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Zarte Klänge aus längst vergangenen Zeiten

Die Museen der Stadt haben ein fast 200 Jahre altes Klavichord angekauft. Es stammt aus der Werkstatt von Georg Doser.
Von Andreas Meixner

Die Freude über das neue Instrument ist groß bei den Verantwortlichen: Stefan Baier, Michael Wackerbauer, Wolfgang Dersch, Thomas Burger, Dr. Doris Gerstl, Claudia Böckel und Kurt Beisenherz (v.l.)  Foto: Andreas Meixner
Die Freude über das neue Instrument ist groß bei den Verantwortlichen: Stefan Baier, Michael Wackerbauer, Wolfgang Dersch, Thomas Burger, Dr. Doris Gerstl, Claudia Böckel und Kurt Beisenherz (v.l.) Foto: Andreas Meixner

Regensburg.In einer Annonce aus dem Jahre 1804 heißt es: „Unterzeichneter macht einem hohen Adel und verehrungswürdigem Publikum bekannt, dass bei ihm alle Gattungen von Fortepianos, wie auch Klaviere, verfertigt werden. Er schmeichelt sich, den Beifall aller Kenner durch seine Arbeiten zu erwerben, und empfiehlt sich zu Gnaden.“

Werkstatt am Watmarkt

Der Unterzeichner ist der Instrumentenbauer Georg Doser, der im selben Jahr Regensburger Bürger wurde. Bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts ist seine Instrumentenwerkstatt in den Gassen nahe des Doms nachweisbar, zuletzt am Watmarkt 3. Ein Hammerflügel aus seiner Werkstatt wird auf das Jahr 1805 datiert, der sich in der Sammlung Neupert im Germanischen Nationalmuseum befindet. Das nun jüngst erworbene Klavichord dürfte um 1830 entstanden sein. Spät für eine Instrumentengattung, die zu diesem Zeitpunkt schon aus der Mode war, überholt von der besseren Technik und vom größeren Klangvolumen der Hammerflügel. Mit einem Umfang von sechs Oktaven war das ungemein leise Instrument nur für den häuslichen Gebrauch im privaten Salon bestimmt, verlangt aber trotz schlichter Bauweise und Technik hinsichtlich der Spielkunst und der spezifischen Anschlagtechnik bis heute hohe Sachkenntnis.

Instrumente im Museum

  • Flügel:

    Das Historische Museum besitzt schon länger zwei weitere Klavichorde, vier Hammerflügel, einen Tangentenflügel, ein Cembalo und Orgeln. Es verfügt auch über eine Sammlung historischer Streich- und Blasinstrumente.

  • Literaturtipp:

    „Die Musikinstrumente im Historischen Museum der Stadt Regensburg“, von Michael Wackerbauer (Univerlag)

Dr. Michael Wackerbauer vom In-stitut für Musikwissenschaft der Universität Regensburg, ein absoluter Kenner der Instrumentensammlung im Historischen Museum, zeigte sich begeistert vom Neuerwerb, informierte die Zuhörer über das historisch regionale Umfeld von Georg Doser und erläuterte die Bauweise des Klavichords. Der Erwerb des Instruments war möglich mit einem Zuschuss der Vereinigung der Museumsfreunde, die seit 1949 die Serenaden im Historischen Museum veranstalten.

Ein leises Tasteninstrument

Dr. Doris Gerstl, Leiterin der städtischen Museen, bedankte sich dafür bei Kurt Beisenherz, dem scheidenden Leiter der Konzertreihe. Prof. Stefan Baier, Spezialist für alte Tasteninstrumente, ließ mit einer Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach das Instrument im typisch empfindsamen Stil erklingen. Die Zuhörer mussten ihre Ohren spitzen, auch Claudia Böckel war als Duettpartner gefordert, den Bogen zurückhaltend und sanft über die Saiten ihrer Geige zu streichen, um das Klavierchord nicht zu übertönen. Mit einer fiktiven Geschichte um eine unerfüllte russisch-bayerische Liebesgeschichte aus dem regionalen Adelsleben des Biedermeiers schuf Böckel zudem einen anrührenden und kurzweiligen Brückenschlag in die Entstehungszeit des Instruments.

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