich die „Wuiden Dragn“ mit Gestalten wie der Bluadigen Luz, Dammerl mit dem Hammer oder der Drud befasst. Vereinsvorsitzender Hermann Plekat ist beim Durchblättern des Heiligenkalenders aber auch auf den Tag der Unschuldigen Kinder gestoßen.

Wie dieser Tag früher begangen wurde, darüber gebe es viele Aufzeichnungen, hat er erkundet. Auch heute noch haben die Rituale rund um diesen Tag unterschiedliche Ausprägungen. In einem Regensburger Kloster zum Beispiel bekommt am 28. Dezember die jüngste Ordensschwester das Szepter in die Hand, weiß Plekat.

Die „Wuiden Dragn“ haben sich für das Brauchtum entschieden, wie es vor zirka 100 Jahren gepflegt wurde. In einem Leiterwagen sitzen die kleinen Kinder oder Enkel der Vereinsmitglieder und mit diesem Wagerl ziehen sie durch die Stadt. Die Kinder, denen sie begegnen, bekommen Nüsse, Mandarinen, Süßigkeiten, die Erwachsenen Ermahnungen. Die Botschaft lautet: Gebraucht keinen Gewalt gegen Kinder.

Eltern zu Tränen gerührt

Zusätzlich werden die Erwachsenen mit einem Tannenzweig berührt. Auch dieser Brauch hat viele Vorläufer. Für die „Wuiden Dragn“ ist er wieder Ermahnung, sich Gedanken darüber zu machen, wie man mit Kindern umgeht. Die Reaktionen der Leute, die sie angesprochen haben, sei durchaus unterschiedlich gewesen, erzählt Plekat. Einige hätten sich diese Einmischung in ihre Kindererziehung verbeten, andere seien zu Tränen gerührt gewesen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht